«Oft sind Schamgefühle im Spiel»

Am Montag ging der Ausserrhoder Kantonspolizei ein 64jähriger Autofahrer ins Netz, der seit 14 Jahren ohne Führerausweis fährt. Der Medienbeauftragte Ueli Frischknecht äussert sich zu möglichen Gründen.

Karin Erni
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Trotz häufiger Kontrolle fahren einige Leute ohne Führerschein. (Bild: apz)

Trotz häufiger Kontrolle fahren einige Leute ohne Führerschein. (Bild: apz)

Herr Frischknecht, Sie schreiben in der Polizeimitteilung «Abklärungen vor Ort ergaben, dass dem Mann der Führerausweis im Jahr 2001 entzogen wurde.» Wie ist es möglich, dass jemand so lange ohne Führerausweis herumfährt und niemand das bemerkt?

Ueli Frischknecht: Wir machen täglich Verkehrskontrollen. Ein wichtiger Gegenstand dabei ist die Überprüfung des Führerausweises. Auch bei Unfällen stellen wir gelegentlich fest, dass Beteiligte nicht über die erforderlichen Fahrberechtigungen verfügen.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Führerscheinentzug?

Frischknecht: An erster Stelle steht das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, dann folgen das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss beziehungsweise mit Medikamentenkonsum. Als dritter Grund folgt das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs.

Warum fährt jemand ohne Führerschein?

Frischknecht: Man kann grundsätzlich zwei Arten von Fällen unterscheiden: Jene, die gar nie eine Prüfung abgelegt haben und jene, denen der Führerausweis aus irgendwelchen Gründen aberkannt wurde.

Was sind die Gründe, dass jemand trotzdem Auto fährt, obwohl er nicht dürfte?

Frischknecht: Die Gründe sind vielfältig. Prüfungsangst ist oftmals ein Grund. Manchmal sind auch Schamgefühle gegenüber dem Arbeitgeber oder der Familie im Spiel. Auch Existenzängste können eine Rolle spielen, vor allem, wenn jemand beruflich auf das Auto angewiesen ist.

Spielt da die soziale Kontrolle im Dorf oder der Firma nicht?

Frischknecht: Nicht zwingend. Wenn jemand den Führerscheinentzug nicht kommuniziert, erfährt niemand davon.

Der fehlbare Lenker wird bei der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden zur Anzeige gebracht. Welche Strafe hat er zu befürchten?

Frischknecht: Falls er dies zum erstenmal gemacht hat, wird der fehlbare Lenker mit einer Geldstrafe gebüsst. Wenn es sich aber um einen Wiederholungstäter handelt, kann sogar ein Freiheitsentzug gegen ihn ausgesprochen werden. Wichtig zu wissen ist, dass bei einem Unfall neben den strafrechtlichen Konsequenzen auf denjenigen, der ohne Fahrberechtigung unterwegs war, auch zivilrechtliche Forderungen zukommen können. Die Versicherungen können nämlich Regress auf den betreffenden Fahrer nehmen.

Der Automobilist gab gemäss Polizeimeldung an, dass er während der vergangenen Jahre wöchentlich mehrfach einen Personenwagen gelenkt habe.

Frischknecht: Diese Frage ist Gegenstand unserer Abklärungen. Ebenso, warum die betreffende Person damals ihren Führerausweis verloren hat. Mehr können wir dazu nicht sagen.