Nicole Bernegger ist zurück

Nachdem es seit einem Jahr stiller geworden ist um Nicole Bernegger, promotet sie nun ihr zweites Album und kam dazu auch in die Ostschweiz. In der «Eintracht» trat sie eindrucksvoll auf.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Mehr Musikalität, mehr Druck, weniger Pettycoat: Nicole Berneggers wuchtiger Auftritt in Kirchberg. (Bild: Michael Hug)

Mehr Musikalität, mehr Druck, weniger Pettycoat: Nicole Berneggers wuchtiger Auftritt in Kirchberg. (Bild: Michael Hug)

KIRCHBERG. Sie ist immer noch eine eindrucksvolle Erscheinung. Erst recht, wenn sie in Armeslänge vor einem steht. Wenn sie dann ihren Mund zum Singen öffnet, gefriert schier der Schweiss am Rücken eines fast jeden Zuschauenden. Nicole Bernegger, Sängerin, Mutter, Kunstwerk und Lebenskünstlerin. Eine Frau, die ihr Leben als «Star» im Griff und die Chance ihres Lebens – vor bald drei Jahren bei «The Voice of Switzerland» – genutzt hat. Ein Star der Popmusik, der nicht verglüht ist nach dem schnellen TV-Ruhm. Sondern einer, der mal hell strahlt und nur glimmt, wenn es gilt, Kraft und Inspiration zu holen für neue grosse Taten.

Kommt immer wieder zurück

Nicole Bernegger ist also zurück. Nach gut zwei Jahren stand sie am Freitagabend zum zweitenmal in Kirchberg auf der Bühne. «Wer einmal in der <Eintracht> gewesen ist, kommt immer wieder zurück», gab sie eingangs ihrer Performance von sich. Fast wie das Heimweh, das sie in «Homesick», einem der neuen Songs auf ihrer zweiten CD «Small Town» beschreibt, dessen Inspiration aber von ganz woanders kam. Wie man weiss, ist Bernegger auch Mutter dreier Kinder, die in ihr, wenn ihr Beruf es verlangt, für einige Zeit fern dieser Kinder zu sein, ganz schön Heimweh auslösen können. «Was tut man dann?», sinnierte sie vor Publikum. «Man schreibt einen Song.»

Deftige Klassiker

Doch die bald 39-Jährige singt nicht nur Selbstgedichtetes, sondern nimmt sich schon mal deftige Klassiker der U-Musik vor. Zum Beispiel fährt sie bei «Skyfall» all ihre Stimmmacht aus und schmettert den Song derart ins Publikum, dass selbst Adele, die erste Interpretin dieses Songs, nichts mehr anzufügen hätte. Man sieht, spürt und fühlt: Nicole Bernegger hat seit dem Höhenflug nach ihrem Senkrechtstart Mitte 2013 noch einiges hinzugefügt. Sie hat ihre frühere Band The Kitchenettes aufgelöst und vier neue Musiker sowie zwei Backgroundsängerinnen um sich verpflichtet. Das erzeugt nun mehr Druck und kostet mehr Geld, spielt aber auch mehr ein, denn die Gagen steigen mit zunehmender Berühmtheit. Wenn dann noch Nachhaltigkeit dazukommt, dann dürfte das Ein- und Auskommen für alle Beteiligten gesichert sein.

Wucht und präzises Uhrwerk

Die Bernegger-Show in der «Eintracht» war eine Wucht und zugleich präzises Uhrwerk. Wie sie «Papa Was a Rolling Stone» in einen ihrer eigenen Songs übergleiten liess, zeugt von professioneller Arbeit am Arrangement und langen Proben. Auch optisch hat sich die Bernegger verändert. Den Petticoat hat sie abgelegt, steigt selbstbewusst in Hosen auf die Bühne. Vorbei scheint es mit lustig-netten Outfits und Jöh-Effekt. Doch auch mit weniger Stoffvolumen steht die grossgewachsene Baselbieterin noch immer über allem und allen. Auch musikalisch überzeugt sie jetzt endgültig. Gut, sie in Kirchberg erlebt zu haben. Vielleicht zeigt sie ihre Show schon bald auch im Hallenstadion im Hauptprogramm. Oder ihr wird die Schweiz zu klein.