Operation Schwingerbrunnen ist gelungen

Der Brunnen für das Jubiläumsschwingfest in Appenzell ist etwas Besonderes: Er wird aus einem Stück gefertigt.

Karin Erni
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Die Spannung bei den Brunnenbauern in Eggerstanden ist gross: Wird der schwierige Durchstich des Röhrenstocks gelingen?

Die Spannung bei den Brunnenbauern in Eggerstanden ist gross: Wird der schwierige Durchstich des Röhrenstocks gelingen?

Bild: Karin Erni

Für das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest in Appenzell wird viel Aufwand betrieben. Selbst der Brunnen, an dem sich die Schwinger nach dem Kampf das Sägemehl aus den Augen waschen, soll ein ganz besonderer werden: «Trog und Röhrenstock sind aus einem Stück gefertigt, das gab es noch nie», sagt Walter Koller. Der Revierförster von Appenzell hat den Baum für den Schwingerbrunnen eigenhändig ausgewählt. Eine Fichte sollte es sein, weil dieses Holz in einem gefälligen Farbton nachdunkelt.

Ein Jahr lang habe er nach dem perfekten Fichtenstamm Ausschau gehalten, sagt Koller. «Der Baum musste eine spezielle Astgabelung haben, damit daraus der Röhrenstock werden kann.» Fündig wurde er schliesslich an einem Waldrand bei der Alp Gross-Berndli, die zwischen Kronberg und Säntis liegt. Die Besitzerin, die Holzbau Oberholzer, stellte den Baum kostenlos zur Verfügung. «Als ökologischen Ausgleich werden wir in jenem Waldstück im Frühjahr 50 junge Fichten pflanzen», sagt Walter Koller. Als Beitrag an die Artenvielfalt kommen je fünf Ahorne, Douglasien, Weisstannen und Lärchen dazu.

Tüftler entwickeln Spezialbohrer

Gefällt wurde die knorrige Fichte, als der Mond genau im richtigen Sternzeichen stand. Für den Abtransport aus dem unwegsamen Gelände unterhalb des Öhrlis war ein Helikopter nötig, denn der Baum musste unbeschadet bleiben. Die Helikopterfirma Rotex aus Balzers flog den 2,7 Tonnen schweren Stamm kostenlos zur nächsten Waldstrasse. Danach ging es mit einem Transportfahrzeug in die Werkstatt von Thomas Fässler in Eggerstanden.

Dort stand gestern der schwierigste Arbeitsschritt an. Um im krummen Brunnenstock eine Röhre für den Durchfluss des Wassers zu schaffen, hatte das Tüftlerteam bestehend aus Sepp Koller, Martin Fuchs und Thomas Fässler eigens eine spezielle Bohrvorrichtung konstruiert. Sie kann in einem gebogenen Radius in den Stock dringen. Es tönt wie beim Zahnarzt. Immer wieder werden mit einem Schlauch Späne aus dem Bohrloch gesaugt. Zur Kontrolle wird eine kleine Kamera ins Loch eingeführt. Die Freude ist gross, als auf dem Display erkennbar wird, dass der Durchstich gelungen ist.

Brunnen wird Preis für Schönschwinger

Nach dem Schwingfest wird der Brunnen nicht in der Versenkung verschwinden. Er geht als Preis an jenen Schwinger, der am Fest die schönsten Gänge geliefert hat. Falls der Schwinger den Brunnen nicht selber behalten möchte, wird er versteigert. Sollten mehr als die veranschlagten 4000 Franken resultieren, geht der Rest an die Nachwuchsförderung.

Der Brunnen soll gemäss seinen Erschaffern eine Naturschönheit bleiben. Er soll weder verziert noch lackiert werden. Als einzigen Schmuck erhält er zuoberst eine Wetterfahne. Diese wird einen aufrecht stehenden Appenzeller Bären darstellen, der eine Schweizer Fahne in den Tatzen hält. Seinen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit wird der Brunnen am 1. August haben, rund einen Monat vor dem Jubiläums-Schwingfest.