Noch ist die neue Heimat fremd

In diesen Tagen herrscht im neu gebauten Betreuungszentrum Risi in Schwellbrunn  Ausnahmezustand. Die Bewohner, die grösstenteils im Heim Sonnenberg untergebracht waren, können nun ihre Zimmer beziehen. Vieles ist noch ungewohnt.

Karin Erni
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Alles ist neu für Elise Koller. Zum Glück ist mit Pfleger Sebastian ein bekanntes Gesicht für sie da.

Alles ist neu für Elise Koller. Zum Glück ist mit Pfleger Sebastian ein bekanntes Gesicht für sie da.

«Woni in Sonneberg gange bi, hani Heiweh noch de Risi gha. Und jetzt hani Heiweh noch em Sonneberg», sagt Ursula Steingruber und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. So wie ihr geht es am heutigen Tag wohl einigen Bewohnern des Betreuungszentrums Risi in Schwellbrunn. Vieles ist ungewohnt und manch einer fühlt sich im Neubau noch nicht recht zu Hause.

28 Personen, welche die letzten zwei Jahre im Sonnenberg untergebracht waren, mussten in den vergangenen Tagen all ihre Habseligkeiten zusammenpacken, damit die Zügelleute die Schachteln auf die Risi transportieren konnten. Neun Bewohner, die wenig Pflege benötigen, waren während der zweijährigen Bauzeit im Nachbarhaus Risi II geblieben und wurden von der Sonnenberg-Küche aus versorgt. Auch sie erhalten jetzt ein Zimmer im Neubau. Das Haus Risi II wird bis auf weiteres als Personalwohnung genutzt.

Komfortabel wie im Hotel

Angehörige und Mitarbeiter helfen den Bewohnern beim Umzug. Sie begleiten die Betagten und unterstützen sie beim Einrichten des Zimmers. «Hei, ist das alles schön und neu, fast wie im Hotel», sagen zwei Frauen anerkennend. Sie begleiten ihre Mutter Elise Koller. «So modern hätte es für mich nicht zu sein brauchen», sagt diese und wirft einen kritischen Blick in die anthrazitfarbenen Schränke. Aber der Holztisch sei schön. «Gehört der auch dazu?», fragt sie ihre Tochter. Als diese bejaht, setzt sie sich hin und schenkt sich aus dem Thermoskrug ein Glas vom bereitgestellten Tee ein. Die Anspannung weicht etwas aus dem Gesicht. Als auch noch der beliebte Pfleger Sebastian eintritt und sie herzlich willkommen heisst, strahlt sie über das ganze Gesicht und scheint wieder versöhnt mit der neuen Umgebung. «Ich habe in der Schwendi gelebt und kann jetzt von meinem Zimmer auf den Hof schauen, darum habe ich dieses ausgewählt», erzählt sie lächelnd.

Geliebtes suchen und finden

Die ehemalige Heimmitarbeiterin Waltraud Meile betätigt sich heute als freiwillige Helferin. Sie räumt die Zügelkartons aus und versorgt Kleider und Schuhe in die Schränke. «Wo sind denn meine Pillendöschen?», fragt Hanny Buck. Sie habe nämlich eine grosse Sammlung aus aller Welt, erzählt sie. «Wohl 200 Stück dürften es sein. Vielleicht sind sie nicht mitgekommen», sagt sie etwas enttäuscht. Doch die Sorge war umsonst. Zwei grosse Blechbehälter voller farbiger Döschen kommen in einem Zügelkarton zum Vorschein. Hanny Buck nimmt gedankenverloren eines davon in die Hand. «Ich bin früher viel gereist. Überall wo ich war, habe ich ein solches Döschen gekauft. «Damals war ich mit meinem lieben Mann unterwegs und heute bin ich alleine.»

Drei Handwerker treten ein. «Wir bringen Ihr Bett.» Im Heim Sonnenberg sei kein Bettenlift zur Verfügung gestanden. Daher hätten sie die Betten für den Transport demontieren müssen. 135 Kilo wiege so ein Pflegebett, erklärt einer der Angestellten des Herstellers Bigla aus dem Emmental. «Wir bauen die Betten nun im Zimmer wieder fachgerecht zusammen und machen anschliessend eine Funktionsprüfung.» Doch erst gelte es, den richtigen Platz für das Bett zu finden, sagt er. «Es muss so im Raum stehen, dass die Pflegenden von der rechten Seite her zum Patienten kommen.» Mittlerweile geht es gegen Mittag zu. Aus der Küche kommt ein feiner Duft und die Bewohner und ihre Angehörigen begeben sich in den Speisesaal.

Ursula Steigruber ist aufgeregt. Sie hat ihre Gschpänli, mit denen sie am Nachmittag jeweils Würfelspiele macht, noch nicht entdeckt. «Gibt es denn hier nichts zu trinken?», fragt sie die Serviceangestellte. «Nein, hier trinken wir direkt vom Brunnen», sagt diese scherzhaft und alle Bewohner rundherum lachen. Nun kommt die Suppe auf den Tisch und es wird still, denn das Essen schmeckt auf der Risi wie gewohnt gut.