Nur Teufen kann mithalten

Die «besten Gemeinden der Schweiz» liegen nicht im Appenzellerland. So das ernüchternde Ergebnis einer Studie der Weltwoche. Doch eine Ausserrhoder Gemeinde sticht hervor: Teufen ist unter den besten 50.

Julia Nehmiz
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APPENZELLERLAND. «Wo ist es zum Wohnen und Arbeiten am attraktivsten?» So der zugespitzte Titel der Weltwoche, die gestern eine «Exklusivstudie» veröffentlichte. Jede Schweizer Gemeinde mit mehr als 2000 Einwohnern wurde anhand fünf Parametern überprüft. Arbeitsmarkt, Dynamik, Steuerbelastung, Reichtum und Sozialstruktur waren für das Ranking der 893 Gemeinden entscheidend.

Das Appenzellerland schnitt eher mässig ab: Nur Teufen schafft es unter die besten 50, Appenzell erreicht noch Platz 198, Herisau landet knapp hinter Walzenhausen auf Rang 576. Urnäsch ist das Appenzeller Schlusslicht auf Rang 739. Lebt es sich hier wirklich so schlecht?

Auch andere Werte zählen

«In unserer Gemeinde werden Werte hochgehalten, die in solch einem Ranking nicht zählen», sagt Stefan Frischknecht. Der Urnäscher Gemeindepräsident hält generell nicht viel von solchen Ranglisten. «Wie heisst es so schön, glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast», sagt er und lacht. Aber eigentlich ist es ihm ernst: «Kleine Gemeinden eignen sich, dass man sie schlechtmacht.» Er selber wohnt gerne in Urnäsch und kennt viele Leute, die auch gerne dort leben.

Was zeichnet Urnäsch denn aus? «Die Leute bemühen sich, untereinander gut auszukommen», sagt Frischknecht. Die Stimmung in der Gemeinde sei friedlich und motivierend. Und: «Die weitgehend intakte Umgebung, die wir haben, bedeutet auch Lebensqualität», schwärmt Frischknecht. Zudem würden die Traditionen gelebt und gepflegt. Finanziell sei man nicht sonderlich attraktiv, räumt er ein. Urnäsch sei eine Randregion mit allen Vor- und Nachteilen. Verglichen mit Teufen stünde die Gemeinde nicht sehr gut da. «Mir wäre lieber, ich hätte finanziell mehr Möglichkeiten und müsste nicht jeden Franken viermal umdrehen», sagt er. Einige Einwohner mehr und höhere Steuereinnahmen wären schön, sagt Frischknecht: «Es gibt immer Sachen, die man auch noch gerne hätte.» Doch der Urnäscher Gemeindepräsident appelliert an Bescheidenheit und Zufriedenheit: «Wir haben es per se gut.» Alles Klagen sei Jammern auf hohem Niveau.

«Nicht so ernst nehmen»

Dem stimmt Hans Stricker zu. «Uns geht's doch gut», sagt er. Der Herisauer Gemeindepräsident findet zwischen zwei Terminen kurz Zeit, einen Blick auf die Studie der Weltwoche zu werfen. Gibt ihm zu denken, dass Herisau weit hinter Appenzell und Heiden plaziert ist? «Ach wissen Sie, solche statistischen Auswertungen muss man nicht immer so ernst nehmen», sagt Stricker. Herisau rangiere hinter Gossau (295) und Teufen, aber deutlich vor Arbon (641) und Rorschach (792). Man werde sich die Studie ernsthaft anschauen – wenn sich Hinweise finden, werde man Verbesserungen anstreben. Aber dringenden Handlungsbedarf kann er nicht ausmachen: «Es gibt in Herisau keine grundsätzlichen Probleme.»

Finanziell müsse geschaut werden, wo Einsparungen möglich seien. Doch er ist zufrieden mit seiner Gemeinde: «Wir haben hier eine gute Durchmischung der Bevölkerung quer durch alle Schichten.» Teufen sei vor allem eine Wohngemeinde mit vielen Reichen – «dafür haben sie in Teufen Mühe mit dem Vereinsleben».

Schon immer attraktiv

Einer, der sich über das Ranking freut, ist der Teufner Gemeindepräsident. Walter Grob hat zwar noch nichts von der Weltwoche-Studie gelesen, freut sich aber über die gute Plazierung seiner Gemeinde. «Wir sind schon immer eine attraktive Gemeinde gewesen.» Er kenne die Parameter nicht, nach denen die Weltwoche das Ranking errechnen liess. Doch die Gemeinde verfolge eine langfristige Planung und Entwicklung. Wohnraum sei wichtig, Teufen verfüge über gute Wohnlagen. Auch der Arbeitsmarkt sei intakt, in der Gemeinde gebe es viele Arbeitsplätze im KMU-Bereich. Der Anteil Zu- und Wegpendler liege bei eins zu zwei.

Grob nennt weitere Vorteile seiner Gemeinde: «Die Stadtnähe, die gute Lage, der attraktive Steuerfuss.» Teufen hat traditionell die niedrigste Steuerbelastung in Appenzell Ausserrhoden und dementsprechend viele wohlhabende Einwohner. «Ein attraktiver Steuerfuss ist aber nur dann attraktiv für reiche Leute, wenn die Nebenparameter stimmen», sagt Grob. Auch die örtlichen Gegebenheiten und die Region müsse attraktiv sein, sonst nütze auch der niedrigste Steuerfuss nichts.

Teufen sei eine Wohngegend, die über keine Industrie verfüge. «Vielleicht ist genau das interessant», sagt Grob. Die Gemeinde bemühe sich mit guten Infrastruktur-Angeboten, weiterhin im Gespräch zu bleiben.

Das komplette Ranking ist unter www.weltwoche.ch/mehr/gemeinderating.html zu finden.