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OBEREGG: Riesige Windräder beim St. Anton

Die Auswertungen der Windmessungen im Oberfeld haben ergeben: Es ist genügend Wind vorhanden, um zwei Windkraftwerke rentabel zu betreiben. Noch stehen den Projektverantwortlichen mehrere Hürden im Weg.
Alessia Pagani
Blick von Rehetobel aus: Entgegen dieser Visualisierung ist geplant, die Windanlagen in Olivgrün zu streichen. Die roten Streifen an den Flügeln sind eine Vorgabe des Bundes. (Bild: Visualisierung: Appenzeller Wind AG)

Blick von Rehetobel aus: Entgegen dieser Visualisierung ist geplant, die Windanlagen in Olivgrün zu streichen. Die roten Streifen an den Flügeln sind eine Vorgabe des Bundes. (Bild: Visualisierung: Appenzeller Wind AG)

OBEREGG. Wann immer andere ihn gemahnt haben, dass der Wind doch nicht ausreichen würde, hat Adalbert Hospenthal die Ohren auf Durchzug gestellt, hat den Aussagen keine Beachtung geschenkt. Nun, einige Zeit und viele Abklärungen später, hat der Präsident der Appenzeller Wind AG die Gewissheit: Im Oberfeld neben dem St. Anton, auf 1100 Metern Höhe, herrschen Windgeschwindigkeiten, die den Bau von zwei rentablen Windparks zulassen. An der gestrigen Pressekonferenz wurden die Auswertungen präsentiert und über den Projektstand informiert.

Die einjährige Messphase hat ergeben, dass der Wind mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 5,9 Metern pro Sekunde geblasen hat; die Tiefstwerte lagen bei 2,5, die Spitzen bei 35 Metern pro Sekunde. «Vor allem im Januar, Februar und März hatten wir gute Windwerte», sagt Markus Ehrbar von der Appenzeller Wind AG. «Dann, wenn die Sonne kaum scheint. Die Windräder sind also eine super Ergänzung zum Solarstrom.» Mittlerweile ist der knapp einhundert Meter hohe Messturm wieder abgebaut. «Die Messzahlen sind mehr als befriedigend», so Hospenthal. Mit den gemessenen Werten könnten 3500 Haushalte mit Energie versorgt werden. Die Energie würde über die Trafostation am St. Anton nach Berneck ins Netz eingespeist. Die Windenergie könne substanziell zu einer sauberen Stromversorgung in Innerrhoden beitragen, so Hospenthal.

Baubeginn auf 2017 geplant

Das Projekt bezeichnet Hospenthal als Vision, das Erhalten der Baubewilligung als Odyssee. Noch ist letztere nicht unter Dach und Fach. Mehrere Studien, so zum Beispiel zum Fledermausaufkommen oder dem Schattenwurf, sind in Arbeit. Ende diesen Jahres sollen die Resultate an die zuständigen Behörden übermittelt werden, damit die Resultate im Januar dem Grossen Rat unterbreitet werden können. «Wir hoffen, dass wir im Herbst 2017 den positiven Entscheid für die Baubewilligung erhalten und Ende 2017 mit dem Bau beginnen können», so Hospenthal. «Die Behörden auf Gemeindeebene und der Regierungsrat stehen voll hinter dem Projekt.»

Viele im Unwissen

Wenn das Projekt bewilligt wird, werden auf dem Oberfeld die grössten Windräder der Schweiz zu stehen kommen. Diese weisen eine Gesamthöhe von 198 Metern auf, die Kanzel richtet sich stets gegen den Wind, und die Flügel sind beheizt, um einem möglichen Eisbeschlag entgegenzuwirken. Mit maximal elf Umdrehungen pro Minute werden sie sich drehen. Für den Transport der Anlagen werden die Teile in Berneck zwischengelagert und mit Spezialtransportern ins Oberfeld gefahren. «Es braucht keine grossen baulichen Veränderungen, nur die letzte Zufahrtsstrasse muss auf 3,2 Meter Breite ausgebaut werden», so Hospenthal. Dies bedinge, dass rechts und links der Strasse Bäume gefällt werden. Der Standort liegt 300 Meter neben bewohnten Bauten – «nicht wegen einer Vorgabe des Bundes, sondern weil wir und der Kanton das so wollen», erklärt Adalbert Hospenthal. «Das ist relativ nahe an den Wohnhäusern, aber in der Schweiz ist es sehr schwierig, geeignete Standorte zu finden, ohne dass es Oppositionen gibt.»

Die Nachbarn im Umkreis von zwei Kilometern und die Bevölkerung wurden an Infoveranstaltungen oder Ortsbegehungen informiert. Viel Gegenwind hätten sie erfahren, so Hospenthal. «Viele wissen nichts über Windenergie und das Projekt.» Die Ängste seien aber unbegründet. Fakt sei, dass die Windpark-Anlagen weder strahlen, noch übermässig Lärm verursachen. «Die Geräusche am Sockel sind vergleichbar mit den Geräuschen in einem Auto», so Hospenthal. Zudem seien die Anlagen zu 100 Prozent wiederverwertbar. «Wir stellen pure und saubere Energie her.» Und Markus Ehrbar fügt hinzu: «Wir machen etwas für unsere Nachkommen. Wir wollen ihnen keine Atomberge hinterlassen.»

Keine Energieunternehmen

Das Projekt wird 15 bis 17 Millionen Franken kosten. Für das Vorprojekt mit den Messungen standen 300 000 Franken zur Verfügung. Dieses wurde ausschliesslich durch Privatpersonen finanziert. Die Appenzeller Wind AG hat sechs Aktionäre – der Vorstand und die Genossenschaft IG Naturstrom – und verfügt über 120 000 Franken Aktienkapital. Über die Genossenschaft sind 160 Personen beteiligt, weitere 60 über ein Darlehen. «Es ist ein Bürgerprojekt. Wir wollen kein Geld von Energiekonzernen und sind froh, unabhängig zu sein», so Hospenthal. Sie könnten schon jetzt einen guten Zinssatz garantieren. Alles sei im gesetzlichen Rahmen, das Projekt würde keine No-Gos beinhalten. «Dass die Anlage kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.»

Markus Ehrbar Vorstand Appenzeller Wind AG (Bild: pag)

Markus Ehrbar Vorstand Appenzeller Wind AG (Bild: pag)

Adalbert Hospenthal Präsident Appenzeller Wind AG (Bild: pd)

Adalbert Hospenthal Präsident Appenzeller Wind AG (Bild: pd)

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