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Ortsdurchfahrt: Nerven liegen blank

Das Projekt Ortsdurchfahrt in Teufen zieht sich hin. Einsprachen und Projektänderungen verzögern den Baubeginn und verunsichern das Volk. Die Appenzeller Bahnen wollten reinen Tisch machen und luden zum Informationsabend. Dieser verlief nicht harmonisch.
Astrid Zysset
So soll Teufen einmal nach dem Bau der Doppelspur aussehen. (Bild: Visualisierung: PD)

So soll Teufen einmal nach dem Bau der Doppelspur aussehen. (Bild: Visualisierung: PD)

Regierungsrat Dölf Biasotto fand deutliche Worte: «Einen Marschhalt wird es nicht geben! Der wäre politisch gegenüber dem ganzen Kanton nicht zu verantworten.» Einen solchen forderte FDP-Kantonsrat Urs Alder. Die Situation sei «verfahren», eine «gfreuti Sach» werde die Ortsdurchfahrt nicht mehr. Höchste Zeit also, das Ganze zu stoppen. Einer der Anwesenden im Saal rief, dass die Tunnellösung nochmals zur Abstimmung kommen sollte. Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen (AB), stellte hingegen klar, dass sie in der Pflicht seien, mit dem Projekt Ortsdurchfahrt weiterzumachen. Kosten von neun Millionen Franken seien schon angelaufen, Investitionen für weitere 16 wurden ausgelöst. «Eine Verhinderungstaktik bringt nichts. Mit der Doppelspur gibt es während der Bauzeit zwar ‹Durststrecken›, aber zumindest hat das Dorf Ende 2024 dann eine gute Lösung.»

Die Diskussion anlässlich des Informationsabends, den die AB vergangenen Donnerstagabend im Lindensaal organisierte, war hitzig. Die Nerven lagen blank. Die anstehende Bauzeit bereitet Anwohnenden und dem Gewerbe Sorgen. Baumgartner meinte zwar, dass diesen besondere Beachtung geschenkt würde, doch die Realität wollte Gesamtprojektleiter Arthur Hitz nicht beschönigen: «Es wird wild aussehen.» Besonders die Verkehrsführung während der Bauzeit sei nicht einfach zu organisieren. «Allerdings wird es nicht der Fall sein, dass jemand zwei Jahre vor der Haustüre eine Baustelle haben wird.»

Gemeindepräsident Reto Altherr kündigte an, dass die Gemeinde in Form eines Provisoriums für Geschäfte beispielsweise auf dem Zeughausplatz Unterstützung bieten würde.

Ortsdurchfahrt kostet mehr als ursprünglich angenommen

Das Projekt Ortsdurchfahrt gliedert sich in die Teilprojekte «Bahnhof», «Umbau Bahnhofkreuzung» und «Dorfzentrum – Stofel». Die Appenzeller Bahnen (AB), der Kanton wie auch die Gemeinde sind involviert. Gebaut wurde bislang noch nicht. Alle Teilprojekte sind unterschiedlich weit fortgeschritten: Beim Kreisel müssen drei Einsprachen bereinigt werden. Beim Bahnhofsumbau steht die Verfügung vom Bundesamt für Verkehr (BAV) aus. Ohne diese kann nicht mit dem Bau begonnen werden. Und beim Teilprojekt «Dorfzentrum – Stofel» müssen erst noch die Planungsunterlagen beim BAV eingereicht werden.

Regierungsrat Biasotto bezeichnete die Ortsdurchfahrt als «absoluten Normalfall». Zusatzschlaufen und Verzögerungen gebe es bei jedem grösseren Bauprojekt.

Die Kosten für alle Teilprojekte belaufen sich auf insgesamt 53.3 Millionen Franken. Im Edikt zur Abstimmung über den Kurztunnel im März 2017 war noch die Rede von 36.8 Millionen Franken, welche für die Ortsdurchfahrt aufgewendet werden müssten. Die Mehrkosten begründete Roland Steingruber, Leiter Infrastruktur bei der AB, damit, dass zahlreiche Änderungen vorgenommen werden mussten, die einen Mehrwert generieren. So wurde die Doppelspur Richtung Niederteufen verlängert. Zusätzliche Mittel würden auch für eine intensive Bauweise aufgewendet, indem vermehrt auf Fertigelemente zurückgegriffen würde. Damit könnte die Bauzeit verkürzt werden.

