Olympia als gemeinsames Ziel

Radprofi Michael Albasini und Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig haben in St. Moritz trainiert. Sie haben sich sowohl über die Tour de Suisse als auch die Wochen bis zu den Olympischen Spielen in Rio unterhalten.

Urs Huwyler
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Trotzen dem Regenwetter in St. Moritz: Die Spitzensportler Nicola Spirig und Michael Albasini. (Bild: uhu)

Trotzen dem Regenwetter in St. Moritz: Die Spitzensportler Nicola Spirig und Michael Albasini. (Bild: uhu)

TRIATHLON. Nicola Spirig lobte nach der Tour rund um St. Moritz und Pontresina ihren Begleiter, den Gaiser Michael Albasini. «Er kann sich perfekt dem Tempo anpassen. Es hat Spass gemacht.» Sie hatte bereits 90 Minuten Laufen im Wald hinter sich, er war zuvor Richtung Julier unterwegs. Sie musste später im Hallenbad Kilometer schwimmen, er talabwärts weitere Stunden trainieren. «Das Wetter spielt keine Rolle. Die Wettkämpfe finden auch bei Regen statt», dachte sich die Nummer 27 des World Tour Rankings. Die Tour zu verschieben, war kein Thema. Die beiden Sportler haben ein gemeinsames Saisonziel: die Olympischen Spiele in Rio. «Mit dem Unterschied, dass ich nicht weiss, ob ich dabei bin. Selektioniert wird am 6. Juli», fügte der Radprofi an. Für Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig ist aufgrund der Resultate bei den Klassikern und dem Romandie-Etappensieg klar, dass «Alba» dabei sein wird.

Zuerst folgt vom 11. bis 19. Juni die Tour de Suisse. «Wirst du als Leader bestreiten können?», wollte sie von ihrem Micarna-Teamkollegen wissen. «Entscheidend wird sein, ob wir einen Fahrer fürs Gesamtklassement dabei haben und er Chancen auf eine vordere Klassierung besitzt. Ist dies nicht der Fall, sind die Freiheiten grösser.»

Zweite Tourhälfte

Die Tour de Suisse wird für den Radprofi nach dem Aufenthalt im Engadin und auf dem Säntis die nächste Rundfahrt. Was ihn quer durch die Schweiz erwartet, weiss Michael Albasini: «Ab der 5. Etappe geht es zuerst über Furka und Gotthard mit einer Bergankunft im Tessin. Am Tag danach folgt der Klausen mit dem Aufstieg zur Amdener Höhe. Auf den Rettenbach-Gletscher bei Sölden sind es mehr als 4200 Steigungsmeter. Das Zeitfahren in Davos wird ebenfalls anspruchsvoll, und zum Schluss folgen Albula und Flüela. Letztes Jahr gab es eine Bergetappe, diesmal sind es vier.»

Ob es Sinn mache, ein solch kräfteraubendes Programm als Vorbereitung auf die Tour de France und Olympia zu bestreiten, fragte sich Nicola Spirig. «Es ist immer ein Erlebnis, die Rundfahrt im eigenen Land zu bestreiten. Läuft es gut, stimmt die Form und es sind keine Beschwerden spürbar», so der Appenzeller zur Zürcherin, «kann der Rennrhythmus zu Beginn der Tour de France von Vorteil sein. Wichtig ist, auf den Körper zu hören. Die Gesamtwertung ist für mich kein Thema.»

Bildung einer Fluchtgruppe

Einzelsportlerin Nicola Spirig findet in ihrer Disziplin eine andere Ausgangslage vor. Auf dem Rad kann die Taktik bei Olympia dann eine Rolle spielen, wenn die Schweizerinnen in verschiedenen Gruppen vertreten sind. Dann sollten nicht wie in Peking 2008 beide führen. «Brauchst du bei deinen Attacken die Unterstützung durch Helfer?», möchte die mehrfache Europameisterin mit Bürgerort Widnau vom Orica-Profi wissen. «Kommt es zum Sprint, ist es von Vorteil, können Teamkollegen einen Zug bilden und den Spurt anziehen. In einer Fluchtgruppe ist jeder auf sich alleine gestellt.»

Michael Albasini gehört zu jenen Allroundern, die immer wieder in Fluchtgruppen auftauchen. «Wie kommen solche zustande?», interessiert sich die Dreikämpferin. Eine Variante: mit Vollgas aus dem Feld preschen, hoffen, dass Fahrer aus andern Teams mitkommen und ebenfalls Führungsarbeit verrichten. «Es braucht», erklärt Michael Albasini, «oft mehrere Versuche, bis die Gruppe läuft, die Zusammensetzung passt. Gehören auf einer Flachetappe Vertreter von Sprinterteams dazu, sind die Erfolgsaussichten minimal, weil diese Fahrer nicht führen werden. Also macht es keinen Sinn, Kräfte zu verschwenden.»

Erfahrung und Instinkt

Um den richtigen Postabgang zu erwischen, müsse man sich schon vor dem Start überlegen, was passieren könnte, wer ein Interesse an einer Fluchtgruppe haben könnte. Erfahrung und Instinkt seien wichtig. «Für mich geht es auf dem Rad vor allem darum, einen allfälligen Rückstand nach dem Schwimmen aufzuholen», sagt Nicola Spirig. Ihre Handverletzung ist so weit ausgeheilt, dass sie wieder angreifen kann. «Sie fährt auch auf nassen Strassen stark», hat Michael Albasini erkannt.

Mit den Worten «Dann sehen wir uns spätestens in Rio» verabschiedete sich Nicola Spirig. Sie wird bis am 17. August im Engadin stationiert bleiben, dann nach Brasilien fliegen, am 20. August zur Titelverteidigung starten. Gleichentags startet in Rio Bikerin Jolanda Neff zu ihrem ersten Olympiarennen. Derzeit trainieren die Schweizer Olympiahoffnungen manchmal zusammen. Neff weilt für zwei Wochen im Engadin. Denkbar, dass die Frauen Michael Albasini an der Tour de Suisse besuchen.

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