Nur noch Stemmbogen üben

Die Affiche tönt harmlos: «Fit am Mittag». Und im Winter wird «Fit am Mittag» zu «Skifit». Das kennt man ja noch von früher, als sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelte und die Hockeposition einnahm.

Patrik Kobler
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Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Die Affiche tönt harmlos: «Fit am Mittag». Und im Winter wird «Fit am Mittag» zu «Skifit». Das kennt man ja noch von früher, als sich die ganze Familie vor dem Fernseher versammelte und die Hockeposition einnahm. Damals montierten sich noch nicht alle eine Kamera auf die Zipfelkappe. Die waghalsigen Kamerafahrten das Lauberhorn runter waren eine Sensation. Dadurch konnte man zu Hause in der gemütlichen Stube Zurbriggen, Müller & Co. nacheifern und auf dem Sofa zum Sprung über den Hundschopf ansetzen.

Um mich von den nostalgischen Gefühlen nicht fehlleiten zu lassen, habe ich im Internet recherchiert. Nichts deutete auf ein anstrengendes Programm hin. Der entspannte Eindruck hielt auch an, als ich mich kürzlich zum Probetraining in der Sporthalle einfand. Bloss die Schemel am Boden machten mich etwas stutzig. Aber die Damen strahlten so harmlos in die Welt hinaus, da konnte man einfach nichts Böses denken.

Dann aber gab die Trainerin gutzi. «Links, rechts, oben, unten, kreuz, quer, Repeater, strecken, organisieren», wiederholte sie in einem fort. Und die Damen an meiner Seite folgten ihr, ohne einen Schweisstropfen zu vergiessen. Alsbald verlor ich von Krämpfen geplagt den Anschluss und stapfte ein wenig den Schemel rauf und runter. Schliesslich hatte die Trainerin ein Einsehen und orderte eine Pause an. Bis ich allerdings die Wasserflasche aufgeschraubt hatte, ging es bereits wieder weiter.

Mit anderen Worten: Ich erlebte mein blaues Wunder und staunte über die Power der Frauen. Mit spaghettidünnen Armen machten sie Liegestütze um Liegestütze, und vor den koordinativen Herausforderungen mussten sie nicht kapitulieren.

Am Abend habe ich dann erschöpft auf dem Sofa nachgeforscht, was ich am Mittag getrieben habe. Step Aerobic nennt sich das Ganze. Natürlich hätte ich mich niemals dafür angemeldet. Aber bei allem Gejammer – es hat Spass gemacht. Wenn ich jetzt noch ein-, zweimal den Stemmbogen übe, bin ich parat fürs Lauberhorn.

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