Neulich in der Wasch-Bar

Die Waschküche ist gemäss Studien neben dem Treppenhaus der grösste Konfliktherd in Schweizer Mehrfamilienhäusern. Es braucht daher Reglemente und Verordnungen, um allfälligem Ärger vorzubeugen.

Karin Erni
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Bild: Karin Erni

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Die Waschküche ist gemäss Studien neben dem Treppenhaus der grösste Konfliktherd in Schweizer Mehrfamilienhäusern. Es braucht daher Reglemente und Verordnungen, um allfälligem Ärger vorzubeugen. In meiner 30jährigen Mieterinnenkarriere habe ich schon die unterschiedlichsten Waschpläne und Waschküchenordnungen über mich ergehen lassen müssen. Zurzeit lebe ich in einem perfekt durchorganisierten Mehrfamilienhaus. Bevor ich überhaupt das erste Mal den Startknopf der Waschmaschine drücken durfte, war ein einstündiges Studium der diversen Gebrauchsanleitungen und Pflegeanweisungen der Geräte nötig. Ergänzt wird das laminierte Regelwerk, das alle vier Wände ziert, von verschiedenen, handgeschrieben Post-it-Zettelchen, verfasst von meinen Mitmieterinnen und -mietern. «Weichspülerflaschen gehören nicht hier hinein, bitte privat entsorgen» steht beispielsweise auf dem Abfallkübel. Oder die eher rhetorische Frage «Wem gehört das?» neben einem herrenlosen (oder müsste man sagen damenlosen?) Stringtanga auf dem Waschküchentisch. Kürzlich war gar ein Info-Event zum Thema Waschküche im Treppenhaus angeschlagen. «Nächsten Donnerstag 19.30 Uhr Waschküche im Haus B.» Alle Mieter haben sich brav zur vereinbarten Zeit dort eingefunden. Die Hauswartsfrau hatte mit Hilfe des Gerätelieferanten ein kurzes Referat vorbereitet. Wir lernten, wie gross die optimale Füllmenge einer handelsüblichen Waschmaschine ist und wie man den Dichtungsring der Trommel fachgerecht von Wasserresten und Fremdkörpern reinigt. Dass diese Infos trotz fortgeschrittenen Alters der Mieterschaft nötig zu sein scheinen, bewies die anschliessende Diskussion, an welcher allerlei Theorien rund ums Thema Waschen zum Besten gegeben wurden. Vom Waschmittelsparen bis zur richtigen Füllmenge des Tumblers reichte das Spektrum an Gesprächsthemen. Fehlten nur noch ein Cüpli voll Weichspüler und ein paar Cracker in Klämmerliform, und die Party im Untergeschoss wäre voll abgegangen.

Übrigens: Den String hat an jenem Abend dann doch niemand an sich genommen.