Nur unter Umständen gefährlich

Asbest wurde auch in der Stadt St. Gallen jahrelang in vielen Gebäuden für Isolationen oder bei Eternitplatten eingesetzt. Inzwischen ist es verboten. Dort, wo Asbest noch verbaut ist, ist es meist ungefährlich – wenn man richtig damit umgeht.

David Gadze
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Bei Sanierungen von Gebäuden – im Bild der Spisermarkt, welcher derzeit umgebaut wird – kommt oftmals Asbest zum Vorschein. (Bild: Ralph Ribi)

Bei Sanierungen von Gebäuden – im Bild der Spisermarkt, welcher derzeit umgebaut wird – kommt oftmals Asbest zum Vorschein. (Bild: Ralph Ribi)

Bei Umbauten oder Sanierungen von Gebäuden kommt oftmals Asbest hervor. Prominente Beispiele in der Stadt St. Gallen sind etwa der Neumarkt oder kürzlich der Spisermarkt (Tagblatt vom 27. Oktober). Problematisch ist aber nicht das Vorhandensein des einstigen Wundermittels der Baubranche an sich, sondern die Art der Verarbeitung und der richtige Umgang damit.

Fest verbaut ungefährlich

Asbest sei von den 1960er-Jahren bis Ende der 1980er-Jahre verbreitet eingesetzt worden, sagt Beat Bigler, Abteilungsleiter Objektmanagement beim städtischen Hochbauamt. Wie häufig es in Gebäuden aus jener Zeit vorkomme, könne aber nicht genau abgeschätzt werden.

Die Stadt St. Gallen habe verschiedene ihrer Liegenschaften auf Schadstoffe untersucht – und diese wenn nötig entfernt. «Überall dort, wo Asbest gebunden oder fest verbaut ist, ist es ungefährlich», sagt Bigler. Bei ungebundenem Asbest ist die Gefahr viel grösser, dass Fasern freigesetzt werden. Und diese sind gefährlich (siehe Kasten).

Kein Spielraum bei Gefährdung

Schulhäuser, in denen Asbestplatten beispielsweise als akustische Massnahme an der Decke verbaut wurden, seien deshalb aus Sicherheitsgründen saniert worden, sagt Bigler. «Sobald die Gefahr besteht, dass sich Asbestfasern lösen und die Gesundheit gefährden, haben wir keinen Spielraum. Diesbezüglich herrscht Nulltoleranz.»

In vielen Kindergärten hingegen sei das Problem von Arbezol-Farben als Wandanstrich oder anderen Schadstoffen in Fugen aufgetreten. «Aus diesem Grund haben wir alle Kindergärten aus jener Zeit untersucht und wenn nötig sofort saniert.»

Art der Entsorgung geregelt

Doch was passiert mit dem Asbest, wenn er entfernt wird? Bei jedem Umbauprojekt werde ein Entsorgungskonzept für die zu erwartenden Abfälle verlangt, sagt Christian Helbig, Bereichsleiter Abfalllogistik und Deponie bei Entsorgung St. Gallen. Das Konzept beinhalte auch die Art der Entsorgung.

Bei Asbest komme es auf die Art – gebunden oder ungebunden – an. «Wenn asbesthaltige Materialien in der Deponie Tüfentobel angeliefert werden, verlangen wir eine genaue Analyse mit der entsprechenden Deklaration», sagt Helbig. Ungebundener Asbest werde in sogenannten Big Bags, also in speziellen Beuteln, als Reaktorabfall entsorgt. Dabei handelt es sich um nicht brennbare Abfälle aus Bau, Industrie, Gewerbe oder Privathaushalten, die chemische Reaktionen verursachen können. Deshalb werden sie in einem speziellen Deponiebereich gelagert. «Wir überdecken den verpackten Asbest sofort mit anderem Material. Dadurch entsteht keine Gefahr für die Umwelt.»

Expertise für grössere Gebäude

Bei der Sanierung grösserer Liegenschaften werde nebst dem Entsorgungskonzept auch eine Expertise der enthaltenen Schadstoffe verlangt, sagt Roland Meile, Leiter Liegenschaftsentwässerung bei Entsorgung St. Gallen. Das sei eine Auflage für den Erhalt der Baubewilligung. «Bei kleineren Umbauten wäre eine so weitreichende Untersuchung unverhältnismässig, ausser es gibt einen Verdacht, dass Schadstoffe enthalten sein könnten.» Selbst bei gewöhnlichen Wohnungsumbauten könnten asbesthaltige Materialien freigesetzt werden.

Eine lückenlose Kontrolle gibt es jedoch nicht. Stosse man beim Umbau unerwartet auf Asbest, bestehe eine Meldepflicht ans Amt für Baubewilligungen oder an Entsorgung St. Gallen, sagt Meile. «Es liegt in der Verantwortung des Bauherrn, Asbest oder andere Schadstoffe richtig zu entsorgen und nicht einfach mit dem normalen Bauschutt.»