«Nur noch mit uns gemeinsam»

Ihr Handwerk als Seelsorgerin hat Hildegard Aepli in Lichtensteig, Oberhelfenschwil und St. Peterzell gelernt. Nun pilgert sie mit einer Gruppe Gleichgesinnter nach Rom, um für die Rechte der Frau in der Katholischen Kirche einzustehen.

Urs M. Hemm
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Hildegard Aeplis Lieblingsort: Die Galluskrypta, wo ein Teil der Schädeldecke von Gallus aufbewahrt wird. (Bild: Urs M. Hemm)

Hildegard Aeplis Lieblingsort: Die Galluskrypta, wo ein Teil der Schädeldecke von Gallus aufbewahrt wird. (Bild: Urs M. Hemm)

Sie waren während sechs Jahren Pastoralassistentin in Lichtensteig, Oberhelfenschwil und St. Peterzell. Welche Erinnerung haben Sie an diese Zeit im Toggenburg?

Hildegard Aepli: Ich habe sehr gute Erinnerungen an diese sechs Jahre, es war ja nach dem Theologiestudium meine erste Stelle. Ich hatte dort in Pfarrer van den Beemt einen erfahrenen Lehrmeister. Er zeigte mir auf eine kompetente Art und Weise, wie die kirchliche Arbeit als Pastoralassistentin gehen soll, gleichzeitig liess er mir aber sehr viele Freiheiten.

Wie haben Sie die Toggenburger erlebt?

Aepli: Das ist eine schwierige Frage. Ich komme ursprünglich aus Vättis, bin also in einem Bergdorf aufgewachsen. Insofern konnte mich nichts erschüttern. Dennoch könnte ich nicht sagen, dass die Toggenburger in irgendeiner Art speziell sind. Ich hatte es in meiner Arbeit immer mit seelsorgerlichen Situationen zu tun. Da ging es darum, herauszufinden, was ein Mensch in seiner besonderen Situation braucht, wie ich eine Unterstützung sein kann. So lernte ich die Menschen auf eine andere Art kennen. Zudem erhielt ich mir als Seelsorgerin meine Neutralität, indem ich mich nie in ein politisches Gremium oder Ähnliches habe einbinden lassen. Nur so kann ich vorurteilslos auf Menschen zugehen.

Sind Sie noch ab und zu im Toggenburg?

Aepli: Ja, gerade letzte Woche in Lichtensteig, als ich die Initiative «Für eine Kirche mit den Frauen» vorstellte. Ich habe aber auch noch Freunde im Toggenburg, die mich entweder hier oder ich sie in Lichtensteig oder Oberhelfenschwil besuche. Ich habe zudem eine Schwester, die in Ganterschwil wohnt. So gesehen ist mein Bezug zum Toggenburg geblieben. Auch durch meine Arbeit hier am bischöflichen Ordinariat bin ich des Öfteren mal im Toggenburg, sei es für Vorträge oder andere Veranstaltungen wie Tagungen. So gibt es immer wieder Anknüpfungspunkte.

Welche Erfahrungen konnten Sie aus dieser Zeit für Ihre nachfolgenden Aktivitäten mitnehmen?

Aepli: Die Zeit in Lichtensteig und Oberhelfenschwil gab mir vor allem die Grundlage, was die seelsorgerliche Tätigkeit in der katholischen Kirche in ihrer ganzen Bandbreite bedeutet. Beispielsweise über das Wesen des Religionsunterrichts, über Schülergottesdienst, die Arbeit mit Jungwacht und Blauring, aber auch die offene Jugendarbeit oder die Mitarbeit in der Frauengemeinschaft. Nach dem Theologiestudium kann man ja eigentlich nichts. Von daher war es der beste Ort, die beste Zeit für mich, die praktische Arbeit, aber auch die Strukturen und Verbindungen zwischen dem Dekanat und dem Bistum kennen zu lernen.

Sie sind seit Januar 2012 Mitarbeiterin des Pastoralamtes im Bistum St. Gallen. Was genau ist Ihr Aufgabengebiet?

Aepli: Im Pastoralamt geht es grob gesagt um die Entwicklung der Seelsorge im Bistum St. Gallen insgesamt. Wir sind nicht für das Personal zuständig, sondern überlegen und erarbeiten, wie die Seelsorge im Bistum auch künftig gewährleistet werden kann, in welchen Gefässen und Strukturen. Bei uns findet, wenn man so sagen will, Organisationsentwicklung statt.

Sie sind im Kernteam der Initiative «Für eine Kirche mit den Frauen». Was will diese Initiative?

Aepli: Wir pilgern in einer Gruppe 1000 Kilometer nach Rom, wobei wir zu siebt sind, die den ganzen Weg pilgern. Unser Anliegen ist, dass Männer in der Katholischen Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über die Rolle, Aufgabe und Funktion der Frauen in der Kirche nachdenken, diskutieren und entscheiden, sondern dies nur noch mit den Frauen gemeinsam tun. Wir pilgern für einen Dialog auf Augenhöhe. Wir Frauen bieten Hand, um die Zukunft der Kirche mitzutragen, mitzuentwickeln und entsprechend auch Verantwortung zu übernehmen. In einem Wort: Es geht ums Frauenstimmrecht.

Wo und wann hatte diese Initiative ihren Ursprung?

Aepli: Das war genau am 15. September 2013 in meiner Wohnung in St. Gallen. Es war der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag. Ich lag faul zu Hause rum und plötzlich traf mich der Gedanke wie ein Blitz: Wäre nicht jetzt, unter Papst Franziskus, der richtige Zeitpunkt, um für die Anliegen der Frauen nach Rom zu pilgern?

Um Ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, pilgern Sie jetzt in den Monaten Mai und Juni tatsächlich mit einer Gruppe Gleichgesinnter von St. Gallen nach Rom. Was ist der Zweck dieser Pilgerreise?

Aepli: Unser Zeitfenster reicht vom 2. Mai bis Ende Juni. In der Zeit können Gruppen, aber auch Einzelpersonen tageweise mit uns pilgern. Dadurch bekommen viele Menschen die Möglichkeit, an diesem Projekt teilzuhaben, viel mehr, als wenn wir nur einen Brief nach Rom geschickt hätten. Wir schaffen durch die Pilgerreise Raum dafür, dass ganz viele Menschen Anteil nehmen können – wir wollen ein Zeichen setzen, ohne konkrete Forderungen zu stellen.

Wird Sie Papst Franziskus empfangen?

Aepli: Wir haben den Papst brieflich über den Start unserer Initiative informiert und der Empfang dieses Schreibens wurde durch den Nuntius bestätigt. Mehr wissen wir bis jetzt auch nicht. Was jedoch gewiss ist: dass wir die Eucharistiefeier im Petersdom in Rom zusammen mit Bischof Markus Büchel halten dürfen. Und dort wäre der Papst ja nicht weit weg.

Bei welchen Kräften in der Katholischen Kirche haben Sie Rückhalt?

Aepli: Wir haben unter anderem Unterstützung gefunden beim St. Galler Bischof Markus Büchel, beim Basler Bischof Felix Gmür und auch beim Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer. Etliche Äbte von weiteren Benediktinerklöstern unterstützen uns ebenfalls.