Olli möchte bohren

Aber seine Bohrmaschine ist kaputt. Er setzt sich vor den Computer und tippt bei einem Internethändler «Bohrmaschine» in das Suchfenster.

Lars Syring
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Bild: Lars Syring

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Aber seine Bohrmaschine ist kaputt. Er setzt sich vor den Computer und tippt bei einem Internethändler «Bohrmaschine» in das Suchfenster. Aber anstatt eine grosse Auswahl an Geräten anzuzeigen, fragt die Maske: «Warum suchen Sie eine neue Bohrmaschine?» Olli tippt: «Meine alte ist kaputt», woraufhin ihn das Programm fragt, was denn los sei. Olli tippt: «Gerät macht keinen Mucks.»

Dann schlägt ihm das Programm vor: «Die kann man reparieren. Darf ich Ihnen einen Elektriker in Ihrer Nähe vorschlagen?» «Nein», tippt Olli. Und: «Neue kaufen.»

Endlich zeigt das Programm die verschiedenen Bohrmaschinen an. Nach einiger Zeit hat Olli sich für ein Modell entschieden. Gute Energieeffizienz und beachtliche Leistung. Ab in den Einkaufswagen für 400 Franken. Aber dann fragt das Programm: «Wie oft brauchen Sie das Gerät?» Olli denkt nach. «Vier- bis fünfmal pro Jahr», klickt er. Daraufhin erscheint ein Fenster: «Unsere Experten haben den Eindruck, dass es sich bei Ihrer Nutzungsfrequenz nicht lohnt, diese Maschine zu kaufen.» Und dann geht es weiter. Das Programm weiss, dass in Ollis Nachbarschaft neulich jemand dieselbe Maschine gekauft hat. Und der hat sich registrieren lassen und ist bereit, seine Maschine zu verleihen. «Sollen wir den Kontakt herstellen?» «Ja», klickt Olli. Und der Internethändler verrechnet ihm 5 Franken für den Kontakt. Und schreibt: «Sie haben 395 Franken gespart.» Und der Händler bietet an, das defekte Gerät kostenlos abzuholen. Und unten steht: «Kunden, die dieses Gerät nicht gekauft haben, haben auch folgende Produkte nicht gekauft: Winkelschleifer, Akkuschrauber, Werkzeugkoffer.»

Klasse Geschichte, oder? Könnte das funktionieren? Sie haben es sicher schon bemerkt: Das ist nicht der Olli aus Ostwestfalen. Sondern der aus der Werbung.

Die Idee zu dieser Brosmete stammt aus dem wunderbaren Buch von Harald Welzer «Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand». Aber ich bin mir nicht sicher, ob der andere Olli da nicht doch seine Finger mit im Spiel hatte.

Bild: Lars Syring

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