OBEREGG: «Aus der Traum»

Der Verein Konzerte in der Kirche (KIK) hat sich am Freitag aufgelöst. Das Vereinsvermögen von rund 45000 Franken wird der Kirchenverwaltung übergeben.

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Der Vereinsvorstand wurde an der letzten Hauptversammlung verabschiedet. (Bild: RR)

Der Vereinsvorstand wurde an der letzten Hauptversammlung verabschiedet. (Bild: RR)

Die Vorzeichen waren längst gesetzt. Die Suche nach einem neuen Präsidenten oder einer Präsidentin war schon vor Jahresfrist erfolglos geblieben. Mit dem Neujahrskonzert 2017 hatte der Verein seine operative Tätigkeit eingestellt. Nun ist auch der letzte Akt vollzogen worden.

Die ordentliche Haupt­versammlung folgte am Freitagabend im Restaurant St. Anton den Anträgen des Vorstandes ­bezüglich Auflösung des Vereins. Zunächst wurde eine Statuten­änderung vorgenommen, die es erlaubt, der Kirchenverwaltung Oberegg Kompetenzen zur Verwendung des Vereinsvermögens einzuräumen. Diese sind in einem Reglement festgeschrieben, das ebenfalls verabschiedet werden musste. Die Kirchenverwaltung wird in die Lage versetzt, konzertante Grossauftritte mit Defizitbeiträgen bis zu 3000 Franken zu unterstützen, sofern dabei die 36-registrige Kuhn-­Orgel angemessen zum Einsatz kommt. Rund 45000 Franken stehen zur Verfügung. Sollten sie binnen zehn Jahren nicht auf­gebraucht sein, fällt der Rest der Kirche Oberegg zu.

Die ursprüngliche Statutenfassung sah vor, das Vereinsvermögen bei der Kirche zu deponieren, bis ein neuer Verein mit ­ähnlicher Zielsetzung die Arbeit fortführen würde. Es war absehbar, dass hier ein «toter Posten» entstünde.

Ein Blick zurück in die Vereinsgeschichte

Der Verein Konzerte in der Kirche wurde am 6. März 1998 aus der Taufe gehoben. Vorausgegangen war die Einweihung der neuen Kuhn-Orgel am 14. September 1997, deren Entstehung wesentlich vom «Verein Orgelfreunde» mitgeprägt war. Eine kleine Gruppe von Idealisten hatte schon in der Planungsphase Gelder zugesichert und schliesslich die versprochenen 400000 Franken an die Gesamtkosten von 950 000 Franken beigesteuert. Ziel des Initianten Bruno Kalberer – damals Dirigent des Kirchenchors Oberegg – war es, ein multifunktionales Instrument zu schaffen, auf dem ein möglichst breites Spektrum der Orgellite­ratur gespielt werden kann. Sein Argumentarium war kurz und knapp: «Ein gutes Instrument garantiert einen guten Organisten – und das sichert den Fortbestand des Chors und damit der Kirchenmusik in Oberegg.» Er hat bis heute recht behalten. Da der «Verein Orgelfreunde» steuerbefreit war und ein begrenztes Ziel formuliert hatte (Unterstützung des Orgelbaus), musste er formell aufgelöst werden, was am 13. Dezember 1997 geschah.

Damit das herrliche Instrument sich einen Namen machen und Ausstrahlung über die Region hinaus gewinnen konnte, wurde der Nachfolgeverein KIK ins Leben gerufen. Als Grundstock für die Vereinstätigkeit wurden jene Gelder eingesetzt, die über die Zusagen der Orgelfreunde hinaus gesammelt worden waren. Dank Mitgliederbeiträgen, grosszügigen Sponsoren und dem Wirken guter Geister konnte dieser Stock über zwei Jahrzehnte hinaus gerettet werden. 59 zum Teil sehr aufwendige Konzerte wurden ermöglicht. Über lange Jahre machte sich ­Elmar Dörig als Präsident einen Namen. Tim Haas trat seine Nachfolge an und erklärte vor einem Jahr seinen Rücktritt.

Wehmut war an der letzten Versammlung spürbar bei wenigen Mitgliedern, die schon 1991 dabei waren, ein privates Risiko eingingen und ungezählte Stunden in das ehrgeizige Projekt ­gesteckt hatten. Die Orgel bleibt dauerhaft ihr Leistungsausweis.

Rolf Rechsteiner

redaktion@appenzellerzeitung.ch