Offenbleiben für Neues

Nach sieben Jahren als «Rössli»-Wirt in Krinau wird Claudio Brupbacher weiterziehen und sich beruflich neu orientieren. Noch ist keine Nachfolge für das «Rössli» bekannt.

Kathrin Burri
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Der «Rössli»-Wirt Claudio Brupbacher wird sich bald aus Krinau verabschieden. (Bild: Sara Oesch)

Der «Rössli»-Wirt Claudio Brupbacher wird sich bald aus Krinau verabschieden. (Bild: Sara Oesch)

KRINAU. «Im Moment ist viel los», sagt Claudio Brupbacher, Wirt im «Rössli» Krinau. Eben bringt Brupbacher zwei Salatteller an den Tisch. Sie sind wie immer phantasievoll angerichtet, meist gehört auch gekochtes Gemüse dazu. Mit dem «Viel los» ist heute nicht der Betrieb in der Gaststube gemeint, sondern eher die vielen Vorhaben, die den «Rössli»-Wirt umtreiben. Hotelgäste werden im Laufe des Nachmittags eintreffen, am nächsten Tag wird Brupbacher zum Probeschaffen an eine allfällige neue Arbeitsstelle geladen sein – und für das «Rössli» Krinau sind Vorstellungsgespräche mit interessierten Wirtsleuten angemeldet. Denn seit 1979 ist das Rössli eine Genossenschaft, mit dem Ziel, die Liegenschaft weiterhin für die Dorfbevölkerung zu erhalten und eine Gaststube im Dorf zu garantieren.

«Wenn alles seinen Lauf nimmt, bin ich eventuell schon vor dem November weitergezogen», sagt der Wirt und nebst der Freude über eine neue Herausforderungen und neue Ziele, die auf ihn zukommen, schwingt eine Prise Wehmut in seiner Aussage mit. Feste Arbeitszeiten und ein fester Lohn, seien die eine Seite der Medaille, dafür werde er zum ersten Mal die Selbständigkeit aufgegeben und in ein Anstellungsverhältnis wechseln, erzählt Brupbacher.

Restaurant mit Qualität

Vor sieben Jahren ist die junge Familie Brupbacher mit ihren zwei kleinen Kindern nach Krinau ins «Rössli» gekommen. «Die Jahre waren geprägt durch verschiedene Anlässe», so Brupbacher und blickt auf die Hauptversammlung der Feuerwehr zurück, wo die rund 130 Personen in der Mehrzweckturnhalle verköstigt wurden oder auf andere zahlreiche Anlässe, in denen das «Rössli» den Partyservice übernommen hat. Wichtig waren auch immer die Unterhaltungsabende des Männerchors Krinau-Rietwies. Claudio Brupbacher ist gelernter Koch und legt Wert auf hohe Qualitätsansprüche. Das «Rössli» Krinau gehört zum Verein Culinarium. Dieser ist dafür besorgt, dass 80 Prozent der Produkte auf dem Teller aus einheimischer Produktion stammen. Perfekt wird dies jeweils mit dem Wild im Herbst erfüllt, das von Jäger Stiefel in Krinau geliefert wird, oder auch von den Kürbissen aus dem Garten von Tina Brupbacher, die eine köstliche Suppe ergaben. Unterdessen haben sich die Familienstrukturen bei Brupbachers verändert, und das Ehepaar Brupbacher lebt getrennt.

«Bruppi», wie er im Dorf genannt wird, hat seit dem Frühling versucht, das Restaurant alleine zu führen. Dazu wurde es immer wieder nötig, Personal für den Service, die Putzarbeiten oder die Küche anzustellen. Die Rechnung sei einfach, erklärt er. Als Paar hätten sie gut zusammengearbeitet, jetzt heben sich der Lohn für die Hilfen und die laufenden Betriebskosten auf, so dass am Schluss kein Ertrag mehr zu sehen sei. «Die Finanzen haben mich in die Knie gezwungen.» Natürlich wünscht sich Brupbacher, dass das «Rössli» als Dorfbeiz gut betreut wird und ein Ort für die Bevölkerung bleiben kann.

Eine schöne Zeit in Krinau

Brupbacher erzählt von eindrücklichen Erlebnissen mit Menschen in den sieben Jahren und verschweigt nicht, dass ein Gastwirt vertrauenswürdig sein müsse und sich nicht einzumischen habe in persönliche Geschichten oder politische Ansichten. «Von der Bevölkerung sind wir als junge Familie sehr gut aufgenommen worden», erinnert er sich. Und auch daran, wie eine Seniorengruppe jeden Sonntag zusammen gegessen habe. Nie hätten sie sich angemeldet, konnten aber damit rechnen, dass sie aus drei Menus aus der Tageskarte auswählen konnten.

Da war auch der betagte Mann, der jeden Abend sein «Tschumpeli» zum Schlummertrunk bestellte. Ein anderer trank täglich einen Kaffee zum Gipfeli und ist zum Zmittag erschienen, bis zum Tag, wo die Spitex für ihn das Essen aus dem «Rössli» holte und nach Hause brachte. Diese alten Menschen leben nicht mehr oder sind weggezogen. Alles ist in Veränderung begriffen. «Man wird sehen», sagt Claudio Brupbacher.