Nie mehr Frühling

«Auf dem Küchenboden liegt sie, vor dem Herd, zusammengekrümmt.» Sie ist tot, die Hermine, und Paul ist allein mit der toten Mutter in der ewig düsteren Küche, im Haus, im Totenhaus. Muffig, verdreckt, trostlos ist es.

Drucken
Teilen

«Auf dem Küchenboden liegt sie, vor dem Herd, zusammengekrümmt.» Sie ist tot, die Hermine, und Paul ist allein mit der toten Mutter in der ewig düsteren Küche, im Haus, im Totenhaus. Muffig, verdreckt, trostlos ist es. Hermine war lebenslustig, aber auch eigensinnig – und alle im Dorf staunten, dass Karl ausgerechnet diese Frau heiratete. Ewige Treue schwor sie ihm – bis in den Tod und darüber hinaus. Karls Einberufung in die Wehrmacht zerstörte die Idylle. Hermines inneres Licht erlosch. Ohne Rücksicht auf ihre beiden kleinen Söhne Paul und Dieter, trieb sie teilnahmslos im Alltag dahin, vernachlässigte die Buben, den Haushalt, den Garten. Sie missachtete jegliche Hilfe ihrer Familie, ihrer Nachbarin Erna. Obwohl sie wusste, dass der zu Ende gegangene Krieg ihr den Mann nicht mehr zurückbrachte, lebte Hermine weiter in der Vergangenheit und wartete. Es gibt kleine Hoffnungslichter, die aber immer wieder überschattet werden von der Düsterheit des Alltags, vom Leid der Vergangenheit, von der aussichtslosen Zukunft – einer Zukunft, welche durch die Gestalt von Hermine keine Farbe erhält. Hermine lässt jeden Tag die Sinnlosigkeit und zerstörerische Kraft des Krieges spüren.

Die Geschichte berührt zutiefst. Die Liebe über den Tod hinaus bis zur letzten Konsequenz, zur Verneinung der Gesellschaft, zur Selbstaufgabe, ist unvorstellbar.

Petra Hofmann: Nie mehr Frühling, Picus Verlag, 231 Seiten Stadtbibliothek Wil Öffnungszeiten: Montag geschlossen Dienstag, 9 bis 19 Uhr, durchgehend Mittwoch, 14 bis 18 Uhr Donnerstag, 9 bis 11 Uhr und 14 bis 18 Uhr Freitag, 14 bis 18 Uhr Samstag, 8.30 bis 13 Uhr www.stadtwil.ch/bibliothek