OBERHELFENSCHWIL: Erinnerung an verschwundene Gebäude

Eine Broschüre führt die in der Gemeinde Oberhelfenschwil verschwundenen Gebäude auf. Besonders gross ist der Abgang bei landwirtschaftlichen Nutzbauten, aber auch viele Wohnhäuser sind genannt.

Martin Knoepfel
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Die 1973 stillgelegte Spinnerei in Necker vor der Zerstörung durch einen Brand im Jahr 1974. (Bild: Denkmalpflege Kanton St. Gallen)

Die 1973 stillgelegte Spinnerei in Necker vor der Zerstörung durch einen Brand im Jahr 1974. (Bild: Denkmalpflege Kanton St. Gallen)

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

Auch in der Gemeinde Oberhelfenschwil sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Gebäude aus den verschiedensten Gründen verschwunden. In einer kürzlich fertiggestellten Broschüre erinnern Georg Scheurer und Emil Lehmann an diese Bau­werke der verschiedensten Gattungen.

Die Spannweite reicht von der Brücke über die Scheune bis zum Wohnhaus, zum Gasthaus und zur Fabrik. Den Hauptteil der Broschüre machen die Abbildungen aus den verschiedensten Sammlungen aus, ergänzt durch kurze Begleittexte. Alles in allem dürften rund 100 Gebäude aus dem Dorf Oberhelfenschwil und den verschiedenen Weilern der Gemeinde aufgeführt sein.

Allerdings ist die Zusammenstellung, wie die Autoren selber schreiben, nicht vollständig. Es sei fast unmöglich, den Überblick über die abgebrochenen Feldscheunen zu haben. Diese waren für die Landwirtschaft wichtig und prägten die Landschaft. Die Bauern lagerten dort Futter für den Winter und zogen mit den Tieren in der kalten Jahreszeit von Feldscheune zu Feldscheune.

Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft verloren die Feldscheunen ihre Funktion. Viele wurden nicht mehr unterhalten und abgebrochen. Die Autoren erwähnen für die Zeit von 1950 bis 1990 rund 40 Abgangsmeldungen an die kantonale Gebäudeversicherung.

Auf der Wasserfluh stand einst ein Skilift

Am Schluss der Broschüre sind zudem einige seit Jahren oder Jahrzehnten leerstehende Gebäude aufgeführt, die mangels Unterhalt Kandidaten für einen Abbruch sind, weil sie mit vernünftigem Aufwand nicht mehr bewohnbar gemacht werden können. Unter diese Liegenschaften fällt auch die Gebäudegruppe Rohrgarten, für die Autoren vielleicht die ansehnlichste in Oberhelfenschwil. Die Zukunft des Observatoriums sei ungewiss, heisst es. Interessant sind die Gesamtansichten der einzelnen Dörfer und Weiler, die am Anfang jeden Kapitels abgedruckt sind. Kein Gebäude im eigentlichen Sinn ist der ehemalige Skilift auf der Wasserfluh, der von 1971 bis 1997 betrieben wurde. Abgebildet ist ebenfalls die Ende der 1920er-Jahre abgebrochene gedeckte Holzbrücke über den Necker im Dorf Necker. Interessant ist sodann, dass die Brücke, die die Aachsäge mit der Winzlisau verbindet, einst in der Mühl­au bei Bazenheid stand. Auf Luftaufnahmen sieht man ferner einen der Feuerweiher, deren Wasser als Löschreserve diente. Einer dieser Feuerweiher existiert noch im Weiler Wigetshof. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein war die Wasserversorgung in Oberhelfenschwil prekär. Im Fall des Hauses Wäspe in Oberwil konnte die Feuerwehr 1950 wegen des Mangels an Löschwasser nichts ausrichten.

Häufig Brände als Ursache für den Hausabbruch

Viele der verschwundenen Häuser fielen Bränden zum Opfer. So brannte 1930 das Wohnhaus des damaligen Gemeinderatsschreibers an der Dorfstrasse 10 ab. Mit dem Haus gingen die Akten der Gemeinde, die Grundbuchakten ausgenommen, in Flammen auf. Dort, wo heute das Gemeindehaus steht, befand sich ein Tätschhaus, das nach einem Brand 1949 ebenfalls abgerissen wurde. Ein stattliches Bauernhaus im Feld 1974 wurde angezündet, um auf dem Areal den Bau von Einfamilienhäusern zu ermöglichen. Einige Gebäude wurden im Rahmen von Feuerwehrübungen angezündet.

Erstaunlich ist aber auch, dass in einigen Fällen Brandstiftung als Ursache genannt wird. Betroffen waren Wohn- wie auch Gewerbeliegenschaften. So brannte die Mühle in Necker 1935 nieder. Später wurde sie wieder aufgebaut. Heute beherbergt das Gebäude ein kantonales Heim für Asylbewerber. Die stillgelegte Spinnerei Necker fiel ebenfalls dem Feuerteufel zum Opfer. Das Gebäude wurde wieder aufgebaut. Heute ist dort die Mosmatic angesiedelt. In den Fällen von Brandstiftung wünschte man sich noch eine Information, ob die Täter ermittelt wurden. Dies ist der einzige Mangel der Broschüre.

Bestellungen Gerold Scheurer/Emil Lehmann: «Verschwundenes Oberhel- fenschwil. Ein Inventar von abgegangenen und umgestalteten Gebäuden und Einrichtungen», 2016, 87 Seiten. Bei der Gemeindeverwaltung Oberhelfenschwil erhältlich.