OBERTOGGENBURG: Geduld und Liebe zur Natur

Die Mitglieder des Fischereivereins stehen vor einem Dilemma: Die Äsche ist auf der roten Liste, ihre grössten Feinde sind ebenfalls geschützt.

Adi Lippuner
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Ernst Untersander, Präsident des Fischereivereins Obertoggenburg, erklärt Domenic Bösch den Gebrauch der Fischerrute. (Bild: Adi Lippuner)

Ernst Untersander, Präsident des Fischereivereins Obertoggenburg, erklärt Domenic Bösch den Gebrauch der Fischerrute. (Bild: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

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Während der Fischereisaison entlang der Thur und einiger Seitenbäche ihrem liebsten Hobby frönen und dazwischen Einsätze für die Natur und Gewässerpflege leisten: Die aktiven Fischer haben fast das ganze Jahr Arbeit, die im Zusammenhang mit ihrer Passion steht. Seit 2016 kommt eine weitere Freude, aber auch Herausforderung auf die Vereinsmitglieder zu, wie von Präsident Ernst Untersander am Mittwoch zu erfahren war: «Dank des Engagements unseres kantonalen Fischereiaufsehers, Christoph Mehr, konnten wir zwischen Starkenbach und dem Dorf Alt St. Johann Äschen einsetzen, das Gleiche hat auch unser Nachbarverein unterhalb von Wattwil gemacht.» Insgesamt 400 Äschen von 15 Zentimetern und 10000 Sömmerlinge sind am 29. Juni des letzten Jahres zwischen Horb und dem Dorf Alt St. Johann der Thur übergeben worden. Wenige Tage zuvor wurden auch am Thurlauf von Lichtensteig junge Äschen und Sömmerlinge ausgesetzt. Bezüglich getätigter Erfahrungen muss Ernst Untersander auf später vertrösten: «Wir wissen noch nicht, wie sich der Bestand entwickelt hat, es fehlen konkrete Zahlen.»

Grosses Engagement an der ganzen Thur

Mit dem Entscheid, der Äsche in der Thur einen neuen Lebensraum zu geben, sei auch Verantwortung verbunden. «Wir Fischer engagieren uns für den Erhalt der Lebensräume und halten uns an die gesetzlichen Vorgaben, welche uns zu tiergerechtem Handeln bei der Ausübung unseres Hobbys verpflichten», erklärte Ernst Untersander den jungen Interessenten, welche im Rahmen des Ferienpasses zu ersten Kontakte mit dem Fischerhandwerk kamen. 30 Schüler, aufgeteilt in zwei Gruppen, lernten in Theorie und Praxis, was es heisst, Fische mit einer Rute zu fangen. Weil die Saison an der Thur jeweils am 30. September endet, durfte der Nachwuchs nach dem Theorieteil im Büelen-Schulhaus erste praktische Erfahrungen am Badweiher sammeln.

Der Fisch des Jahres 2016 sei früher in der Thur heimisch gewesen, allerdings bei einem stark rückläufigen Bestand. Michael Kugler, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei, erklärte im Juli letzten Jahres, dass nicht bekannt sei, aus welchem Grund es immer weniger Äschen gebe. «Die Fischer haben sich schon vor Jahren zum freiwilligen Fangverzicht entschlossen. Die rund 30 Äschen, welche pro Jahr an die Haken gehen, werden möglichst schonend wieder freigelassen.» Gemäss Ernst Untersander dürfen in der Thur nur Bachforellen, welche ein Mindestmass von 25 Zentimetern aufweisen, gefangen werden. «Äschen und Groppen sind geschützt.»

Wintergäste bedrohen die Äschen

Der Gänsesäger, er gehört zur Gattung der Schwimm- und Tauchenten, überwintert an der Thur. «Während der letzten Jahre hat die Zahl dieser Überwinterungsgäste ständig zugenommen und damit auch der Futterbedarf», so Ernst Untersander. «Tatsache ist, dass die Gänsesäger als Nahrungsquelle vorwiegend Fische benötigen. Während der Graureiher, ebenfalls eine Konkurrenz für uns Fischer, ruhig im oder am Wasser steht und auf seine Beute wartet, kann der Gänsesäger tauchen und jagt damit seine Beute aktiv. Damit ist das Dilemma der Fischer perfekt. Ein geschützter Vogel frisst eine bedrohte Fischart, die von uns mit viel Aufwand und Herzblut ins Gewässer eingesetzt wurde.»