Ort der Trauer und der Hoffnung

Der Innenraum der Herisauer Kreuzkapelle wurde komplett überarbeitet. Er ist heller und verfügt neu über einen Mittelgang. Ziel sei es gewesen, den ursprünglichen Charakter der Kapelle wiederherzustellen, sagt Architektin Eva Keller.

Michael Genova
Drucken
Teilen
Die Sanierung der Herisauer Kreuzkapelle ist abgeschlossen. (Bild: mge)

Die Sanierung der Herisauer Kreuzkapelle ist abgeschlossen. (Bild: mge)

HERISAU. Im Juli 1915 verabschiedete die Baukommission Herisau die definitiven Pläne für eine neue Friedhofskapelle. Der Kostenvoranschlag betrug 75 000 Franken, die Architektur des Baus bezeichnete die Kommission als «sehr einfach, aber wirkungsvoll». Seit damals erfuhr die Kapelle im Jahre 1970 eine radikale Renovierung. Die zweite, gründliche Sanierung ging kürzlich, nach einer neunmonatigen Bauzeit zu Ende. Gestern fand die Einweihungsfeier und Segnung der Kreuzkapelle statt. «Wir wollten der Kapelle ihre zarte Schönheit und kräftige Würde wiedergeben», sagt Eva Keller der Herisauer Architekten Keller Hubacher, die die Innensanierung fachlich begleitet haben.

Das Alte neu interpretiert

Die auffälligste Änderung im neugestalteten Innenraum ist der Mittelgang. «Wir wollten die ursprüngliche Ordnung wiederherstellen», sagt Eva Keller. Ziel sei es gewesen, sich der früheren Raumerfahrung anzunähern. Bislang sah man im Eingangsbereich auf eine weisse Wand mit Schirmständer, neu ist der Blick auf den Abendmahlstisch wieder frei. Um den Zustand von 1915 neu zu interpretieren, hat Eva Keller alte Pläne und Protokolle studiert. Dabei stiess sie auf Malereien, die bei der letzten Sanierung mit weisser Farbe überpinselt wurden. Sie sind nun teilweise freigelegt und befinden sich über dem Abendmahlstisch und im Tympanon über dem Eingang. Das matte Glas der Fenster wurde durch klares ersetzt und in der Mitte des Raums hängt ein moderner Leuchter, dessen Inneres ein Himmelszelt symbolisieren soll. Insgesamt erscheint der Innenraum in einem freundlichen Licht: Die Wände sind in einem warmen Weiss gehalten und harmonieren mit den dunklen Bänken aus Räuchereiche und dem sandfarbenen Holzzementboden.

«Bebauen und bewahren»

Gemeinderat Max Eugster war als Präsident für die Projektsteuerung verantwortlich und sprach von einem besonderen Gefühl: «Eigentlich sind wir an einem ernsten Ort, gleichzeitig freuen wir uns über die Renovierung.» Für den evangelisch-reformierten Pfarrer Mark Hampton gehört es zum Menschen, dass dieser gestalten will. Das Neue und Kreative sei zwar nicht immer allen genehm, er hoffe aber, dass das Resultate Freude bereite. «Gott setzte den Menschen in den Garten, damit er ihn bebaue und bewahre», zitierte Pfarrer Hampton aus der Bibel.

Seelsorgerin Iris Schmid vertrat die katholische Kirche und segnete die Kreuzkapelle. Kaspar Wagner begleitete die Einweihungsfeier auf der Orgel.

Die Mitglieder der Projektgruppe: Daniel Künzle, Uschi Hofmänner, Mark Hampton, Max Eugster, René Schoch, Eva Keller, Elmar Tomasi, Christof Simmler, Benedikt Geel und Hans Stricker (von links). (Bild: mge)

Die Mitglieder der Projektgruppe: Daniel Künzle, Uschi Hofmänner, Mark Hampton, Max Eugster, René Schoch, Eva Keller, Elmar Tomasi, Christof Simmler, Benedikt Geel und Hans Stricker (von links). (Bild: mge)