Bahnhofsumbau 2019 oder 2020

Der Bahnhofsumbau habe wegen des anstehenden Viertelstundentakts die höchste Priorität, sagte Roland Steingruber, Leiter Infrastruktur AB und es sei dasjenige Projekt, bei welchem eine Verzögerung massive Auswirkungen hätte. Am 11. August soll das Stellwerk von «Siemens» in Betrieb gehen. Verfehlen die AB diesen Termin, müssen sie möglicherweise ein halbes Jahr auf den nächsten warten. «Siemens hat enge Zeitpläne», so AB-Direktor Thomas Baumgartner. Klappt es mit dem August-Termin, würde der Bahnhofsumbau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, ansonsten würde er sich bis 2020 hinziehen. Noch ist eine Einsprache hängig. Die Gemeinde hatte sie eingereicht, da sie auf den Ostzugang zum Perron pocht. Eine Einigung konnte bislang nicht erzielt werden. Der provisorische Bauablauf sieht vor, Ende Februar mit dem Umbau im östlichen Teil des Bahnhofs zu beginnen. Im Juli ist der Einbau des dritten Gleises geplant, Bahnersatzbusse würden in Betrieb genommen. Dies hätte zur Folge, dass auf der Ebnistrasse vorübergehend eine Tempo-30-Zone eingeführt würde. Diese dauert bis Mitte August. Anschliessend werde der Individualverkehr von den Arbeiten nicht mehr tangiert. Mitte November soll der Umbau fertig sein.

Dorfzentrum – Stofel 2022 bis 2024

Auf der 1,2 Kilometer langen Strecke zwischen dem Dorfzentrum und dem Stofel soll die sogenannte Doppelspur realisiert werden. Indem sich der Bahnverkehr auf die Strasse verlagert, wird neuer Platz frei. Die Erstellung eines Rad- und Gehweges ist auf weiten Teilen der Strecke vorgesehen. Als «Schlüsselstelle» was den Platz betrifft, bezeichnete Gesamtprojektleiter Arthur Hitz die Situation beim Elektro Nef. Die Liegenschaft Hauptstrasse 5 soll um 5,5 Meter von der Strasse weg verschoben werden. «Die neue Lage wurde mit den Besitzern bereits definiert. Aber es stehen noch intensive Verhandlungen an», so Hitz. Wird das Haus verschoben, ergibt sich genügend Freiraum für die Erstellung eines Gehweges. Weiter ist in diesem Teilprojekt der Ersatz der Hangbrücke vorgesehen. Diese hätte gemäss Hitz ohnehin in den nächsten 5 bis 7 Jahren ersetzt werden müssen. Die Bauzeit für das gesamte Teilprojekt soll zwischen den Jahren 2022 und 2024 erfolgen. Knackpunkt ist die Verkehrsführung während der Bauzeit. Diese wie auch die Bauetappierung sind gegenwärtig Gegenstand von Verhandlungen. Der Bau der Doppelspur geschieht im unmittelbaren Dorfzentrum in Absprache mit der Gemeinde. Diese hatte eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich zwischen Juni und Dezember 2018 mit der Ausgestaltung und der Materialisierung beschäftigte. Genau genommen ging es um Mauern, Treppen, Grünflächen, Verkehrsschilder oder auch um das Lichtkonzept, das dort zum Tragen kommen sollte. «Mit dem finalen Vorprojekt sind wir fertig», so Gemeinderätin Pascale Sigg-Bischof. Die detaillierte Kostenschätzung ist in Erarbeitung. Über den notwendigen Baukredit kann die Teufener Stimmbevölkerung an der Urne befinden. Die Abstimmung ist auf den 19. Mai geplant.

Kreiselbau 2020

Der Kreiselbau beim Bahnhof ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Noch gilt es, drei Einsprachen zu bereinigen. Zwei der drei Einsprecher waren an der Versammlung zugegen und meinten, sie seien nicht der Grund für die Verzögerung. Man sei bereit, die ausgearbeitete Einigung zu unterzeichnen. Doch seit vergangenem Mai habe man nichts mehr gehört. AB-Direktor Thomas Baumgartner verwies auf das Bundesamt für Verkehr, welches daran sei, eine Verfügung auszuarbeiten. «Auch wir warten. Solche Verfahren brauchen Zeit.» Die Verfügung wird Mitte des Jahres erwartet, sodass erste Arbeiten zum Kreisel noch in diesem Jahr ausgeführt werden können. Grösster «Lupf» ist wohl die geplante Hausverschiebung Dorf 18. Das Gebäude soll versetzt werden, um eine neue Fussgängerführung zu realisieren.

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