Oder sterben?

Die Gesprächsrunden in Ollis «Institut für Lebenstauglichkeit» waren interessant, keine Frage. Dieses gemeinsame Ringen, besser zu verstehen, einen Weg zu finden. Ein Leben, das nicht unbedingt gelingen muss. Das sich aber zu leben lohnt. Danach haben wir damals gesucht. Und tun es noch heute.

Drucken
Teilen

Die Gesprächsrunden in Ollis «Institut für Lebenstauglichkeit» waren interessant, keine Frage. Dieses gemeinsame Ringen, besser zu verstehen, einen Weg zu finden. Ein Leben, das nicht unbedingt gelingen muss. Das sich aber zu leben lohnt. Danach haben wir damals gesucht. Und tun es noch heute.

«Leben heisst: das Absurde leben lassen. Das würde Camus doch so sagen, oder?»

«Ja. Und nicht zu kippen. Auf dem schmalen Grat leben. Dem Absurden ins Auge schauen.» «Mit den eigenen Dunkelheiten leben.»

«Und wie ist das jetzt mit dem Selbstmord? Was meint Camus?»

«Er ist dagegen. Weil es keine Lösung ist.»

«Naja, irgendwie ist das ja schon eine Lösung. Das Absurde ist dann weg.»

«Ja. Das schon. Aber auch das Leben.»

«Das Leben an sich hat doch auch einen Wert.»

«Aber es ist doch sinnlos.»

«Unser Denken prallt immer wieder gegen Mauern. Aber wir brauchen uns ja nicht damit zufriedenzugeben.»

«Sondern?»

«Jedes Mal, wenn wir bei unserer Suche nach Sinn an der fremden Welt abprallen, wird das Absurde bestätigt.»

«Und wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir das Absurde aus den Angeln heben. Denn das Absurde kann unser Bewusstsein nicht verneinen, weil es sich sonst selbst aufheben würde. Das Absurde existiert nur in unserem Bewusstsein.»

«Und das setzt Leben voraus. Ohne Leben kein Bewusstsein.»

«Und deshalb kein Suizid.»

«Ja. Du kannst zwar, indem du dich umbringst, dem sinnlosen Leben entfliehen.»

«Aber das wäre der endgültige Sieg des Absurden. Auch wenn es dabei mit draufginge.»

«Ja. Genauso wie der Mord. Jede Art von Tötung bedeutet den Verzicht auf Sinn und Menschlichkeit und Glück.»

«Und denkt doch auch mal an die Angehörigen. An die Familien. Wir haben denen gegenüber doch auch eine Verantwortung und können nicht einfach so gehen. Nur weil wir den Eindruck haben, das sei alles sinnlos.»

«Camus bringt zwei Begriffe ins Spiel: Revolte und Solidarität.»

Lars Syring

Aktuelle Nachrichten