Noch nicht vom Mangel infiziert

Trotz eines landesweiten Mangels an Pflegepersonal können die Spitalregion Fürstenland Toggenburg SRFT und die Psychiatrische Klinik Wil offene Stellen noch besetzen. Die Bewerbungen halten sich jedoch in Grenzen.

Ursula Ammann
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WIL. Pflegepersonal ist in der Schweiz fast so gesucht wie Spenderblut. Auf dem Platz Wil wird derzeit zwar noch kein akuter Mangel beklagt. Eine Selbstverständlichkeit ist die Besetzung der Stellen aber auch hier nicht. Im Vergleich zu anderen Schweizer Spitälern zeigen Wil und Wattwil, die beiden Spitäler der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, keine Mangelerscheinungen beim Pflegepersonal. Die Stellen auf den Notfallstationen – dort, wo sonst landauf, landab akuter personeller Notstand herrscht – sind alle besetzt. Die Notfallstation in Wil sei für die Mitarbeitenden gar ein reizvoller Posten, um sich intern weiterzubilden, sagt Astrid Sprenger, Ressortleiterin Pflege der Spitalregion Fürstenland Toggenburg SRFT. Doch auch auf anderen Stationen können Wil und Wattwil nicht über Engpässe beim Pflegepersonal klagen. «Unser grosser Vorteil ist, dass wir ein Regionalspital sind», sagt Astrid Sprenger. So spüre man bei den Mitarbeitenden die Verbundenheit mit dem Ort. Die grosse Mehrheit der Pflegefachpersonen stammt aus der Schweiz, davon wiederum viele aus der Region. Von rund 190 Stellen (verteilt auf 400 Personen) im Ressort Pflege sind derzeit fünf offen. Das sind nicht viele, eine Warteliste von Bewerbern gibt es aber nicht. «Wir können unsere freien Stellen zwar verhältnismässig gut besetzen, werden aber auch nicht von Bewerbungen überhäuft», erklärt Astrid Sprenger.

Zusätzlicher Bedarf an Pflegern

Gemäss einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums fehlen dem Schweizer Gesundheitswesen bis 2020 rund 25 000 Arbeitskräfte. «Davor haben auch wir Respekt», sagt Astrid Sprenger. Dazu komme der demographische Wandel. Die Leute werden immer älter, die Fälle komplexer, was den Bedarf an Pflegepersonal im Vergleich zu heute auch noch erhöhen wird. Um einem Personalmangel entgegenzuwirken, ist die SRFT bestrebt, nicht nur für neue Arbeitskräfte, sondern auch für bestehende attraktiv zu sein. «Wir bieten gute Rahmenbedingungen, so dass unsere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch bei uns bleiben», betont Astrid Sprenger. Dazu gehören unter anderem angemessene Arbeitszeiten, die Begleitung in schwierigen Situationen oder die Möglichkeit, sich weiterzubilden. «Mit unserem Engagement in der Ausbildung junger Berufsleute in der Pflege leisten wir einen weiteren Beitrag zur Sicherstellung des Nachwuchses», sagt Astrid Sprenger.

Ohne Ausländer geht es nicht

Die Psychiatrische Klinik Wil kann die Stellen im Pflegebereich derzeit noch relativ gut besetzen. Die Zahl der Bewerbungen hält sich jedoch in Grenzen. Besonders auf Stationsleitungsebene seien die Anwärter rar, sagt Urs Burgstaller, Leiter Personalwesen. Dringend angewiesen sei man auch auf ausländische Arbeitskräfte, insbesondere bei den Ärzten, erklärt Urs Burgstaller. «Knapp wird es aber an allen Fronten.» Mit der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative werde die Situation noch zusätzlich verschärft. Um die Fluktuation gering zu halten, unterstützt die Psychiatrische Klinik Wil ihre Mitarbeitenden bei Weiterbildungen und legt Wert auf ein gutes Arbeitsklima. Zudem wurde die Anzahl der Ausbildungsstellen für Fachangestellte Gesundheit erhöht, und interessierte Mitarbeitende werden gezielt auf Führungspositionen vorbereitet. Im Kanton St. Gallen sind derzeit auch die Löhne für das Pflegepersonal höher als beispielsweise im Kanton Thurgau, was einen Standortvorteil verspricht.

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