Nur noch maximal fünf Fänge am Tag: Fischerei in Innerrhoden soll nachhaltig sein

Bald beginnt in Innerrhoden die Fischereisaison. Die Standeskommission hat dazu neue Vorschriften erlassen. So dürfen Saisonpatentinhaber in Bergseen täglich nur noch halb so viele Fische fangen wie 2018.

Yann Lengacher
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Andreas Inauen wird auch in der anstehenden Fischereisaison manche Stunde am Wasser verbringen. (Bild: Patrick Baumann)

Andreas Inauen wird auch in der anstehenden Fischereisaison manche Stunde am Wasser verbringen. (Bild: Patrick Baumann)

Der 13. April dürfte ein Tag sein, auf den viele Fischer im Appenzellerland hin fiebern. Dann nämlich beginnt in Innerrhoden die Fischereisaison. Die Standeskommission hat kürzlich neue Fischereivorschriften für diese Saison erlassen. Sie hat die tägliche Maximalfangzahl an Bergseen für Inhaber eines Saisonpatents um die Hälfte gekürzt und so an das Tageskontingent der Fliessgewässer angepasst.

Neu dürfen Inhaber eines Saisonpatents, die am Seealp-, Sämtiser-, oder Fählensee angeln, nur noch fünf statt zehn Fische aus dem Wasser ziehen. Inhaber eines Wochen- oder Tagespatentes dürfen noch drei Fische fangen. Wer nun annimmt, dass dies nicht im Interesse der Fischer ist, der irrt. «Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Fangzahl reduziert wird», sagt Andreas Inauen. Er ist seit vier Jahren Präsident des Fischereivereins Appenzell, der eng mit dem Innerrhoder Amt für Fischerei zusammenarbeitet. Der Vorstand des Fischereivereins Appenzell war es, der den Vorschlag für die neue Regel beim Innerrhoder Amt anbrachte. Für Inauen ist es wichtig, dass die Fischerei auch nachhaltig ist. «Mit einem Kontingent von zehn Fischen täglich an den Bergseen waren wir mehr die Ausnahme als die Norm.»

Verschiedene Gründe für sinkende Fangzahlen

Ausgenommen vom Tageskontingent ist der Amerikanische Seesaibling (Namaycush). Wer einen solchen Fisch fängt, ist gemäss Fischereivorschriften sogar verpflichtet, seinen Fang zu behändigen und zu töten. Der forellenartige Fisch hat einen starken Jagdtrieb und gilt als der wahrscheinlichste Grund für die eingebrochenen Fangzahlen am Fählensee. Eine Untersuchung des Kantons habe ergeben, dass diese Fischart eine gewichtige Rolle im Ökosystem des Fählensees gespielt und sich wohl negativ auf den Fischbestand ausgewirkt habe, sagt Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter, des Kantons.

Der amerikanische Seesaibling wurde in den 60er-Jahren in geringen Zahlen und in den 80er-Jahren verstärkt in den Fählensee eingesetzt. Wie alle anderen Fische, die in den Appenzeller Bergseen schwimmen. Ursprünglich waren Sämtiser-, Fählen-, und Seealpsee als typische Bergseen fischlos. Für letztes Jahr verzeichnet die Inner­rhoder Fischfangstatistik nur 80 Fänge im Fählensee. «Aus fischerei­licher Sicht sind das natürlich keine Zustände. Wie es in den nächsten Jahren mit den Fangerträgen weitergeht, wird sich weisen», sagt Nef. Er bezweifelt aber, dass die Zahlen jemals wieder auf das Niveau der 2000er-Jahre steigen werden, als in manchen Saisons über 1000 Fische gefangen wurden. Im Fählensee werden auf diese Saison hin keine neuen Fische eingesetzt. Der Kanton möchte gemäss seines Untersuchungsberichts beobachten, wie sich die Fischbestände ohne Besatzmassnahmen und nach der grossen Fangaktion der Amerikanischen Seesaiblinge im letzten Jahr erholen. Auch im Seealpsee sind die Fangzahlen gesunken.

Im Gegensatz zum Fählensee stiegen diese nunmehr zwischen 2013 und 2017 kontinuierlich. Wurden 2017 noch 936 Fische gefangen, waren es letztes Jahr aber nur 779 Fische. Für Inauen kein Grund zur Sorge: «Das ist immer noch eine sehr gute Ertragszahl.» Die Fangzahl könne durch sehr viele Faktoren beeinflusst werden, gibt Inauen zu bedenken. Ein tiefer Sauerstoffgehalt in einem See verändere die Zahl genauso wie die Anzahl Stunden, welche die Fischer am Wasser verbringen. Ueli Nef bestätigt diese Aussage: «Die Anzahl gefangener Fische ist im Verhältnis zu den für einen Fang aufgewendeten Stunden immer noch sehr gut.» So müsse man im Seealpsee mit durchschnittlich fünf Stunden für einen Fang rechnen.

Vorfreude auf neue Saison

Andreas Inauen blickt der neuen Saison trotz der tiefen Fangzahlen positiv entgegen. Ein besonderer Höhepunkt im Kalender des Fischereivereins Appenzell stelle das Vereinsfischen dar, an dem die Fischer gemeinsam ans Wasser gehen. Darauf freue er sich besonders. Und: «Das Fachsimpeln bei einem Bier danach gehört auch dazu. Das Trinken wir dann aber in einer Beiz und nicht etwa am Wasser. Wie es sich gehört.» Zum ersten Mal dabei sein können auch Fischer und Fischerinnen des Jahrgangs 2004. Die Standeskommission hat die Vorschriften für das Mindestalter präzisiert. Wer dieses Jahr das 15. Lebensjahr erreicht, darf sich mit einem Patent unbegleitet auf die Pirsch für grosse Fänge machen.