Neustart für Martin Künzle

Mit dem Alpencup in Einsiedeln beginnt dieses Wochenende für Skisprungtrainer Martin Künzle nach sieben Jahren Weltcup die Wettkampfzeit als Chef Nachwuchs. Er bleibt Realist.

Urs Huwyler
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Trainer Martin Künzle verhilft nun dem Schweizer Nachwuchs in die richtige Flugbahn. (Bild: Urs Huwyler)

Trainer Martin Künzle verhilft nun dem Schweizer Nachwuchs in die richtige Flugbahn. (Bild: Urs Huwyler)

SKISPRINGEN. Jeweils am Donnerstagabend trifft sich in Wildhaus eine Gruppe Knirpse unter fachkundiger Leitung zum fröhlichen Skispringen in Wildhaus. Dabei sind jeweils auch Martin Künzle und sein Sohn. Die Zeiten, als das Toggenburg auch in der Nachwuchsförderung zu den fliegenden Hochburgen zählte, sollen wieder aufleben. Damals waren Martin Künzle oder die Gebrüder Ammann die Hoffnungsträger. Paul Egloff war Chef Skisprung im Ostschweizer Skiverband OSSV. Sein jüngerer Sohn Luca gehört derzeit zu den Weltcup-Startern.

Wer es in der Region nach vorne schafft, könnte im Leistungszentrum Einsiedeln weiterhin von Martin Künzle betreut werden. Auf den ersten Blick scheint sich auf der dortigen Schanzenanlage wenig geändert zu haben. Der Swiss-Ski-Trainer filmt die Sprünge seiner Athleten, schaut sich die Details auf dem Laptop an und gibt dem Springer die Beobachtungen, Korrekturen und Komplimente per Funk durch. Es antworten nicht mehr Simon Ammann oder Gregor Deschwanden, sondern Talente namens Pascal oder Dominik, die vielleicht irgendwann für Aufsehen sorgen werden.

Mehr zu Hause

Bis dann werden die Glocken der Klosterkirche noch unzählige Male läuten. «Wir verfügen seit jeher über kein Reservoir an Talenten. Das war immer so. Die Springer aus meiner sechsköpfigen Gruppe bringen zwar die Voraussetzungen mit, aber ob sie den Durchbruch schaffen, wird sich zeigen», bleibt Martin Künzle auch auf Stufe Nachwuchs Realist. Würde einer den Durchmarsch schaffen, wäre dies ein riesiger Erfolg. Wenige Sportarten bringen bei sechs möglichen Kandidaten einen Spitzenathleten heraus. Sonst müsste die Schweiz von Weltklasse-Athleten überflutet sein.

Martin Künzle interessieren Rechenbeispiele wenig. Entscheiden wird die tägliche Arbeit. Und dabei fühlt sich der Wegbegleiter von Simon Ammann sichtlich wohl. «Die Belastung ist eine ganz andere. Ich habe die nötigen Freiheiten, bin nicht dauernd unterwegs, kann mehrheitlich in der Schweiz arbeiten und meine Ideen umsetzen.» Beim Sommer GP standen letzte Woche die Springen in Japan auf dem Programm. Nun folgen Russland und Kasachstan. Für den Erfolgscoach stehen zweimal Einsiedeln (Alpencup/FIS-Cup) bevor.

Telemark-Landung

Es werden die ersten Wettkämpfe in der neuen Funktion sein. Zuviel dürfe von den einheimischen Jungfliegern nicht erwartet werden. Trotzdem, die Höhe der Hürdensprünge ist beeindruckend und die Telemark-Landung klappt teilweise auch schon ganz gut. Oder besser als bei ihrem Vorbild, das der Schanze den Namen gegeben hat. «Wir achten nicht erst auf die Landung, seit diese bei Simon wieder ein Thema geworden ist. Je früher sie klappt, desto besser», weiss der einstige Weltenbummler. Bei Simon Ammann gab es auch Zeiten, da schien das Problem kleiner, erhielt der vierfache Olympiasieger Noten bis 19.0 statt 16.5. Bedeutet umgerechnet: Der Wahl-Schwyzer muss pro Durchgang mindestens drei Meter weiter springen als die Konkurrenz. Ohne Telemark könnte der eine oder andere Podestplatz unter gewissen Bedingungen möglich sein. Mehr kaum. «Simon hat einige Wochen Zeit für die Umstellung. Er kann sie schaffen. Richtig sauber gelandet ist er während der letzten Jahre allerdings nie. Die mit 19.0 bewerteten Sprünge würden heute tiefer benotet», so Künzle. Der ausgebildete Kampfrichter Martin Künzle bleibt verhaltener Optimist. Zu Jugendzeiten landete auch Simon Ammann stilsicher. Nun versucht er jenen Zustand wieder herzustellen, indem er die Beinstellung beim Telemark wechselt. Verletzungsbedingt nahm er vor Jahren eine Änderung vor. Zurück zu den Wurzeln heisst es in Wildhaus und bei Simon Ammann.