Ortsplanungsrevision
Dank neuer Brücke und verkürzter Strecke: Rehetobel könnte näher an St.Gallen rücken

Die Goldach- und die Holderenbachbrücke im Gebiet Zweibrücken sollen durch einen Neubau ersetzt werden. Die angestrebte Lösung hätte für die Autofahrer Vorteile. Auch das geplante Parkhaus im Zentrum und die Innenentwicklungsstrategie waren an der öffentlichen Versammlung in Rehetobel ein Thema.

Jesko Calderara
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Die Gemeinde Rehetobel hat gemäss dem kantonalen Richtplan für die nächsten Jahre genügend Bauland.

Die Gemeinde Rehetobel hat gemäss dem kantonalen Richtplan für die nächsten Jahre genügend Bauland.

Bild: PD

Die Strasse von St.Gallen nach Rehetobel ist bekannt für ihre zahlreichen engen Kurven – vor allem im Ortsteil Zweibrücken. Im Zusammenhang mit der anstehenden Erneuerung der grösseren Goldach- und der kleineren Holderenbachbrücke könnten einige davon verschwinden. Vorgesehen ist, diese beiden Brücken durch eine neue zu ersetzen. Die entsprechenden Pläne wurden am Mittwochabend an der öffentlichen Versammlung im Gemeindezentrum in Rehetobel vorgestellt.

Urs Rohner ist Gemeindepräsident von Rehetobel.

Urs Rohner ist Gemeindepräsident von Rehetobel.

Bild: PD

Die rund 124 Meter lange Bogenbrücke käme nicht mehr am bestehenden Standort in Zweibrücken, sondern etwas oberhalb im Gebiet Habset zu stehen. Dort würden Autofahrer in Zukunft die Goldach überqueren, wodurch die Strecke nach St.Gallen um 300 Meter kürzer und weniger kurvenreich wäre. «Grosse Zeiteinsparungen wird es dadurch allerdings nicht geben», sagte Gemeindepräsident Urs Rohner. Grund für die geplante Lösung sind vielmehr die schwierigen geologischen Verhältnisse auf Speicherer Seite, wo es immer wieder Steinschläge und Rutschungen gibt. Das Problem werde man nie richtig in den Griff kriegen, sagte Rohner. «Ein Neubau einer einzigen grossen Brücke kommt daher langfristig günstiger zu stehen als eine Sanierung.»

Vorne im Bild ist die Goldachbrücke im Gebiet Zweibrücken, hinten in der Kurve befindet sich die Holderenbachbrücke.

Vorne im Bild ist die Goldachbrücke im Gebiet Zweibrücken, hinten in der Kurve befindet sich die Holderenbachbrücke.

Bild: PD

Das Projekt ist bereits seit Jahren ein Thema und im 3. Kantonalen Strassenbau- und Investitionsprogramm 2019–2022 enthalten. Es soll rund acht Millionen Franken kosten, weshalb eine Volksabstimmung auf Kantonsstufe notwendig sein wird. Diese dürfte 2023 oder 2024 erfolgen. Falls es an der Urne ein Ja gibt, wird die neue Brücke am erwähnten Standort erstellt und die Goldachbrücke zurückgebaut. Die ganz auf Rehetobler Gemeindegebiet liegende Holderenbachbrücke soll dagegen saniert werden. Daran müsste sich die Vorderländer Gemeinde kostenmässig beteiligen.

Interesse an Parkplätzen ist vorhanden

Ein weiteres Thema an der Versammlung, die erstmals per Livestream übertragen wurde, war das geplante Parkdeck unter dem sanierungsbedürftigen Sportplatz neben dem Gemeindehaus. Dieses soll gemäss Rohner nicht direkt wahrnehmbar sein, Platz für Autos bieten, Einnahmen generieren und die Sportplatzsituation verbessern. Der Gemeinderat habe noch nichts entschieden, betonte Rohner. So ist offen, aus wie vielen Ebenen das Parkhaus dereinst bestehen und wer dieses bauen wird.

Die eingesetzte Arbeitsgruppe hat als Erstes eine Bedürfnisabklärung vorgenommen. Dabei zeigt sich: Im Umkreis von 200 Metern um das Gemeindezentrum haben 61 Personen Interesse am Kauf eines Parkplatzes, 15 zudem an der Option Miete. In einem nächsten Schritt wird die Arbeitsgruppe erste Entwürfe diskutieren, weitere Abklärungen bei den Vereinen treffen und eine Machbarkeitsstudie mit den Kosten ausarbeiten. Danach wird der Gemeinderat eine Entscheidung fällen.

Rehetobel darf kein Bauland einzonen

Das Parkdeck hängt nicht direkt zusammen mit der vorgesehenen Überbauung beim Friedhof, unterhalb des Dorfzentrums. Auf dieser grössten noch unüberbauten Parzelle in Rehetobel möchte Gupf-Besitzer Migg Eberle 20 bis 30 Wohnungen bauen. Der Quartierplan sieht eine Erschliessung über die Holderenstrasse vor. Diese könnte allerdings auch am Parkhaus vorbei erfolgen. Bei dieser Variante gibt es mit dem Friedhof, dem Waldabstand und der notwendigen Umzonung aber noch planerische Knacknüsse zu lösen.

Seine Hausaufgaben machen muss Rehetobel auch beim Thema Innenentwicklung. Das 2013 angenommene Raumplanungsgesetz schreibt den Gemeinden die Ausarbeitung einer entsprechenden Strategie vor. Die Ortsplanungskommission hat dies in Zusammenarbeit mit Fachleuten nun getan. Tobias Widmer und Sergio Juchler vom Raumplanungsbüro ERR stellten das Entwicklungskonzept vor. Der vorliegende Bericht zeigt die bestehenden Reserven und die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten im bestehenden Siedlungsgebiet auf. Ziele der Innenentwicklungsstrategie sind unter anderem die Belebung des Dorfzentrums, das Auffüllen von Baulücken, das Ausschöpfen von bestehenden Reserven und die Nutzung des Gebiets Kaien für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

In den nächsten 30 Tagen ist nun die Bevölkerung am Zug. Sie kann im Rahmen der Mitwirkung Eingaben mit Anregungen und Ideen einreichen. Die Erkenntnisse aus dem Prozess sollen dann in die bevorstehende Revision der kommunalen Richt- und Nutzungsplanung (Zonenplan, Baureglement, Sondernutzungsplan) integriert werden. Rehetobel muss keine Auszonungen vornehmen, darf in den nächsten Jahren aber auch kein Bauland einzonen.