Nur ein kurzer Traum

Ich habe mich verguckt, spürte wieder einmal Schmetterlinge im Bauch. Alter schützt vor Liebe nicht. Mit meiner neuen Errungenschaft fuhr ich nach Italien.

Esther Ferrari
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Bild: Esther Ferrari

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Ich habe mich verguckt, spürte wieder einmal Schmetterlinge im Bauch. Alter schützt vor Liebe nicht. Mit meiner neuen Errungenschaft fuhr ich nach Italien. Drei Tage Honeymoon! Meine Bekannten im kleinen Bergdörfchen in der Toscana (eine meiner Lebensstationen) beglückwünschten mich zu meiner guten Wahl.720 Kilometer hin, 720 Kilometer zurück. Glücklich fuhren wir auf Autobahnen, umkreisten Mailand, hielten, weil es mich nach einem Teller Pasta gelüstete, eine Stunde an, im Tessin. Das Glas Wein wollte ich mir erst daheim gönnen. Als ich vor der Haustüre anhielt, war es fünf vor zwölf um Mitternacht. Kurz war der Abschied! Mein Lieber…! Nein das durfte nicht wahr sein. Ich streckte meine Hand nach ihm aus, berührte ihn kurz, fiel neben ihm hin auf die Knie. Er aber löste sich von mir. Mein Herz blieb einen Augenblick lang stehen vor Schreck! Ich sah ihn rollen, fliegen, meinen kleinen ferrariroten Daihatsu, einen Automaten, den ich vor vier Tagen gegen mein altes Auto eingetauscht hatte. Nein, er landete nicht wie erhofft unten beim «Strössli» vor meiner Garage. Er überquerte die Hauptstrasse, durchbrach einen Bretterzaun und fiel schrottreif auf das Bahngleis. Dabei hatte ich ihn anschreiben wollen mit dem Hinweis «Gschichte vezelle» auf meiner geplanten Noch-nicht-Homepage. Die Appenzellerbahn, die zehn Minuten später gekommen wäre, konnte rechtzeitig angehalten werden. Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert. Kleine Unaufmerksamkeit, grosse Folgen. Ich hatte, als ich das Auto für weniger als zwei Minuten verliess, wohl den Schlüssel abgezogen, aber nicht auf P gestellt.

Nicht einmal ein Foto gibt es von meiner kurzen Romanze, ausser auf Appenzell 24. Falls ich mich doch noch einmal verlieben sollte, muss ich wohl vorsichtiger sein.

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