«Nur noch fünf Minuten…»

Ich musste schmunzeln und fühlte mich an meine eigene Schulzeit erinnert, als mir gestern eine Bekannte erzählte, mit welcher Mühe sie ihre Kinder am Sonntagabend ins Bett bringen konnte. Ja, dieser letzte Feriensonntag, der ist einfach zu kurz.

Susanne Hug-Maag
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Susanne Hug-Maag Pfarrerin Krummenau-Ennetbühl (Bild: pd)

Susanne Hug-Maag Pfarrerin Krummenau-Ennetbühl (Bild: pd)

Ich musste schmunzeln und fühlte mich an meine eigene Schulzeit erinnert, als mir gestern eine Bekannte erzählte, mit welcher Mühe sie ihre Kinder am Sonntagabend ins Bett bringen konnte. Ja, dieser letzte Feriensonntag, der ist einfach zu kurz. Fünf Wochen unbeschwerte Freiheit, in diesem Jahr karibisches Feeling sogar in unseren Breitengraden. Und dann soll das einfach zu Ende sein? «Nur noch fünf Minuten…», hätten die beiden Kinder immer wieder aushandeln wollen. Und kaum im Bett, hatten sie dann wieder plötzlich solchen Durst, die Farbstifte seien noch nicht gespitzt, sie könnten einfach nicht einschlafen…

Genau so habe ich es auch gemacht. Ich wollte diesen letzten Abend bis zur letzten Möglichkeit ausnutzen. Sollte die wunderschöne Ferienzeit einfach zu Ende sein? Und dann war da ja auch die gewisse Aufregung, wie das denn am Montagmorgen sein würde, wenn wieder pünktlich nach Stundenplan die Schule beginnt. Ich denke, wir können uns in diese Situationen einfühlen, auch wenn die Schulzeit schon länger hinter uns liegt. Alle Übergänge rufen im inneren Empfinden wohl solche Gefühle hervor. Wir fragen uns, was da wohl auf uns zukommt. Ist die neue Zeit zu vergleichen mit dem schönen Zustand des Vertrauten, egal wie lang oder kurz diese Zeit war? Viele unserer jungen Menschen haben in diesen Tagen ihre Lehre begonnen. In freudiger Erwartung dieser «neuen» Zeit haben sie vielleicht nicht so sehr die Ferienzeit verkürzen wollen, sondern den Moment herbeigesehnt, wo es endlich losgeht. Endlich das lernen, was man selber lernen will – den Beruf, den man selber ausgewählt hat. Und damit wird erneut eine Weichenstellung für die eigene Zukunft gemacht.

Für gewisse Eltern ist das der Moment, wo dann ihr «Nur noch fünf Minuten…» mehr oder weniger plötzlich spürbar wird. Eben waren sie noch im Chindsgi, und jetzt soll meine Tochter schon die Woche über im Lehrbetrieb bleiben, sogar da im Thurgau übernachten? Wenn das nur gut kommt!

Wir können nicht darüber befinden, dass die Zeit stehenbleibt. Gewiss können uns Momente ausgedehnt oder verkürzt erscheinen. Aber immer werden wir auf den Moment aufmerksam gemacht, die Stunde oder gar Sekunde, die als einzige fest in unserer Hand ist. Der Apostel Paulus gebrauchte dafür im Epheserbrief den Begriff «Kauft die Zeit aus». So reden wir heute nicht mehr, aber man kann spüren, dass dahinter der Gedanke der einzigartigen Gegenwart steckt. Auskaufen kann einfach auch so viel wie «nutzen» heissen. Paulus legt uns die aktuelle Zeit ans Herz, es können auch Stunden und Tage sein, in denen die heilsame Zuwendung von Jesus Christus erfahren werden kann. Diese Zuwendung ist da und will unsere Gegenwart bestimmen und in leidvollen Erfahrungen entlasten. Das ist ein Geschenk, das dem Ticken der Uhr entzogen ist und das keine «Nur noch fünf Minuten» braucht, es ist einfach Gegenwart und Geschenk. Folgende Worte, verschiedenen Urhebern zugesprochen (z. B. Eleanor Roosevelt oder Bil Keane, machen mich immer wieder darauf aufmerksam. Vielleicht widmen Sie ihnen auch fünf Minuten: «Yesterday is history. Tomorrow is a mystery. Today is a gift – that's why it's called the present.» «Das Gestern ist Geschichte, das Morgen nur Gerüchte, doch das Heute ist die Gegenwart – und die zu erleben, ist ein Geschenk!» So lautet die Übersetzung im Film «Kung Fu Panda».