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NEUES OBERHAUPT: «Ich bleibe ein ganz normaler Mensch»

Der Mosnanger Gemeindepräsident Renato Truniger zeigt sich nach rund 100 Tagen im Amt als auf dem Boden gebliebene Person. Der gelernte Landwirt möchte trotz seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten nicht auf ein Podest gestellt werden.
Martina Signer
Im Gemeindehaus hat Renato Truniger seine erste Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten absolviert, bevor er Landwirt wurde. Auch als Gemeinderat ging er hier schon regelmässig ein und aus. (Bild: Martina Signer)

Im Gemeindehaus hat Renato Truniger seine erste Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten absolviert, bevor er Landwirt wurde. Auch als Gemeinderat ging er hier schon regelmässig ein und aus. (Bild: Martina Signer)

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch

Seit dem 1. Januar sitzt im Büro des Gemeindepräsidenten in Mosnang nicht mehr Bernhard Graf, sondern Renato Truniger. Er kommt gerade «vom Kafi» mit seinen Mitarbeitern, ist mit dem Ralph-Lauren-Polo-Shirt und den sandfarbenen Hosen leger gekleidet. Er nimmt für das Interview nicht am Schreibtisch sondern auf einem Stuhl an einem Tisch in der Ecke Platz. Auf fast allen Ablageflächen im Büro türmen sich wichtig aussehende Unterlagen und Dokumente. Der neue Gemeindepräsident liest sich in Unmengen von Akten ein.

Renato Truniger, es sieht aus, als hätten Sie viel zu lesen.

Das stimmt. Was etwas chaotisch aussehen mag, hat aber seine Ordnung. Häufig nehme ich Dokumente zu aktuellen Projekten aus einem Ordner raus und lasse ihn offen liegen, damit ich weiss, wo es nach dem Lesen wieder hingehört. Ich bin mich in meinem Büro noch am Finden.

Sie sind nun rund 100 Tage im Amt. Doch lassen Sie uns noch etwas weiter zurückblicken. Am 11. Juli 2016 wurden Sie von der SVP Mosnang als Kandidat für das Gemeindepräsidium nominiert. Wann hatten Sie sich definitiv dazu entschieden, diesen Schritt zu machen?

Ganz kurz vorher. Ich glaube, es war am 4. Juli. Es gab in meinem näheren Umfeld noch eine weitere Person, welche sich die Kandidatur überlegt hat. Am 4. Juli sind wir zusammengesessen und haben lange diskutiert, wer es nun machen soll.

Was hat Sie dazu motiviert?

Ich wollte in Absprache mit meiner Frau eine Veränderung. In meinem Landwirtschaftsbetrieb war ich schon dabei, neue Möglichkeiten zu überdenken, da die Wertschöpfung in der Milchwirtschaft sehr gering ist. Doch diese Pläne brauchten noch Zeit. Ausserdem haben mich viele aus der Bevölkerung unterstützt, mit deren Wohlwollen ich nicht unbedingt gerechnet hätte. Das zeigte mir, dass ich auch als SVP-Mitglied – die es oft schwer haben, in die Exekutive gewählt zu werden – mehrheitsfähig sein könnte.

Haben Sie Ihre Chancen damals hoch eingeschätzt?

Mit der kaufmännischen Ausbildung hier in der Gemeindeverwaltung und als gelernter Bauer wäre ich nicht unbedingt davon ausgegangen, sah ich mich ursprünglich nicht als typischen Kandidaten fürs Gemeindepräsidium.

Warum nicht?

Oft wird heute mehr Wert auf Diplome und Titel gelegt, als auf die Person und deren Erfahrung. Es ist schön, dass man auch mit einem einfacheren Werdegang Einiges erreichen kann. Ich war aber sehr gerne Gemeinderat und wollte auch weiterhin politisch tätig sein. Wenn es nicht zur Wahl gereicht hätte, wäre es für mich hart gewesen, nicht mehr im Gemeinderat tätig sein zu können.

Ihr Gegenkandidat Christian Widmer hatte Ihnen zum Zeitpunkt Ihres Entschlusses etliche Wochen Wahlkampf voraus.

Das stimmt. Aber wenn ich mir deshalb keine Chancen ausgerechnet hätte, hätte ich auch nicht kandidiert.

Schätzen Sie Ihre Erfahrung im Gemeinderat als grossen Vorteil für dieses Wahlergebnis ein?

Ja, auf jeden Fall. Aufgrund der vielen Meinungsbekundungen auch bereits vor den Wahlen habe ich gemerkt, dass diese Erfahrung wohl das Zünglein an der Waage gewesen ist. Wäre ich in einer Mittepartei gewesen, hätte ich mich aufgrund der Erfahrungen in Verwaltung und Gemeinderat sogar als Favorit gesehen.

Apropos Partei. Ist es schwierig, nicht mehr partei- sondern sach­politisch zu argumentieren?

Nein. Schon im Gemeinderat habe ich nie ein Parteidenken gespürt. Ausserdem hatte ich noch nie Mühe mit anderen Meinungen. Wir sind zu siebt im Gemeinderat. Jeder hat seine Meinung und soll auch dafür kämpfen dürfen.

Dennoch haben Sie sich in der Dorfbachthematik klar auf die Seite der SVP gestellt, welche sich gegen das Projekt ausgesprochen hat.

