Noch mehr Photovoltaik in Wattwil

WATTWIL. Nach dem Gemeindehaus sowie den Schulen in der Grüenau und der Risi sollen nun auch der Werkhof, die ARA, das Feuerwehrdepot und das Mehrzweckgebäude an der Hofjüngerstrasse mit Photovoltaikanlagen versehen werden. Die Realisierung hängt von der Einspeisevergütung ab.

Hansruedi Kugler
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Zu Beginn des Photovoltaik-Booms 2010: Thomas Grob (links) mit Schulleiter Paul Balzer, Schulratspräsident Norbert Stieger und Lehrer Peter Bötschi auf dem Dach der Wattwiler Grüenau-Schule. (Bild: Hansruedi Kugler)

Zu Beginn des Photovoltaik-Booms 2010: Thomas Grob (links) mit Schulleiter Paul Balzer, Schulratspräsident Norbert Stieger und Lehrer Peter Bötschi auf dem Dach der Wattwiler Grüenau-Schule. (Bild: Hansruedi Kugler)

Alle Dächer der öffentlichen Gebäude der Politischen und der Schulgemeinde Wattwil stehen auf der Warteliste der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Wattwil will als «Energiestadt» Vorbild sein. Auf den Dächern des Gemeindehauses, der Schulen in der Grüenau und in der Risi sowie auf dem BWZT (das dem Kanton gehört) sind bereits grössere Photovoltaikanlagen installiert: Mit einer Gesamtfläche von 1692 Quadratmetern produzieren die Module Strom für 50 Haushalte. In Zahlen ausgedrückt: 263 000 Kilowattstunden im Jahr. Mit den geplanten vier neuen Anlagen auf dem Feuerwehrdepot und der ARA im Flooz, auf dem Mehrzweckgebäude an der Hofjüngerstrasse und auf dem Werkhof in der Bleiken sollen rund 500 000 Kilowattstunden hinzukommen.

5 Prozent Solarstrom in Wattwil

Das ist relativ wenig im Vergleich zu den 1,2 Millionen Kilowattstunden, die seit 2012 jährlich auf dem Fabrikdach der Högg AG produziert werden und den Bedarf von rund 270 Haushalten decken. Auch dies ist wenig – bezogen auf den gesamten Stromverbrauch in der Gemeinde Wattwil. Dieser beträgt rund 50 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Der grösste Anbieter, die Thurwerke AG, liefert jedes Jahr 32,5 Millionen Kilowattstunden Strom an Haushalte, Gewerbe, Industrie und öffentliche Institutionen. Der auf Gemeindegebiet produzierte Strom deckt rein rechnerisch rund 5 Prozent des Gesamtverbrauchs ab.

Politisches Zwischenziel erreicht

In der Gemeinde Wattwil sind derzeit 31 Photovoltaikanlagen installiert: Sie produzieren auf 15 796 Quadratmetern 2,3 Millionen Kilowattstunden Strom – die Hälfte davon kommt alleine vom Dach der Högg AG. Damit hat die Gemeinde ein Zwischenziel bereits jetzt schon fast erreicht: Als «Energiestadt» will Wattwil nämlich bis 2016 auf dem ganzen Gemeindegebiet 16 600 Quadratmeter Photovoltaikanlagen realisiert sehen. Dies ist eines der energiepolitischen Ziele des Gemeinderates – neben der Realisierung einer grösseren Holzwärmeverbundanlage, der Förderung erneuerbarer Energie und der Senkung des Gesamtenergieverbrauchs um fünf Prozent.

Noch bis Ende März installiert

Auch wenn der Solarstrom bisher erst einen kleinen Teil zum Stromkonsum beisteuert, sagt Energietal-Präsident Thomas Grob: «Unser Ziel muss sein, das Solarpotenzial so gut wie möglich auszuschöpfen.» Thomas Grob ist auch Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG und betreibt als Privatunternehmer auch einige Photovoltaik-Anlagen auf Gemeindegebiet. So ist er Eigentümer der Anlage auf dem Dach der Högg AG. Zwei weitere Anlagen von Thomas Grob stehen vor der Inbetriebnahme: 1715 Quadratmeter auf dem Dach der Sägerei Wälly im Rickenhof werden ab Ende März jährlich 237 000 Kilowattstunden produzieren, die 2302 Quadratmeter grosse Anlage auf dem Dach der Pozzi AG 310 000 Kilowattstunden. Auch die von der Toggenburg Energie Finanz AG (Hauptaktionärin ist die Thurwerke AG) realisierte Anlage auf der Markthalle soll bis Ende März in Betrieb sein. Diese wird mit 2414 Quadratmetern Module 330 000 Kilowattstunden pro Jahr produzieren.

Auch die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) ist in Wattwil als Produzent von Solarstrom aktiv. Ihre erste Photovoltaikanlage in der Gemeinde hat die SAK Ende 2014 auf dem Dach der Abderhalden Holzbau AG ans Netz genommen: Auf 1725 Quadratmetern kommt die Anlage auf eine Jahresproduktion von 270 000 Kilowattstunden.

Fördergelder sind entscheidend

Dass die Anlagen auf der Markthalle, auf dem Gebäude der Pozzi AG und auf der Sägerei Wälly noch bis Ende März ans Netz gehen, ist nicht zufällig. Denn ab 1. April sinken die KEV-Tarife in zwei Schritten: Je nach Grösse der Anlage macht diese 12 bis 23 Prozent aus. Die Zielsetzung der neuen Tarife ist klar: Gefördert werden sollen vor allem grosse Anlagen. Einschneidend sind auch die Kürzungen bei den Einmalvergütungen: Diese sinken in zwei Schritten bis 1. Oktober um gut einen Drittel von 850 Franken pro kW auf 500 Franken. Am Beispiel der Photovoltaikanlage auf der Markthalle mit einer Leistung von 383 kW würde dies bedeuten: Statt wie bisher 325 000 gäbe es ab Oktober nur noch 191 000 Franken Investitionsförderung.

Vier geplante Anlagen

Trotz diesen verschlechterten Rahmenbedingungen soll es in Wattwil also einen Schritt vorwärts gehen beim Ausbau der Photovoltaikflächen. Gleich vier Dächer von öffentlichen Gebäuden sind als Standorte für Photovoltaikanlagen vorgesehen: Die Abwasserreinigungsanlage und das Feuerwehrdepot im Flooz, das Mehrzweckgebäude an der Hofjüngerstrasse und der Werkhof in der Bleiken. 3500 Quadratmeter Gesamtfläche, rund 500 000 Kilowattstunden Jahresleistung.

Finanziert und gebaut werden die Anlagen durch die Toggenburg Energie Finanz AG, betrieben durch die Thurwerke, mit einer eher symbolischen Nutzungsmiete von 1 Rappen pro Kilowattstunde/Jahr, rund 5000 Franken. Der Entscheid über den Bau hänge aber von den konkreten Berechnungen zur Finanzierung ab, sagt Thomas Grob.