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OLYMPIA: Rock 'n' Roll auf Ski

Wenn Beat Feuz und Lara Gut über die Pisten von Pyeongchang rasen, fiebert die Schweiz mit. Dass die Skirennen aus Südkorea weltweit zu sehen sind, ermöglichen der Nesslauer Regisseur Beni Giger und sein Team.
Sabine Schmid
Der Nesslauer Beni Giger ist für die Übertragungen der alpinen Skirennen der Olympischen Spiele in Pyeongchang zuständig. Das bringt viel Arbeit mit sich – zum Skifahren kommt er selber dabei nicht. (Bild: Marcus Gyger/SRF)

Der Nesslauer Beni Giger ist für die Übertragungen der alpinen Skirennen der Olympischen Spiele in Pyeongchang zuständig. Das bringt viel Arbeit mit sich – zum Skifahren kommt er selber dabei nicht. (Bild: Marcus Gyger/SRF)

Frei? Nein, hat er nicht. Zwar verbringt Beni Giger, bekannt als Regisseur für Skirennen, die Tage zwischen den Lauberhornrennen in Wengen und dem Abflug an die Olympischen Spiele in Pyeongchang zu Hause in Nesslau. Aber Erholung? «Nein, ich beschäftige mich bereits intensiv mit den alpinen Skirennen der Olympischen Spiele», sagt er. Dabei waren die Übertragungen der Weltcuprennen in Adelboden und Wengen in diesem Jahr alles andere als Routine. «In Adelboden waren wir wegen eines Erdrutsches von der Umwelt abgeschnitten und in Wengen hat der Sturm Podeste für Kameras umgeworfen», erzählt Beni Giger. Notlösungen mussten gefunden werden, zusätzlicher Aufwand. Den Toggenburg konnte dies aber nicht erschüttern. «Wir arbeiten in der Natur, das ist für mich nach wie vor das Schöne.»

Konzentriert bis zum letzten Fahrer

Die Pisten, auf denen die olympischen Alpin-Bewerbe ausgetragen werden, hat Beni Giger bereits vor zwei Jahren kennen gelernt. «Ich bin die Strecken im Sommer abgelaufen und habe die Positionen der Kameras bestimmt», erzählt er. Wichtig ist, dass die gesamte Strecke von Kameras eingefangen werden kann. Aus der Flut von Bildern, die die insgesamt 40 Kameras an der Abfahrtsstrecke produzieren, werden im Produktionswagen diejenigen ausgewählt, die schliesslich am Fernsehen zu sehen sind. Je nach Startintervall seien es mehr oder weniger, sagt Beni Giger. Dazwischen blendet er weitere Bilder ein, vom Start, vom Ziel, vom Publikum. «In meinem Job geht es darum, dass ich eine Geschichte erzähle», betont Beni Giger. Anhand von Startlisten und Informationen bereitet er sich vor, weiss wer die Favoriten sind, sucht nach wichtigen Begleitpersonen, um deren Bilder im richtigen Moment einzublenden. Manchmal bekommt er zusätzliche Hinweise von den Moderatoren, die ihrerseits Geschichten rund um die Rennfahrer suchen. «Aber», betont Beni Giger, «ich darf weder Athleten noch Nationen bevorzugen. Denn wir produzieren die Bilder im Auftrag des Olympischen Komitees und müssen darum neutral sein.» Besonders herausfordernd findet er die technischen Rennen wie Riesenslalom und Slalom, bei denen viele «Exoten» am Start sind. Aufgrund der kurzen Startintervalle seien mehrere Athleten auf der Piste, die alle aufgezeichnet und gezeigt werden müssen. «Da heisst es für mich und mein Team, dass wir konzentriert sein müssen bis zum letzten Fahrer.»

Verschiebungen werfen alles über den Haufen

Besonders an seinem Einsatz in Pyeongchang ist, dass die Speed-Disziplinen und die Technischen Rennen nicht am selben Ort stattfinden, es liegt eine rund 50-minütige Autofahrt dazwischen. Doch nicht nur dies ist es, was Beni Giger Schlaf kosten wird. «Wenn Trainings oder Rennen verschoben werden, wirft das die Planung über den Haufen», sagt er. Ganz so intensiv wie sein erster Einsatz an den Olympischen Spielen in Turin wird Südkorea aber wohl doch nicht werden. «Damals habe ich fast nicht geschlafen», erinnert er sich. Inzwischen habe er gelernt, Verantwortung abzugeben. Jeder wisse, was er zu tun habe und er als Regisseur müsse das Ganze zusammenhalten. Er sei deshalb froh, dass er auf ein bewährtes Team zurückgreifen kann. «Im Produktionswagen ist es während der Rennen hektisch. Je besser das Team eingespielt ist, desto einfacher geht die Arbeit», sagt Beni Giger.

Bei Stürzen bestimmt das Bauchgefühl

Schwere Stürze gehören – gerade bei den schnellen Rennen – auch dazu, denn Skisport ist gefährlich. Ja, er habe schon einige heftige Stürze gesehen, bestätigt Beni Giger. Bei der Auswahl der Bilder, die gesendet werden, entscheide er aus dem Bauch heraus. «Ich frage mich immer, ob die Mutter und der Vater des Athleten das sehen wollen.» Dazu komme, mehr als zweimal zeige er einen Sturz nicht. Angesprochen auf seine Lieblingsdisziplin, antwortet Beni Giger, dass er den Slalom gut findet. Da könne er die Kameras näher am Renngeschehen positionieren als bei den Speed-Rennen, erklärt er. Und als Einstimmung auf das Rennen sende er seinem Team das Lied «We will rock you» auf die Kopfhörer. «Das passt doch zum Slalom, der ist wie Rock’n’roll auf Ski», sagt Beni Giger.

Am Samstag steigt der Nesslauer ins Flugzeug in Richtung Südkorea. Am Sonntag, 11. Februar, gilt es für ihn zum ersten Mal Ernst, dann richtet sich sein Augenmerk und jenes von Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt auf die Abfahrtsstrecke zur Olympiaabfahrt der Herren. Ob es einen Schweizer Sieg gibt, bekommt Beni Giger nur am Rande mit. Viel wichtiger ist ihm, dass das Rennen und die Emotionen gezeigt werden.

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