One Night Stand

Bauchkrämpfe sind scheisse. Überfallartig können sie auftauchen. Steuern kann man sie leider nicht. Nehmen wir mal einen besonderen Ort. Nehmen wir ein fremdes Bett. So geschehen einem Freund von einem Bekannten.

Philipp Langenegger
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Bild: Philipp Langenegger

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Bauchkrämpfe sind scheisse. Überfallartig können sie auftauchen. Steuern kann man sie leider nicht. Nehmen wir mal einen besonderen Ort. Nehmen wir ein fremdes Bett. So geschehen einem Freund von einem Bekannten. Er hatte einen One Night Stand, so beginnt seine Geschichte, die sich so zugetragen haben soll. Morgens wachte er auf. In einem fremden Nest. Das Bett neben ihm war leer. Man hörte die Dusche rieseln. Die hübsche Dame besetzte das Bad. Stören wollte und konnte er nicht. Heimtückisch überfielen sie ihn. Die Bauchkrämpfe. In der Wohnung gab es keine andere Toilette. Er krümmte sich vor Schmerzen. Verzweiflung machte sich breit. Seine letzte Rettung war ein leerer Plastiksack, der am Boden lag. Es ging nicht anders. Natürlich macht ein Gentlemen so was nicht. Aber es war ein Notfall. Wie ein Hundesäckchen versteckte er es hastig unter dem Bett.

Dann kam die flüchtige Bekanntschaft aus dem Bad. Sie verabschiedete sich mit den Worten, sie müsse jetzt schnell zur Arbeit. Er soll die Türe einfach hinter sich zuziehen, dann wäre sie verschlossen. Sie rauschte davon. Ihr Parfum lag in der Luft. Die Plastiktüte stellte er schnell auf den Tisch, bereit zum Mitnehmen. Auf einen Fresszettel schrieb er eine Nachricht für die Dame und kritzelte seine Handynummer darunter. Schnell zog er sich an. Nach einem Blick in den Spiegel fasste er hastig seinen Mantel, schlüpfte in die Schuhe und zog die Tür ins Schloss. Man hörte sie im ganzen Treppenhaus zufallen. Verschlossen. Was er geschrien hat, ist nicht genau bekannt, wahrscheinlich «Scheisse» oder so ähnlich, als er bemerkte, dass er das Wichtigste liegengelassen hat. Die Tüte. Sie lag noch auf dem Tisch. Darunter die Notiz: «Danke für die schöne Nacht, Baby.»