Nur knapp ein Viertel der Mitglieder im Ausserrhoder Kantonsparlament ist weiblich

Drei neue Frauen stellen sich für die PU den Wahlen in den Kantonsrat. Heute ist das weibliche Geschlecht stark untervertreten.

Alessia Pagani
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Diese Sitze gilt es an den Gesamterneuerungswahlen im März neu zu besetzen. Einige Kantonsräte treten wieder an. (Bild: APZ)

Diese Sitze gilt es an den Gesamterneuerungswahlen im März neu zu besetzen. Einige Kantonsräte treten wieder an. (Bild: APZ)

Die Meldung vom vergangenen Sonntag überraschte: Die Parteiunabhängigen (PU) von Ausserrhoden gehen an den Gesamterneuerungswahlen vom März nebst bisherigen mit drei Frauen ins Rennen um die freiwerdenden Kantonsratsitze. Noch sind seitens aller Parteien kaum offizielle Kandidaturen kommuniziert worden, doch als PU-Vertreterinnen kandidieren in Heiden nun Vize-Gemeindepräsidentin Susann Metzger-Züst, in Reute Gemeinderätin Karin Steffen und in Teufen Gemeinderätin Pascale Sigg-Bischof. Erstaunlich ist diese Tatsache vor allem aus einem Grund: Seit Jahren ist das weibliche Geschlecht stark untervertreten im Kantonsparlament. Von den 65 Mitgliedern sind lediglich 16 weiblich, was weniger als ein Viertel aller Kantonsräte ausmacht. Wer nun denkt, dies ist eine Momentaufnahme, irrt: Mindestens seit zehn Jahren hatten Ausserrhoder Frauen im Parlament nie mehr als 17 der Sitze inne.

Ausgewogene Vertretung wichtig

Die FDP-Fraktion (24 Mitglieder) stellt momentan mit deren sieben die meisten Frauen. Die SP-Fraktion (12 Mitglieder), die PU-Fraktion (12 Mitglieder) und die CVP/EVP-Fraktion (6 Mitglieder) sind mit je drei Frauen vertreten.

«Wir sind aktiv auf der Suche nach weiblichen Kandidaten und auch nach männlichen»

sagt der Präsident der PU Appenzell Ausserrhoden, Andreas Zuberbühler. «Wir sind allerdings auch darauf angewiesen, dass sich diese selber melden.» Die Geschlechterfrage sei bei der Suche nach Kandidaten nicht oberstes Gebot. «Aber es ist generell wichtig, dass eine ausgewogene Vertretung vorhanden ist, und dies nicht nur im Kantonsrat», so Zuberbühler. Für die kommenden Gesamterneuerungswahlen vom März streben die Parteiunabhängigen an, die Sitzzahl mindestens zu halten oder gar zu erhöhen.

SVP ist männerlastig

In den Reihen der SVP sieht die Situation noch deutlicher aus. Ausnahmslos alle der elf SVP-Kantonsräte sind männlich. Mit der Herisauerin Emmy Zürcher-Kern sass im Amtsjahr 2010/2011 letztmals eine SVP-Frau im Ausserrhoder Kantonsparlament. Dies entspricht gemäss Mario Wipf allerdings nicht dem Wille der Partei.

«Wir sind sehr interessiert daran, dass auch Frauen für uns im Kantonsrat politisieren»

sagt der SVP-Fraktionspräsident. Und so bemühe sich auch die SVP Ausserrhoden immer wieder darum, dass das weibliche Geschlecht zahlenmässig stärker im Parlament vertreten ist. «Wir unternehmen immer wieder Anstrengungen dahingehend und tätigen entsprechende Aufrufe, allerdings seit längerem vergeblich», so Wipf. Der abtretende Kantonsrat aus Wolfhalden ist sich sicher: «Es ist immer vorteilhaft, wenn beide Geschlechter vertreten sind.» Frauen würden weitere und wertvolle Sichtweisen einbringen. Wipf:

«Es gibt viele interessierte Frauen, nicht nur in unserer Partei. Aber es macht den Eindruck, als würden sich viele aktuell nicht sehr stark von so einem Amt angesprochen fühlen.»

Es scheine, als wollten sie nicht den letzten entscheidenden Schritt machen. «Nun sind vor allem die Partei-Basis aber auch die Ortsparteien gefragt.»

Die SVP wird ihre Kantonsratskandidaten voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Januars kommunizieren. Noch sei das Interesse klein, auch intern hätten sich wenige Interessenten gemeldet. Bei Wahlen, sei es nicht unüblich abzuwarten und das sich öffnende Feld möglicher Kandidaten zu beobachten, um vor diesem Hintergrund seine Erfolgschancen abzuschätzen, erklärt Mario Wipf. «Wenn man sich einer Wahl stellt, exponiert man sich und geht immer auch das Risiko ein, zu scheitern. Viele wollen das nicht.»