Ohne Furzen und Fluchen

Dass die Mitglieder einer Sportmannschaft einen Kodex unterschreiben, ist normal. Auch, dass dann halt Bussen verteilt werden, wenn zum Beispiel das Handy an der Teamsitzung benützt wird.

Lukas Pfiffner
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Bild: Lukas Pfiffner

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Dass die Mitglieder einer Sportmannschaft einen Kodex unterschreiben, ist normal. Auch, dass dann halt Bussen verteilt werden, wenn zum Beispiel das Handy an der Teamsitzung benützt wird. Die deutsche Boulevardzeitung «Bild» hat auf der Suche nach Gründen für den Erfolg des Fussball-Bundesligisten Darmstadt nun aber aufgedeckt, dass in diesem Team ganz besondere Regeln gelten. So hat der tüchtige Trainer Dirk Schuster verraten, dass «unter der Dusche nicht gepinkelt werden darf und man im Teambus keinen fahren lässt». Anders ausgedrückt, man hat das Pissoir aufzusuchen, und es wird auf Reisen nicht gefurzt. Fünf A4-Seiten sollen die Regeln der Kicker umfassen.

Vergeuden wir nicht die Zeit mit dem Gedanken daran, dass Fussballer keine Kinderstube haben. Sondern bauen wir darauf, dass diese Innovation an Erziehungsmassnahmen anderswo grossflächig und rasch positive Folgen zeigt. Wenn die Spieler des FC St. Gallen heute eine Konvention «BnidM» unterzeichnen (Batterien nicht in den Müll), ist garantiert, dass sie die NLA-Tabelle von hinten tüchtig aufrollen. Der Pianist, der etwas auf sich hält, verspricht sich und der Umwelt, beim Üben nie mehr zu fluchen. Er wird die schwierigste F-Dur-Sonate von Mozart so überzeugend darbieten wie noch nie. Der Chef des Taxichauffeurs verbietet seinen Angestellten den Einsatz von Schimpfwörtern und Mittelfingern: Die Fahrzeuge werden mit reichlich Trinkgeld und ohne Unfälle zum Zielort schweben. Die Politikerin setzt ihre Unterschrift unter ein Schriftstück, in dem sie verspricht, auf jegliches Nasenbohren während der Debatten zu verzichten: Die Rettung der Welt steht unmittelbar bevor.

Und der Journalist? Ich werde in den nächsten Tagen auf der Redaktion einen Vertrag unterzeichnen, in dem ich mich verpflichte, ab sofort jeden durch Computerzumfensterhinauswerfen entstandenen Schaden selber zu bezahlen.