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Nicht alle finden den Kuh-Bag «kuhl»

Per 1. Januar wurde in zahlreichen Ausserrhoder Gemeinden die gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag eingeführt. Mit dem Sammelsystem angefreundet haben sich aber längst nicht alle: Kritische Stimmen behaupten, es sei zu wenig umweltfreundlich.
Claudio Weder
Seit Weihnachten erhältlich: der Kuh-Bag. (Bild: PD)

Seit Weihnachten erhältlich: der Kuh-Bag. (Bild: PD)

«Kuhl, easy, ökologisch.» Mit diesem Slogan wirbt die A-Region (Abfallregion St. Gallen-Rorschach-Appenzell) für die gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag. Kunststoffabfälle aus Haushalten separat zu sammeln, entspreche einem Bedürfnis der Bevölkerung und ergänze die bestehenden selektiven Sammlungen für PET- und Plastikflaschen bei den Detailhändlern, schreibt die A-Region. Das System sei einfach und einheitlich und habe sich bei den Nachbarn, dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid ZAB sowie dem Verband KVA Thurgau, bereits bewährt. Nur: Ist es auch tatsächlich ökologisch?

Per 1. Januar dieses Jahres wurde das Kuh-Bag-System in 17 Ausserrhoder Gemeinden der A-Region eingeführt. Nun, drei Wochen später, sind erste kritische Stimmen laut geworden. Anders als beim Kehrichtsack, der am Strassenrand abgeholt wird, erfolgt die Materialrücknahme beim Kuh-Bag über ein Bringsystem. Ist der Sack gefüllt, muss er zu einer der Sammelstellen gebracht werden. In Herisau etwa gibt es eine solche beim Win-Win-Markt. Eine optimale Lösung sei das allerdings nicht – und zwar nicht nur, weil beim Win-Win-Markt manchmal ein gewisses Verkehrschaos herrsche: «Die meisten Kunststoffabfälle können bereits bei den Grossverteilern abgegeben werden – und zwar gratis», sagt eine Einwohnerin aus Herisau, die sich mit ihrer Kritik an unsere Zeitung gewendet hat.

Gut die Hälfte wird wiederverwertet

Kompliziert gestaltet sich die Rückgabe etwa auch in Lutzenberg. Weil die Gemeinde keine eigene, grössere Sammelstelle betreibt, müssen die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Kuh-Bags bei den Sammelstellen in Rorschacherberg, Wolfhalden oder Heiden zurückbringen. Aus ökologischer Sicht resultiere dadurch jedoch kein wesentlicher Nachteil, sagt Gemeindeschreiber Walter Grob: «Die Fahrt in die Nachbardörfer – es bestehen verschiedene öV-Linien – erfolgt vielfach sowieso, weil in der Gemeinde Lutzenberg nebst dem Reha-Lädeli keine grösseren Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind.»

Ebenso für Kritik sorgt die Weiterverarbeitung respektive der Weitertransport der gesammelten Kunststoffabfälle: Letztere müssen, bevor sie stofflich verwertet werden können, aufwendig sortiert werden. Dazu werden sie, nachdem sie zu Ballen gepresst wurden, ins aargauische Rheinfelden oder nach Vorarlberg transportiert, da in der Ostschweiz keine entsprechende Sortiermaschine zur Verfügung steht. «Dies lässt Zweifel an der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit des Kuh-Bag-Systems aufkommen», so die Einwohnerin aus Herisau.

Gemäss einer Studie der Empa werden 50 bis 57 Prozent der mit dem Kuh-Bag gesammelten Kunststoffabfälle rezykliert. Dieser stofflich wiederverwertbare Teil wird nach der Sortierung zu Granulat verarbeitet und dann zurück in die Schweiz oder zu anderen Verwertern in Europa transportiert. Der nicht rezyklierbare Rest landet in der Kehrichtverbrennungsanlage.

Innerrhoden und Wald verzichten auf Kuh-Bag

Eine deutlich bessere Ökobilanz kann der Ökohof Appenzell vorweisen: Seit 2013 können dort Kunststoffe entsorgt werden – die meisten Kunststoffsorten sogar gratis. Dafür müssen – ähnlich wie bei Papier, Karton oder verschieden farbigem Glas – die verschiedenen Kunststoffsorten getrennt gesammelt, oder direkt im Ökohof getrennt eingeworfen werden. «Damit können die Transportwege kurz, die Recycling-Rate hoch und die verbleibende, thermische Verwertung möglichst lokal gehalten werden», sagt Albert Kölbener, Leiter der Fachstelle Umweltschutz des Kantons Innerrhoden.

Der nachträgliche Sortieraufwand der verschiedenen Kunststoffsorten falle weg und der Anteil Abfallstoffe, welche nicht in die Sammlung gehören, könne auf ein Minimum reduziert werden. Weil sich die Kunststoffsammlung im Ökohof sehr gut etabliert habe, habe sich der Kanton Appenzell Innerrhoden gegen das Kuh-Bag- System entschieden: Der Kuh-Bag sei zwar einfach, allerdings nicht so effizient und nachhaltig wie die bereits bestehende Sammlung im Ökohof Appenzell, so Kölbener. «Die Verwertungsrate der gesammelten Kunststoffe im Ökohof beträgt nahezu 100 Prozent.»

Als einzige Ausserrhoder Gemeinde der A-Region verzichtet auch Wald auf den Kuh-Bag. «Es ist ein Kreislauf, der noch nicht ganz aus optimalen Lösungen besteht», begründet Gemeindepräsidentin Edith Beeler den Verzicht. Aus diesem Grund werde die Gemeinde Wald nach anderen Lösungen suchen. Beeler stützt sich bei ihrer Argumentation auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU). Dieses äusserte sich Ende 2017 skeptisch gegenüber der gemischten Kunststoffsammlung, da der stofflich hochwertig verwertbare Anteil des Sammelgutes – im Gegensatz zu den bestehenden PET-Sammlungen und den vom Detailhandel angebotenen Sammlungen von Kunststoffflaschen – tief sei.

Nicht zuletzt appelliert die Gemeinde Wald, sich stützend auf eine Info der KVA St. Gallen, auch an die Notwendigkeit von brennbaren Abfallstoffen: «Was wir an verbrennbarem Material separat sammeln, fehlt anderseits in der Normal-Kehricht-Verbrennung», so Beeler.

Hinweis: Eine Stellungnahme der A-Region folgt in den nächsten Tagen.

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