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Ohne sie kommt keine Zeitung ins Haus

In der 190-jährigen Geschichte der «Appenzeller Zeitung» hat sich vieles verändert – auch die Arbeit der Verträger. Während Erika Löhrer heute nachts unterwegs ist, trug Jakob Solenthaler in den Kriegsjahren als Schüler tagsüber Zeitungen aus.
Martin Schneider

Jakob Solenthaler: Zeitungsverträger während den Kriegsjahren

Zur Aufbesserung der Familienkasse trug Jakob Solenthaler als Schüler Zeitungen aus. (Bild: CAL)

Zur Aufbesserung der Familienkasse trug Jakob Solenthaler als Schüler Zeitungen aus. (Bild: CAL)

Mit der «Appenzeller Zeitung» ist Jakob Solenthaler schon sein Leben lang verbunden. Täglich informiert er sich in seinem Leibblatt über das regionale Geschehen, sammelt interessante Artikel und legt diese in einer Sichtmappe ab. «Ich will auf dem Laufenden bleiben, um am Stammtisch mitdiskutieren zu können», sagt der 85-jährige Herisauer, der seit eineinhalb Jahren im Altersheim Heinrichsbad lebt.

Regelmässig sitzt er mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen, um sich über Gott und die Welt auszutauschen. Vor allem lokalhistorischen Themen gehört sein Interesse. Vor rund 75 Jahren trug Solenthaler als 5. und 6. Klässler die «Appenzeller Zeitung» aus. Was man heute als Kinderarbeit bezeichnen würde, war zur Kriegszeit nichts Ungewöhnliches. Seine Familie sei über jeden Franken froh gewesen, sagt der Pensionär. Insgesamt zwei Jahre war der junge Jakob Solenthaler zwischen 1943 und 1945 als Zeitungsverträger tätig. Der Verlag fragte jeweils die Schule nach geeigneten Mädchen und Buben. Im ersten Augenblick war er über die Anfrage seines Lehrers überrascht.

«Es machte mich jedoch Stolz, dass er mir diese Arbeit zutraute.»

Zu den Aufgaben eines Verträgers gehörte nicht nur den Lesern ihre Zeitungen zu bringen, sondern auch der Einzug des Abopreises. Den Primarschülern wurde damals einiges an Verantwortung übertragen. Solenthaler lebte mit den Eltern und den Geschwistern im Quartier Kreuzweg. Sein Tagesablauf war immer der gleiche: Am Mittag war um 11.30 Uhr Schulschluss. Danach brachte er jeweils seinen behinderten Bruder nach Hause, bevor es zum Sitz der «Appenzeller Zeitung» im Sandbüel ging. Dort holte er die 42 bereitgelegten Exemplare für seine Tour ab.

Diese führte Solenthaler über die Burghalden, das Sonnenbühl und die Bergweid zurück zum Ausgangspunkt. Nach rund 1,5 Stunden war er fertig mit seiner Runde. Bevor es wieder in die Schule ging, blieb ihm oft nur wenig Zeit, um etwas Kaltes zu essen. Als Verdienst erhielt Solenthaler einen Franken pro Abonnent und Monat. Die Hälfte davon floss in die Familienkasse, für welche die Mutter zuständig war. 21 Franken durfte der Bub behalten und zahlte das Geld einmal jährlich auf sein Sparbuch ein.

Der junge Zeitungsverträger war jeweils an sechs Tagen pro Woche bei jedem Wetter unterwegs.

Trotz der knappen Zeit habe er die Arbeit nicht ungern gemacht und vor allem den Kontakt zu den Abonnenten geschätzt, sagt Solenthaler. Dennoch war nach zwei Jahren Schluss mit dem Nebenjob bei der «Appenzeller Zeitung». Fortan arbeitet er als Auslieferer für den Grossisten und Detailhändler «Tanner 212». Nach der Schulzeit machte Solenthaler eine Lehre als Gipser und bildete sich zum Stuckateur weiter.

Erika Löhrer: Zeitungsverträgerin in den frühen Morgenstunden

Jeden Morgen unterwegs: Erika Löhrer auf ihrer Tour in Niederteufen. (Bild: CAL)

Jeden Morgen unterwegs: Erika Löhrer auf ihrer Tour in Niederteufen. (Bild: CAL)

Erika Löhrer aus Gais ist früh auf den Beinen. Je nachdem, wie viele Touren sie als Aushilfe noch zusätzlich machen muss, steht die Zeitungsverträgerin um 2.30 oder 3.30 Uhr auf – und dies sieben Tage die Woche. Löhrer ist für die Post-Tochtergesellschaft Presto Presse-Vertriebs AG tätig, welche unter anderem die Frühzustellung der «Appenzeller Zeitung» gewährleistet.

Die 52-Jährige ist für das Mittelland verantwortlich und in Teufen, Speicher, Gais und Appenzell unterwegs. Die Frühzustellung muss werktags bis 6.30 Uhr erfolgen, am Sonntag haben die Verträgerinnen und Verträger eine Stunde länger Zeit. Zuerst holt Löhrer im Depot der jeweiligen Tour die Zeitungen ab.

Spätestens um 3 Uhr liegen diese dort bereit. Nebst der «Appenzeller Zeitung» sind das der «Blick», die NZZ, der «Tages-Anzeiger» und Zeitschriften.

Seit 2001 trägt Löhrer Zeitungen aus. Zuerst tat sie dies auf Abruf und machte Ferienablösungen, später erhielt die alleinerziehende Mutter eine Festanstellung. In den letzten Jahren hat sich der Alltag der Verträger stark gewandelt. Der grösste Unterschied: Sie sind nicht mehr zu Fuss unterwegs wie früher, sondern bringen die Zeitungen mit dem Auto zur Leserschaft. Auch der Strukturwandel in der Medienbranche macht sich bemerkbar. Rückläufige Abozahlen bedeuten weniger Arbeit für die Zeitungsverträger.

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat die Presto Presse-Vertriebs AG mehrere kleinere Touren zu einer Längeren zusammengelegt. Auswirkungen hatte zudem der Entscheid der St. Galler Tagblatt AG, die gedruckte Ausgabe der «Ostschweiz am Sonntag» einzustellen. Als Folge davon verloren einige Presto-Mitarbeitende ihre Anstellung. Löhrer macht sich Sorgen über die Folgen der Digitalisierung und die Tatsache, dass immer weniger Zeitungen abonniert werden.

Dennoch bereitet ihr die ­Arbeit Freude – trotz ungewöhnlicher Arbeitszeiten und wechselhaften Wetters. Die zurzeit heissen Sommertage mag sie weniger. Lieber ist Löhrer im Winter bei kälteren Temperaturen unterwegs.

«Dagegen ist Regen mühsam, weil die Zeitungen nass werden können.»

Für die Abonnenten ist sie eine wichtige Ansprechperson. «Beispielsweise werde ich manchmal angerufen, falls jemand keine Zeitung erhalten hat.» In solchen Fällen organisiert Löhrer die Nachlieferung und bespricht das Problem mit den fehlbaren Verträgern. Pro Tour ist sie ungefähr eine Stunde unterwegs, dazu kommen die Fahrzeiten von einer Gemeinde zur nächsten. Um 6.30 Uhr ist ihr Arbeitsalltag jedoch noch nicht beendet. Denn nebst der Tätigkeit als Zeitungsverträgerin hat Löhrer bei der Post zwei weitere Teilzeitstellen. So ist sie im Bereich Direct Mailing tätig und leert am späten Nachmittag Postkästen.

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