Energiepolitik
Ölheizung statt Wärmepumpe: CVP-Kantonsrat wirft Ausserrhoder Regierung trotz Ja zur Gletscher-Initiative mangelnde Vorbildfunktion in Energiefragen vor

Die Ausserrhoder Regierung hat sich für die Gletscher-Initiative und gegen den Gegenvorschlag des Bundesrats ausgesprochen. Bei einer kantonseigenen Liegenschaft nimmt sie es aber mit der CO2-Reduktion nicht so genau.

David Scarano
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Bei einer kantonseigenen Liegenschaft in Gmünden erhielt eine Ölheizung den Vorzug, weil sie deutlich günstiger war.

Bei einer kantonseigenen Liegenschaft in Gmünden erhielt eine Ölheizung den Vorzug, weil sie deutlich günstiger war.

Bild: Benjamin Manser

Für den Kanton ist es eine Mini-Investition. Der Ärger, den sie damit ausgelöst hat, ist aber maxi. Er ist sogar Stoff für einen parlamentarischen Vorstoss der CVP/EVP-Fraktion. Konkret geht es um Investitionskosten von 15‘566 Franken. Das Geld wurde ausgegeben, um in einer kantonseigenen Liegenschaft in Gmünden eine neue Heizung zu beschaffen.

CVP-Kantonsrat Werner Rüegg aus Heiden.

CVP-Kantonsrat Werner Rüegg aus Heiden.

Bild: PD

Stossend für den Heidler CVP-Parlamentarier Werner Rüegg ist der Umstand, dass der Kanton – während vielerorts über Klimawandel, Gletscher-Initiative und schärfere Energiegesetze diskutiert wird – eine Ölheizung wiederum eins zu eins durch eine Ölheizung ersetzt hat.

«Chance verpasst, Vorbild zu sein»

Als er erstmals davon vernahm, konnte er es zunächst nicht glauben, erzählt Rüegg. «Ich bin enttäuscht. Der Kanton stand vor der Möglichkeit, eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Die Chance hat er verpasst», sagt der Politiker, der auch Mitglied des überparteilichen Komitees ist, das die kantonale Energie-Initiative «Erneuerbar» lanciert und kürzlich eingereicht hat.

Rüeggs Kritik richtet sich explizit gegen den Regierungsrat, der nicht zum ersten Mal wegen seiner zurückhaltenden Energiepolitik am Pranger steht. Der CVP-Kantonsrat nennt das Verhalten «hanebüchen». Während viele Ausserrhoder Gemeinden und Regionen die Energieeffizienz grossschreiben und stolz auf ihre Energielabels seien, setze der Kanton auf Öl. Pikant ist für Rüegg, dass die Regierung damit auch den eigenen Energiefachleuten widerspreche. Landauf und landab fänden Informationsveranstaltungen mit Kantonsvertretern statt, um die Bevölkerung zu animieren, sich frühzeitig für den Ersatz von Ölheizungen zu interessieren und umweltfreundlichere Alternativen zu prüfen. Rüegg sagt:

«Wie will der Regierungsrat die Bevölkerung von CO2 neutraleren Heizungen überzeugen, wenn er selbst nicht dazu bereit ist, solche einzubauen?»

Mehr als die Hälfte heizt in Ausserrhoden mit Öl

Die «Appenzeller Zeitung» hat dem Thema Heizungsersatz vor rund einem Jahr einen längeren Artikel gewidmet. Die Ölheizung ist nach wie vor das am weitesten verbreitete Heizsystem in Ausserrhoden. Kantonsweit sind es mehr als die Hälfte der Liegenschaftsbesitzer, die bei einem Ersatz wieder auf fossile Energieträger wie Öl und Gas setzen. Ein Energiefachmann des Kantons sagte damals: «Wir vermuten, dass sich die Hausbesitzer gar nicht viel überlegen und eine defekte Heizung einfach durch dasselbe System ersetzen.» Wenn man nur die Investitionen anschaue, sei eine Ölheizung zwar billiger. Werden jedoch auch die Betriebskosten berücksichtigt, rechne sich eine Wärmepumpe oder eine moderne Holzfeuerung oft auch aus finanzieller Sicht, so der Fachmann weiter. Zudem spiele die Zeit für die erneuerbare Energie, da fossile Brennstoffe nicht unbeschränkt vorhanden seien und tendenziell teurer werden.

Wie kam der Kanton zur Entscheidung, weiter auf Öl zu setzen? In der Interpellation listet die CVP/EVP-Fraktion die Gründe auf, die den Kanton dazu bewogen, sich für eine Ölheizung und gegen eine umweltverträgliche Luft-Wasser-Wärmepumpe auszusprechen. Die Fraktion zitiert aus einer E-Mail von Baudirektor Dölf Biasotto vom 11. November, der Abklärungen beim Amt für Immobilien durchgeführt hat, das dem Finanzdepartement von Regierungsrat Paul Signer untersteht.

Wärmepumpe dreimal teurer

Bei der Liegenschaft handelt es sich um ein Bauernhaus mit einem jährlichen Ölverbrauch von rund 1200 Litern. Während die Investitionskosten der Ölheizung wie beschrieben rund 15‘600 Franken inklusive aller Nebenarbeiten betrugen, hätte die Wärmepumpe 44‘800 Franken gekostet. Eine solche, dreimal teurere Investition wäre laut dem Amt für Immobilien unverhältnismässig gewesen.

Rüegg sagt, dass man natürlich über den Preis diskutieren könne, weil die Luft-Wasser-Wärmepumpe so viel teurer war. Aber er bleibt skeptisch: «Es stellt sich schon die Frage, ob da Gleiches mit Gleichem verglichen wurde.» In der Interpellation will die CVP/EVP-Fraktion deshalb wissen, ob auch andere Heizsysteme wie Stückholz-, Schnitzel- oder Pellets-Heizungen geprüft und bei der Wärmepumpe auch die Heiz- und Wartungskosten in die Berechnung einbezogen wurden.

Für Gletscher-Initiative

Die Interpellation ist datiert auf den 25. November. In der Zwischenzeit hat Ausserrhoden ein weiteres energiepolitisches Kapitel geschrieben und nationale Aufmerksamkeit erreicht. Der Regierungsrat hat sich in der Vernehmlassung für die Gletscher-Initiative und gegen den moderateren Gegenvorschlag des Bundesrats ausgesprochen. Die Initiative verlangt, dass die Schweiz ab 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen soll, als Speicher aufnehmen können. Auch sollen dann grundsätzlich keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Dem Bundesrat geht der letzte Punkt zu weit.

Der Entscheid der Ausserrhoder Regierung mag Werner Rüegg nicht zu besänftigen. Im Gegenteil, sie ist Anlass für weitere Kritik. «Der Kanton predigt Wasser, trinkt aber Wein. Sie verlangt, dass andere sich CO2-neutral verhalten, sie ist aber selbst nicht bereit, ihren Anteil zu leisten und Vorbild zu sein», sagt der CVP-Kantonsrat.

Die Antwort der Regierung auf die Interpellation der CVP/EVP-Fraktion steht noch aus. Das Geschäft ist noch für keine Sitzung traktandiert.