Nüdeli mit Fischstäbli

Sind die Enkelkinder in meiner Obhut, so gilt die Regel, dass sie bestimmen dürfen, was der Grossvater zu kochen hat.

Drucken
Teilen

Sind die Enkelkinder in meiner Obhut, so gilt die Regel, dass sie bestimmen dürfen, was der Grossvater zu kochen hat. Es ist natürlich klar, dass ihr kulinarischer Horizont vom Alter her noch nicht so weit reicht und sie sich deshalb in ihren feinschmeckerischen Ansprüchen von anderen Kriterien leiten lassen als wir Erwachsenen. So kann es denn nicht ausbleiben, dass oft der gleiche Wunsch geäussert wird.

In jedem Fall aber war er mir bisher stets Befehl – auch im Bewusstsein, dergestalt die Maxime «Gegessen wird, was auf den Tisch kommt» zu unterlaufen und unter Umständen gegen die elterlichen Prinzipien zu verstossen. Ich lasse mich eben vom Grundsatz leiten, dass es genügt, wenn Eltern Erziehungsfunktionen wahrnehmen; Grosseltern dagegen sollten ihr Verwöhnbedürfnis nach Herzenslust ausleben können. Doch zurück zum Essen.

Unlängst sind meine Enkelinnen Sarah und Elena offenbar einer neuen Eingebung durch Lukullus teilhaftig geworden. Auf meine Frage nach ihren Begehrlichkeiten brachten sie die Variante «Nüdeli mit Fischstäbchen und weissen Böhnchen» ins Gespräch. Da mich die Kombination Nüdeli/Fischstäbchen nun doch etwas abenteuerlich dünkte, wagte ich es, Überlegungen ins Spiel zu bringen, die auf ein harmonischeres Nebeneinander von gewissen Speisen hinausliefen und die schliesslich in die Frage mündeten,

ob sie sich als Beilage zu den Fischstäbchen allenfalls auch mit Kartoffeln oder mit Reis anfreunden könnten. Zu solchen Denkanstössen fühlte ich mich nur schon deshalb legitimiert, weil ich derzeit einen Kochkurs absolviere. Ich stiess bei Sarah und Elena indes auf wenig Gehör: Lukullus ist offensichtlich einflussreicher als der Grossvater. So kam denn auf den Tisch, wonach es sie gelüstete.

Nun, die Teller wurden leer – und Grossvater erhielt das Kompliment «Du chochisch eifach super».

Martin Hüsler

Aktuelle Nachrichten