Nicht wirklich, aber irgendwie

Ja, die Ehec-Epidemie und die verdächtigen Pflanzen. Nach Gurken, Salat, Tomaten und Sprossen tragen nun eventuell Bockshornkleesamen Schuld an der Misere.

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Ja, die Ehec-Epidemie und die verdächtigen Pflanzen. Nach Gurken, Salat, Tomaten und Sprossen tragen nun eventuell Bockshornkleesamen Schuld an der Misere. Haben Sie auch im Internet nachgeschaut? Die machen bildlich auf mich jetzt irgendwie nicht einen lebensgefährlichen Eindruck, ich werde sie in den nächsten Tagen aber nicht wirklich in die Liste meiner bevorzugten Nahrungsmittel aufnehmen. In den deutschen Fernsehanstalten bevorzugt behandelt werden in diesen Tagen dafür ausnahmsweise die Fussball-Frauen (gegenüber den Fussball-Männern nämlich). Am Stammtisch ist zu hören: Es sieht nicht wirklich wie Fussball aus, wenn die Nigerianerinnen an der Weltmeisterschaft gegen die Kanadierinnen spielen. Andere sagen hingegen: Die machen es irgendwie doch noch gut. «Nicht wirklich» und «irgendwie» sind als Füllwörter in meinem Umfeld derzeit wieder hoch im Trend. Bei Erwachsenen wie Schulkindern.

Hoch waren zur Freude der Badewilligen auch die Temperaturen zum Anfang dieser Woche. Viele Leute fanden es aber doch auch irgendwie noch logisch, dass an den darauffolgenden Tagen starke Gewitter niedergingen. Dass die Niederschläge nun lange anhalten, möchte dann allerdings nicht wirklich jemand. Apropos Niederschläge. Heute Samstagabend ist wieder einmal der Boxer Wladimir Klitschko in Aktion. Ich stelle mir vor, dass nachher zu vernehmen ist: Das Gesicht des einen Typen sah ab der vierten Runde irgendwie ziemlich ramponiert aus; es war eine enttäuschende Angelegenheit und nicht wirklich ein guter und spannender Kampf.

Mit dem im Satz an passender Stelle taktisch klug eingebauten Ausdruck «irgendwie» schaffen wir es, Unwissenheit, Unsicherheit und Ungenauigkeit cool zu überspielen. Mit der Formulierung «nicht wirklich» gelingt es, etwas zu betonen, ohne dass es etwas zu betonen gäbe. Fazit: Die Zusätze «irgendwie» und «nicht wirklich» sind nicht wirklich nötig, aber ab und zu irgendwie doch noch hilfreich.

Lukas Pfiffner

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