Nicht jeder Pfarrer ist Fasnächtler

Auf katholischer Seite haben Guggen in Gottesdiensten Tradition. Nur selten finden solche auch den Weg in die reformierte Kirche. Ob eine Gugge in der Kirche auftreten kann, hängt stark vom fasnächtlichen Bezug der Pfarrperson ab.

Roger Fuchs
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Die Wolfshüüler in der reformierten Kirche Wolfhalden. «Fröhlichkeit und Narrentum gehören zum Leben», so Pfarrer Andreas Ennulat. (Bild: pd)

Die Wolfshüüler in der reformierten Kirche Wolfhalden. «Fröhlichkeit und Narrentum gehören zum Leben», so Pfarrer Andreas Ennulat. (Bild: pd)

APPENZELLERLAND. Ein Blick in die reformierte Kirchenzeitung beider Appenzell, das «Magnet», zeigt: Nur gerade in einer reformierten Kirchgemeinde ist ein Gugge-Gottesdienst zu finden. Seit 15 Jahren hat ein solcher in Wolfhalden zusammen mit den Wolfshüülern Tradition. «Die Wolfshüüler sind ein Dorfverein, sie gehören zum Alltag», begründet der evangelische Pfarrer Andreas Ennulat die Kombination Gottesdienst und Gugge. Zwar musste er in einem Brief schon lesen, man würde die Kirche so zu einem «Thron Satans» machen, doch er lässt sich deswegen nicht beirren. «Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Narrentum gehören zum Leben und somit auch in die Kirche», sagt Ennulat. Auch seine Predigt passe er jeweils der Feier an. Witzig und zugleich ernsthaft greife er ein Thema aus dem symbolischen Umfeld des Narrentums auf. Heuer wird es am 14. Februar um den traurigen Valentin gehen und die Frage, wie dieser zurück ins Leben findet.

Persönliche Distanz

Evangelisch-reformierte Pfarrpersonen, die in ihrer Gemeinde auf einen Gugge-Gottesdienst verzichten, führen vor allem ein Argument ins Feld: ihr persönlich fehlender Bezug zur Fasnacht. «Als Pfarrperson muss man auch ein wenig eine Fasnächtlerin oder ein Fasnächtler sein, um einen Gugge-Gottesdienst zu leiten», sagt Pfarrerin Verena Hubmann aus Teufen. Und sie erinnert daran, dass sie beispielsweise am 31. Dezember die Silvesterchläuse im Gottesdienst gehabt hatten.

Im Grundsatz hat Hubmann nichts dagegen, wenn jemand einen Gugge-Gottesdienst durchführt. Und auch Pfarrer Bernhard Frey aus Herisau will nicht verurteilen. «Ich selbst müsste aber erst überzeugt werden, um einem Gugge-Gottesdienst vorzustehen», sagt er. Er sei im Kanton Aargau in einem absolut nicht fasnächtlichen Umfeld aufgewachsen. Und so könne er sich nicht mit Fasnachtsmusik anfreunden. «Das tönt für mich wie von einem anderen Stern.» Auch könne er persönlich Fasnachtsmusik nicht unter Volksmusik einordnen. Doch auch wenn sich Bernhard Frey nicht begeistern kann, hält er fest, dass es kein Verbot gibt, wonach ein Gugge-Gottesdienst nicht erlaubt wäre.

Auch in Gais lebt mit Pfarrer Dietmar Metzger kein «verrückter Fasnächtler». Zudem würde er vor einem Gugge-Gottesdienst erst die Akzeptanz bei Kirchenvorsteherschaft und Volk geklärt haben wollen. «Wenn ich eine Gugge im Gottesdienst habe und dieser dann von der Gemeinde boykottiert wird, ist niemandem gedient.»

Hidber hat die Fasnacht im Blut

Komplett anders präsentiert sich die Situation in Appenzell. Der neue katholische Pfarrer Lukas Hidber konnte mit dem Gugge-Gottesdienst am letzten Sonntag an eine Tradition anknüpfen. «Zudem bin ich ursprünglich ein Sarganserländer und als solcher hat man die Fasnacht im Blut.» Hidber würde zwar nicht einfach der Fasnacht wegen von weit her eine Gugge engagieren, doch wenn sich die Fasnacht im Dorf abspiele, gehöre dies auch zur Kirche. Zudem ist gemäss Hidber aus der Tradition heraus die Fasnacht eng mit dem Kirchenjahr verknüpft. Während die Menschen in der fünften Jahreszeit ihre Unbeschwertheit zum Ausdruck bringen, hinterfragen die Gläubigen in der darauffolgenden Fastenzeit grundsätzlich, was es zur Lebensfreude braucht und was diese hindert. Später geht es über in die grosse österliche Freude.

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