Nicht gegen das Hotelprojekt, aber gegen öffentliche Gelder

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Ortsparteien Nach ausführlichen und intensiven Gesprächen empfiehlt die FDP Wildhaus-Alt St. Johann, am 15. April Nein zu stimmen. Dies schreibt der Vorstand der Ortspartei in einer Mitteilung. Man möchte sich damit nicht gegen ein Jufa-Hotel aussprechen, sondern für den richtigen Einsatz von öffentlichen Geldern. Die Jufa-Hotel-Gruppe sei der richtige Partner, welcher über ein Netzwerk verfüge, um den Hotelbetrieb erfolgreich zu gestalten und neue Gäste in «unser schönes Tal» zu bringen, schreibt die FDP weiter. Dies rechtfertige aber nicht den Einsatz von öffentlichen Geldern in diesem Ausmass. «Eine Finanzierung von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen zu einem Drittel aus öffentlicher Hand scheint der Ortspartei zu hoch», steht im Schreiben. «Mit der hohen Fremdverschuldung von insgesamt 30,1 Mio. Fr. am Ende der Planperiode machen wir uns sehr stark von der Zinspolitik der Nationalbank abhängig.»

Man empfehle deshalb den Einwohnern, ein Nein in die Urne zu legen. Man empfinde die Belastung als zu stark. «Die Investoren und der Gemeinderat werden somit aufgefordert, nach einer anderen Finanzierungslösung für das Projekt zu suchen.»

Indiskutable Einmischung in die Privatwirtschaft

Einen Tag nach der FDP-Ortspartei gab auch die SVP Wildhaus-Alt St. Johann eine Abstimmungsempfehlung heraus. Auch sie empfiehlt ein Nein zum Erlebnishotel. «Dabei sind wir keineswegs gegen das Hotelprojekt an sich. Die Finanzierung von einem Drittel aus der öffentlichen Hand ist aber inakzeptabel für uns. Eine derartige Einmischung in die Privatwirtschaft ist nicht nur für die Hotelbranche, sondern für alle Unternehmungen in unserer Gemeinde indiskutabel», schreibt der Präsident Mirco Gerig. Der hohe Betrag von 7 Millionen Franken würde zu einem klaren Wettbewerbsvorteil dieses neuen Hotels gegenüber den traditionellen, seit Generationen geführten Hotels im Obertoggenburg führen, ist die Partei überzeugt. «Diese Hoteliers mussten nämlich genauso wie alle anderen KMU ihre Investitionen selber finanzieren. Hingegen müssten sie sich im hart umkämpften Hotelmarkt mit einem Mitbewerber messen, der nur zwei Drittel der Finanzierung selbst bereitstellen musste.»

Zudem sei die Belastung für das Gemeindebudget enorm. «Dieser Beitrag wird unseren Gemeindehaushalt für die nächsten 30 Jahre belasten.» Zu spüren bekommen dies die Steuerzahler, also sowohl die Einwohner als auch die Unternehmungen, schreibt die Ortspartei weiter. So müssten langfristig der Steuerfuss wieder erhöht, Investitionen gestrichen oder gar Sachanlagen verkauft werden. «Zusätzlich sollte sich die Gemeinde über einen gemeindeinternen Ausgleich Gedanken machen. So dürfte sich beispielsweise das Dorf Alt St. Johann über Investitionen und Erneuerungen freuen, wurde doch in den vergangenen Jahren stets in Wildhaus investiert», so die SVP in ihrer Mitteilung. Die CVP-Ortspartei war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (ch)