Notfallstation wird effizienter

WATTWIL. Ab 2. November ist die Notfallstation im Spital Wattwil neu organisiert. Die interdisziplinäre Struktur vereinfacht die Arbeit der Ärzte und Pflegefachleute. Für die Patienten bringt sie kürzere Warte- und Behandlungszeiten mit sich.

Anina Rütsche
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Die Struktur wird neu, der Standort der Notfallstation bleibt vorerst im ersten Obergeschoss des Spitals Wattwil. (Bild: Anina Rütsche)

Die Struktur wird neu, der Standort der Notfallstation bleibt vorerst im ersten Obergeschoss des Spitals Wattwil. (Bild: Anina Rütsche)

Fast alles neu macht der November, dieses Motto gilt derzeit für die Notfallstation des Spitals Wattwil. In wenigen Tagen, am 2. November, wird deren Struktur umgestellt. Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten bringt dies Vorteile mit sich, denn die Abläufe werden effizienter.

Die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) reagiert mit ihrem neuen Konzept auf eine schweizweit zu beobachtende Entwicklung. «Die Zahl der Konsultationen in Notfallstationen nimmt nämlich stetig zu», sagt Christof Geigerseder, ärztlicher Leiter Notfallmedizin SRFT. In Wattwil beispielsweise steigt die Zahl der Patienten, welche in die Notaufnahme kommen, jährlich um fünf Prozent an. In Wil, wo der Anstieg pro Jahr gar acht Prozent beträgt, wurde 2009 ein neues Konzept eingeführt: Die Verantwortlichen um Christof Geigerseder haben Änderungen betreffend den Arbeitsabläufen sowie der weiterführenden Ausbildung der Pflegefachleute vorgenommen. Dieses Konzept hat sich bewährt, daher wird es nun auf Wattwil übertragen.

Christof Geigerseder Ärztlicher Leiter Notfallmedizin SRFT

Christof Geigerseder Ärztlicher Leiter Notfallmedizin SRFT

Fächerübergreifend arbeiten

Interdisziplinarität, so lautet einer der wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Reorganisation. Darunter versteht man die Nutzung von Ansätzen, Denkweisen und Methoden verschiedener Fachrichtungen – eine Bündelung des Wissens. Auf die Praxis der Notfallstation übertragen bedeutet Interdisziplinarität, dass notfallmässig ins Spital eintretende Kranke und Verletzte nicht wie bisher von Anfang an einer bestimmten Klinik zugeordnet werden, sondern zunächst in der Notfallstation von einem interdisziplinär tätigen Arzt untersucht werden. Dieser stellt eine Verdachtsdiagnose und trifft weitere, spezialisierte Vorkehrungen. Gemäss Christof Geigerseder hat dieses interdisziplinäre Vorgehen den Vorteil, dass für die Patienten kürzere Warte- und Behandlungszeiten entstehen.

Bernadette Meile Pflegefachfrau und Stationsleiterin Notfall Wattwil (Bilder: pd)

Bernadette Meile Pflegefachfrau und Stationsleiterin Notfall Wattwil (Bilder: pd)

Mehr Plätze für Patienten

Dass immer mehr Menschen in die Notfallstation kommen, hat laut Christof Geigerseder damit zu tun, dass diese rund um die Uhr und ohne Anmeldung zugänglich ist. Ausserdem haben viele Menschen heutzutage keinen Hausarzt mehr. «Die Leute wollen und können heutzutage vermehrt den Weg ins Spital auf sich nehmen», sagt auch die Pflegefachfrau Bernadette Meile, welche die Leitung der Notfallstation Wattwil innehat. «An diese Gegebenheiten passen wir uns nun an.» Veränderungen stehen in der Notfallstation des Spitals Wattwil auch bei den Patientenplätzen an. Derzeit und noch bis Ende Oktober gibt es in der Notaufnahme deren vier in einem einzigen Raum. In wenigen Tagen wird auf sieben Plätze in zwei Zimmern aufgestockt.

Standort bleibt vorerst gleich

Um die Notfallstation neu einzurichten, sind lediglich kleinere bauliche Anpassungen nötig, die den Betrieb laut Christof Geigerseder nicht beeinträchtigen. Der Standort der Wattwiler Notfallstation im ersten Obergeschoss bleibt vorerst bestehen, auch wenn dieser gemäss Christof Geigerseder und Bernadette Meile nicht optimal ist. Beide Fachleute weisen darauf hin, dass sich die räumliche Situation weiter verbessert, wenn in sechs Jahren der geplante Neubau bezugsbereit ist. Die Notfallstation wird sich dann im Parterre befinden und einen eigenen Zugang haben.

Auch die Aufgabenverteilung des Personals wird neu geregelt: Während derzeit einige Mitarbeitende der Tagesklinik in der Notaufnahme mitarbeiten, gibt es ab November eine klare Trennung zwischen den beiden Teams. Auf der Notfallstation wird sich künftig ein Team von auf Notfallpflege spezialisierten Pflegefachpersonen um die Patienten kümmern.

Qualität steigt dank Studium

Ein Teil dieses Teams unter der Leitung von Bernadette Meile hat bereits das Nachdiplomstudium mit Schwerpunkt Notfall absolviert. Weitere haben diese fachspezifische Weiterbildung in Angriff genommen, beziehungsweise beginnen damit in nächster Zeit.

Sobald mehrere Mitarbeitende den Abschluss erlangt hätten, stehe ein nächster Schritt an, sagt die Wattwiler Stationsleiterin. Das langfristige Ziel bestehe darin, gemeinsam mit dem Standort Wil eine Zertifizierung für die Notfallstationen zu erhalten. «Diese ist ein Gütesiegel für die Qualität unserer Arbeit. Sie zeigt, dass wir eine schnelle, kompetente Betreuung und Behandlung anbieten», sagt Stationsleiterin Bernadette Meile.