Das kann so interpretiert werden. Allerdings habe ich nur an unserem öffentlichen Informationsanlass an die Adresse des Kantonsingenieurs darauf hingewiesen, dass es frustrierend ist, wenn sich die Bevölkerung einem Gesetzesartikel beugen muss, wenn es die Verwaltung so will. Das Gesetz schreibt vor, dass Bäche bei einer Sanierung wo möglich offengelegt werden müssen. Es ist aber auch im Gesetz verankert, dass es Ausnahmen geben kann, wenn «die landwirtschaftliche Nutzung nicht beeinträchtigt» wird. Für mich persönlich ist es störend, wenn mit solchen Ausnahmen in der Legislative Mehrheiten geschaffen werden, diese dann aber von der Verwaltung in der Praxis nicht angewendet werden.

Also war es für Sie sicher eine ­Genugtuung, dass das Projekt ­damals abgelehnt wurde.

Genugtuung ist das falsche Wort. Der Gemeinderat hätte durchaus auch andere Umsetzungsvarianten vorgehabt, aber in Verhandlungen nicht mehr erreicht. Bei diesem Abstimmungsergebnis sehe ich dann das Positive – es zeigt auf, dass es sich für die Bürger einer Gemeinde wirklich lohnt, sich einzubringen. Denn damals wurde von Seiten des Kantons gesagt, man könne das Projekt nur in seiner Gesamtheit vom Areal der Firma Oberhänsli bis und mit Hofwis umsetzen. Nun zeigt sich langsam, dass es vielleicht auch anders geht.

Wie denn?

Wir haben über eine mögliche Aufsplittung des Projektes diskutiert. Mehr kann ich momentan noch nicht sagen. Aber der Dorfbach bleibt 2017 ein Schwerpunktthema im Gemeinderat.

An Ihrer ersten Bürgerversammlung haben Sie die Anwesenden ermuntert, sich mit Ideen an Sie und den Gemeinderat zu wenden. Gab es schon Reaktionen?

Das gab es tatsächlich. Vor allem zu Projekten wie der Sanierung des Dorfbaches und dem Ärztehaus kamen Vorschläge. Die Bürgerschaft ist das oberste Organ der Gemeinde und soll auch dementsprechendes Mitspracherecht haben. Vielleicht stellt man uns Gemeindepräsidenten und die Gemeinderäte manchmal auch auf ein Podest. Mir ist es aber wichtig zu sagen, dass niemand Hemmungen davor haben muss, auf uns zuzukommen. Auch wir sind ganz normale Menschen.

Bernhard Graf war fast ein Vierteljahrhundert lang Gemeinde­präsident von Mosnang. Sehen Sie das als grosse Bürde?

Ich habe einen sehr grossen Respekt vor Bernhard Grafs Arbeit, würde diese aber nicht als Bürde bezeichnen. Auch er hatte mit Otto Bürge einen Vorgänger, der das Amt jahrzehntelang bekleidet hat. Und nun bin ich da. Zumindest für die nächsten vier Jahre. Es wird sich zeigen, was diese vier Jahre bringen. Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten mein Bestes geben.

Nicht nur das Präsidium wurde mit Ihnen neu besetzt, auch in den Gemeinderat wurden vier neue Personen gewählt. Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit ihren Ratskollegen?

Als sehr gut. Die Diskussionen sind lebendig und kontrovers. Die neuen Räte stellen teilweise Dinge in Frage, welche jahrelang gleich gewesen sind. Das führt dazu, Projekte und Argumente neu zu überdenken. Das gibt mir auch Sicherheit. Ich mag es lieber, wenn kontrovers diskutiert wird, als wenn alles abgenickt wird, was ich sage. Man schläft übrigens auch besser, wenn man seine Meinung kundgetan hat. Sonst denkt man ständig darüber nach, ob man seine Argumente nicht doch hätte vorbringen sollen. Ausserdem gibt es in der Politik kein Richtig und kein Falsch. Es gibt nur ­verschiedene Wege, die man gehen kann.

Im Wahlkampf sagten Sie, Bodenständigkeit und Ruhe seien Ihre Stärken. Ist es nun nicht vorbei mit der Ruhe?

Als Landwirt komme ich aus einem Beruf, in dem ich sieben Tage die Woche gearbeitet habe. In meiner neuen Tätigkeit kommen dafür viele repräsentative Aufgaben auch am Abend dazu. Doch ich gehe nach wie vor alle Herausforderungen und Projekte ruhig an. Denn Hektik kann Fehler verursachen. Und als Präsident möchte ich den Umstehenden durch Ruhe auch Sicherheit vermitteln.

Es ist anzunehmen, dass Sie jetzt auch mehr verdienen.

Das stimmt. Wobei ich mit meinem Lohn nicht zu den Grossverdienern unter den Personen in derselben Position gehöre. Aber ich brauche auch nicht mehr. Ich bin, wie erwähnt, ein normaler Mensch und kann nur dann Erfolg haben, wenn ich Menschen um mich habe, die mitziehen und gute Arbeit leisten.

Wo finden Sie den Ausgleich zum Büroalltag?

In der Landwirtschaft. Es kann durchaus vorkommen, dass ich spät abends noch meine Tiere füttern gehe, und das geniesse ich sehr.

Wie blicken Sie auf den Moment am 25. September zurück, als das Ergebnis zu Ihren Gunsten feststand?

Ich habe diesen Tag im Kreis meiner Familie mit Geschwistern und Mutter verbracht. Irgendwann wollte ich es einfach nur noch wissen, und als es dann feststand, konnte ich es gar nicht richtig realisieren. Ich war auf beide Situationen gut vorbereitet. Auf eine Nichtwahl sogar besser. Ich wollte im Falle einer Nichtwahl vor allem Grösse zeigen und ein fairer Verlierer sein, wie es Christian Widmer übrigens auch war. Ich versuchte nach der Wahl cool zu bleiben, doch den Stolz in den Augen meiner Angehörigen zu sehen, war unbeschreiblich.

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