Oboentrio serviert Delikatessen

Ein Hörgenuss für Musikästheten war am Sonntagnachmittag in der reformierten Kirche der Auftritt, den die Oboistinnen Andrea Bischoff, Barbara Zumthurm-Nünlist und Nancy Andelfinger im Rahmen der «Konzerte in Rehetobel» gaben.

Ferdinand Ortner
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Die Solistinnen beeindruckten in der Kirche Rehetobel durch Klangkultur und Ausdruckskraft. (Bild: fo)

Die Solistinnen beeindruckten in der Kirche Rehetobel durch Klangkultur und Ausdruckskraft. (Bild: fo)

Rehetobel. Die exzellenten Musikerinnen – erfolgreich tätig unter anderem in bekannten Schweizer Sinfonieorchestern und Kammermusikensembles – boten ein hochinteressantes Programm mit delikater Kammermusik-Literatur aus dem 18. bis ins 20. Jahrhundert. Eingerahmt von klassischen Beethoven-Kompositionen konnte sich das aufmerksame Publikum an einem bunten Strauss musikalischer Kostbarkeiten aus dem Barock, der höfischen Musik und der neueren Zeit erfreuen.

Kompetente Interpretinnen

Andrea Bischoff und Barbara Zumthurm-Nünlist (Oboen und Englischhorn) sowie Nancy Andelfinger (Oboe) überzeugten solistisch wie im Duett und Terzett durch Engagement, dezente Spielkultur und musikalische Gestaltungskraft. Delikat waren die feinsinnige Tongebung sowie Effizienz und Spontaneität im Vortrag. Die drei Künstlerinnen boten eine beeindruckende Demonstration der vielfältigen Ausdruckspalette ihrer diffizilen Instrumente. Wir erlebten das begeisternde Musizieren von Könnerinnen, die Spielfreude und Harmonie verströmten.

Kein Wunder, dass sie beim Publikum voll ankamen.

Hervorragende Soli

Unbeschwerten Wohlklang vermittelte das Trio zum Auftakt mit Beethovens kunstvollen «Variationen in C-Dur» für zwei Oboen und Englischhorn über das berühmte «Reich mir die Hand mein Leben» aus Mozarts Oper «Don Giovanni» – polyphone Kostbarkeiten galanter romantischer Spielmusik.

Aus einer für uns exotisch anmutenden «Musikwelt» stammten drei exklusive Kompositionen für zwei Oboen aus den vier «Inventionen» des in Deutschland lebenden Südkoreaners Isang Yun (1917–1995). Als eigenwilliger Komponist verschmolz er in seiner Musik Östliches mit Westlichem und entwickelte im Streben nach Harmonie und Frieden einen einzigartigen persönlichen Stil mit interessanten Tonentwicklungen und Klangaussagen, was von den Interpretinnen und dem Publikum viel Sensibilität abverlangte.

Besonders beeindruckend waren die Soli der Oboistinnen. Andrea Bischoff brillierte mit wunderschönen Kantilenen, perlenden Läufen und spannungsvoller Gestaltung beim Vortrag der farbigen «8. Phantasie in e-Moll» von Georg Philipp Telemann (1681– 1767), einem genialen Meister der Barockmusik. Musikalische Gustostücke servierte Barbara Zumthurm-Nünlist mit den drei auswendig gespielten «Metamorphosen» Pan, Narcissus und Bacchus des Engländers Benjamin Britten (1913–1976).

Bemerkenswert waren das Einfühlungsvermögen, die saubere Technik und die Phrasierungskunst.

Eine Aufführung aus einem Guss gelang Nancy Andelfinger bei der anspruchsvollen «Sonate in g-Moll» von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), wobei besonders Ausdruck und Virtuosität überzeugten. Homogenes Ensemblespiel und spieltechnische Perfektion demonstrierten die optimal aufeinander eingestimmten Instrumentalistinnen bei einem melodiösen «Trio» des böhmischen Kapellmeisters

und Oboisten Joseph Triebensee (1772–1846) und dem figurenreichen «Trio in C-Dur», op. 87 von Ludwig van Beethoven.

Krönender Schlusspunkt

Dieses mitreissend musizierte viersätzige Opus – der krönende Schlusspunkt des Konzertes – bestach durch seinen bezaubernden, serenadenhaft beschwingten Charakter und die originelle Farbigkeit der Sätze: aus der Volksmusik schöpfend das heitere «Allegro», ein Ohrenschmaus das liedhafte «Adagio», tänzerisch bewegt das «Menuetto» und effektvoll das virtuose Presto-Finale.

Der Beifall war überaus herzlich.

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