NOVUM: Mit Hochradfahrern und im Karussell auf Zeitreise

In St. Gallen findet zum ersten Mal eine Nostalgiechilbi statt. So wie sie vor 30, 40, 50 Jahren einmal war. Von Donnerstag, 8. Juni, bis Sonntag, 11. Juni, werden also auf dem Gallusplatz bis zur St.-Laurenzen-Kirche vergangene Zeiten heraufbeschworen.

Elisabeth Reisp
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Auch ein altes Kinderkarussell wird an der Nostalgie-Chilbi seine Runden drehen. (Bilder: Archiv Beat Antenen)

Auch ein altes Kinderkarussell wird an der Nostalgie-Chilbi seine Runden drehen. (Bilder: Archiv Beat Antenen)

Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Es wird nie wieder so, wie es einmal war. Doch einen Versuch kann man wagen, also hat der St .Galler Fernsehmoderator und Produzent Beat Antenen die Idee einer Nostalgiechilbi in St. Gallen angestossen. Mit Erfolg. Als Vorlage dienten Antenen die Erinnerungen aus seiner Kindheit; an den Jahrmarkt, wie er einst im Museumsquartier stattfand.

Sicherheit geht vor Nostalgie

Denkt Beat Antenen an die Chilbi seiner Kindheit zurück, sieht er das Kasperlitheater an der oberen Museumstrasse vor seinem inneren Auge. «An der Scheffelstrasse, gleich bei der Tonhalle, war der Äfflizirkus – den gibt’s heute natürlich nicht mehr», sagt Antenen. Daneben habe der Waffelbeck mit einem verführerischen Duft gelockt. All das gibt’s nicht mehr. Und auch die Kulisse für die Chilbi wird nicht mehr dieselbe sein. Einige Trouvaillen gibt es an der Chilbi dennoch zu bestaunen. Vor der Kulisse der historischen Altstadt wird unter anderem ein grosses Kettenkarussell betrieben. Auch die farbenprächtige Calypso oder eine alte Geisterbahn aus dem Wiener Prater gehören zum Programm.

Bei Erfolg wird wiederholt

Gemäss Walter Schweizer von der Gewerbepolizei St. Gallen konnten sechs Bahnen für die Nostalgiechilbi aufgetrieben werden. «Einfach war das aber nicht», sagt Schweizer. Abgesehen davon, dass es nicht mehr viele dieser historischen Bahnen gibt, entsprächen die wenigen noch vorhandenen Bahnen nicht alle den aktuellen Sicherheitsvorschriften. Bahnen, die an der Chilbi fahren, müssen aber TÜV-geprüft sein. Bei der Sicherheit werden keine Abstriche gemacht.

Acht Marktstände ergänzten die Chilbi. Für kleinere Stände hätte es noch Platz, sagt Schweizer. Bei den Verpflichtung von Verpflegungsständen haben sich die Organisatoren bewusst etwas zurückgehalten. «Wir wünschen uns, dass die Besucher auch in die umliegenden Restaurants und Cafés gehen.» Schliesslich sei die Chilbi auch eine Massnahme zur Belebung der Innenstadt.

Als weitere Attraktionen fahren am Samstag der viertägigen Chilbi Hochradfahrer durch die Gassen. «Eventuell werden auch Oldtimer zu sehen sein», sagt Schweizer. Ungewiss ist, ob zusätzlich ein historisches Feuerwehrauto auf den Platz gefahren wird. Ein Drehorgelspieler bringt passende Musik auf den Platz. «Eine grosse Chilbiorgel fehlt leider», sagt Schweizer.

Die Nostalgiechilbi ist ein partnerschaftliches Projekt von Privaten und der Öffentlichen Hand. Stadt, Pro City, Gewerbepolizei und die Klosterviertelgesellschaft sind in der eigens gegründeten IG Historische Chilbi vertreten. Mit seiner Idee hat Beat Antenen das Projekt vor vier Jahren angestossen und ist damit auf viele offene Ohren gestossen.

Ob das Projekt bei der Bevölkerung ebenfalls Anklang findet, muss sich erst zeigen. Wie viele Leute an den vier Tagen die Nostalgiechilbi besuchen, ist für die Organisatoren im Vorfeld nicht abzuschätzen. «Wir haben die Hoffnung, dass wir viele Besucher anlocken werden. Aber da uns die Erfahrungswerte fehlen, haben wir keinen Anhaltspunkt», sagt Schweizer.

In der ganzen Schweiz gibt es keinen vergleichbaren Anlass. Ist die Chilbi ein Erfolg, werde sie wahrscheinlich im Zwei- bis Drei-Jahresrhythmus wiederholt.

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

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