OL-Läufer in der Spitzensport-RS

Orientierungsläufer Sven Hellmüller aus Speicher absolviert momentan die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen. Auf den Anlagen des Bundesamtes für Sport wird er mit anderen Jungprofis auf die weitere Karriere vorbereitet.

Jeanot Mattle
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Will die verbleibenden Wochen in Magglingen bestmöglich nutzen: OL-Läufer Sven Hellmüller. (Bild: jem)

Will die verbleibenden Wochen in Magglingen bestmöglich nutzen: OL-Läufer Sven Hellmüller. (Bild: jem)

ORIENTIERUNGSLAUF. Eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Biel, den Bielersee, das Umland sowie die Berner Alpen hat die Sportschule Magglingen zu bieten. Nur wenige kommen in den Genuss des Privilegs, hier gefördert zu werden. Bei ungefähr 200 Anmeldungen jährlich schaffen nur rund 70 heranwachsende Profis aus allen erdenklichen Sportarten den Sprung in die Spitzensport-RS.

Einer davon ist der 20jährige Orientierungsläufer Sven Hellmüller aus Speicher. Die fünfwöchige Grundausbildung, welche jeweils im Schnelldurchlauf in Lyss stattfindet, nahm er bereits im November des vergangenen Jahres in Angriff. «Dort wurden wir morgens am Sturmgewehr, im Sanitätsdienst und in der ABC-Abwehr geschult. Nachmittags stand dann sportspezifisches Training auf dem Programm», erklärt er. Normalerweise leistet ein Rekrut der Spitzensport-RS die 18 Wochen am Stück. Aufgrund der nicht optimalen Trainingsverhältnisse während des Winters absolvierten die OL-Läufer ihre Laufeinheiten zu Hause und rückten erst zur nächsten Spitzensport-RS Mitte April wieder ein. «Die Entscheidung fällten die Kadertrainer. Jetzt während des Frühjahres können wir die Trainingsanlagen und das Material, das uns zur Verfügung steht, viel effektiver nutzen», sagt Rekrut Hellmüller.

Tarn- gegen Trainingsanzug

Inzwischen wurde der Tarnanzug durch den Trainingsanzug ersetzt. Seit knapp zwei Wochen ist der Speicherer nun permanent in Magglingen und hat fast nur Gutes zu berichten. «Hier herrschen optimale Trainingsbedingungen, und man wird sehr professionell betreut», so der OL-Läufer. Nur Urlaub für die Wettkämpfe zu bekommen, sei nicht immer ganz einfach.

Ebenfalls nicht ganz einfach ist es, überhaupt die RS in Magglingen absolvieren zu können. «Man muss vom Dachverband der jeweiligen Sportart einen Vorschlag für die Spitzensport-RS erhalten», sagt der 20-Jährige. Eine selbständige Anmeldung sei zwar möglich, doch Chancen auf einen Eintritt fallen dabei äusserst gering aus. Ein Kriterium des OL-Verbandes ist es, an einer Junioren-WM einen Rang unter den ersten 10 zu erringen, damit man eine Chance hat. Im Selektionsgespräch mit den Verantwortlichen werden gemeinsam Ziele für das kommende Jahr festgelegt.

Die Trainingssessionen mit eigenem Trainer setzen sich aus Dauerlauf, Krafttraining, Intervall auf Bahnen und Waldwegen, Biken und Aquajogging zusammen. Nebst der Medienschulung wird die Ausbildung zum Militär-Sportleiter absolviert. Diese ist für ein allfälliges Karriereende, etwa durch eine schwere Verletzung oder durch fehlende Motivation, gedacht. Sollte dies eintreffen, kann der Sportsoldat bei einer anderen Rekrutenschule oder in einem Rekrutierungszentrum als Sportleiter zugeteilt werden und somit seine Wiederholungskurse leisten.

Mehr als Erfüllen der Pflicht

Für Sven Hellmüller ist die Spitzensport-RS weit mehr als nur ein Erfüllen der Wehrpflicht. «Ich profitiere enorm, kann besser trainieren und mich erholen, Führung und Planung sind ebenfalls absolut professionell.» Die Trainings- und Erholungszeiten werden ebenso gezielt geplant wie die Termine beim Arzt und Physiotherapeuten. Auch Bad, Sauna und Massage stehen den Jungathleten zur Verfügung.

Förderer aus Norwegen

Dass Sven Hellmüller es schliesslich zum Spitzensport-Rekruten schaffte, verdankt er unter anderem auch seinem Engagement beim norwegischen Sportclub Fossum IF. «Das Gelände in Skandinavien ist anders als das unsrige und die Begeisterung für diesen Sport viel grösser. In der Schule ist OL sogar ein eigenes Fach», erklärt der 20-Jährige. Die grössten und populärsten Wettkämpfe finden in Schweden und Finnland statt. 1400 Teams mit insgesamt über 12 000 Teilnehmenden sind dabei keine Seltenheit. Die Skandinavier arbeiten praktisch die ganze Saison auf diese Ereignisse hin. «Die Clubs kämpfen hart gegeneinander, jedoch stets auf einer kameradschaftlichen Ebene», sagt Sven Hellmüller.

Die Schweizer Vereine gehen in der Regel nicht an diese grossen Anlässe. Ist man aber bei einem nordischen Club dabei, kann man daran teilnehmen. Fossum IF hat eine der besten Nachwuchsabteilungen, was OL anbelangt. Sven Hellmüller verbrachte im vorletzten Herbst zwei Monate in Norwegen, um zu trainieren, die Kartentechnik und die Sprache zu lernen. Der Club ist im Vergleich zu anderen eher klein. Hellmüller meint: «Das ist das Vorteilhafte daran. So besteht die Chance, selber an einem grossen Wettkampf teilnehmen zu können.»

Da er bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2015 in Norwegen eine starke Leistung zeigte, erhielt er Angebote von anderen Clubs aus Schweden und Finnland. «Ich habe alle abgelehnt. Ich bin eher der loyale Typ, möchte mit meinem Verein etwas erreichen.» Wenn der richtige Zeitpunkt dann gekommen ist, könne er sich vorstellen, zu einem grösseren Club zu wechseln.

Hohe Ziele gesteckt

«Einer der Gründe, warum ich OL laufe, ist der, dass man, um erfolgreich sein zu können, nebst dem Laufen auch kognitiv denken muss. Das fehlt mir bei den anderen Laufsportarten.»

Die beiden Hauptziele von Sven Hellmüller sind die Teilnahme an der Europameisterschaft 2018 im Tessin sowie die Universitäten-Weltmeisterschaft im kommenden August. Als Favoriten nennt er die Schweden, die Franzosen und die Schweizer. «Die Konkurrenz im OL ist sehr gross. Die Erfolgschancen auf eine Teilnahme sind schwierig abzuschätzen. Man weiss nie, wie nah man tatsächlich an die Besten herankommen kann. Die Erfahrung ist dabei enorm wertvoll», so Hellmüller.

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