Neues Leben im alten Bahnhof

HERISAU. Aus Postfächern werden Aufbewahrungsmöbel, und die Schalterhalle wird zur Werkstätte. Zwei Frauen haben sich im ehemaligen Bahnhofgebäude ihren Traum vom eigenen Geschäft erfüllt.

Karin Erni
Merken
Drucken
Teilen
Trudi Elmer und Simona Signer vor ihrem neuen Geschäftslokal. (Bild: ker)

Trudi Elmer und Simona Signer vor ihrem neuen Geschäftslokal. (Bild: ker)

«Hast du schon einmal an den alten Bahnhof Schachen gedacht?», sagte Trudi Elmer-Bühler eines Abends in der Lesegesellschaft Moos zu Simona Signer-De Sanctis, als diese ihr von der schwierigen Suche nach eigenen Atelierräumlichkeiten erzählte.

Die Idee, den ehemaligen Bahnhof mit Poststelle umzunutzen, nahm bald Gestalt an. Weil beide Frauen mit einer Selbständigkeit liebäugelten, war es naheliegend, dies gemeinsam zu tun. «Für eine allein wären die Räumlichkeiten, die aus der ehemaligen Schalterhalle, dem Büro und dem Wartsaal bestehen, zu gross gewesen», sagt Trudi Elmer. Bezüglich der Nutzung komme man gut aneinander vorbei, da beide Frauen die Räumlichkeiten nur in Teilzeit nutzen. Ausserdem sind die Räume durch schalldichte Scheiben getrennt.

Schmuckatelier Vigoris

In der Schalterhalle hat sich Simona Signer ein Schmuckatelier eingerichtet. Hier fertigt sie in erster Linie hochwertigen Silberschmuck nach eigenen Entwürfen an. Sie führt aber auch gerne Spezialanfertigungen nach Kundenwunsch sowie Reparaturarbeiten aus. Wichtig ist der gelernten Goldschmiedin, dass sie ihren Kundinnen und Kunden qualitativ hochwertigen Schmuck im unteren Preissegment anbieten kann. Früher hatte sie ihr Atelier zu Hause. Nun schätzt sie die räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten.

Erziehungsberatung

In den ehemaligen Büroräumlichkeiten plant Trudi Elmer Elternbildungskurse und -seminare sowie Supervisionen für Fachpersonen oder Teams anzubieten. Die 59-Jährige ist hauptberuflich Schulleiterin der Sondertagesschule Lindenhof. Sie hat während 24 Jahren die Erziehungsberatung der Pro Juventute Appenzell Ausserrhoden und während zehn Jahren die Kinderschutzgruppe AR geleitet. «Dank diesem breiten Erfahrungshintergrund und umfassenden Aus- und Weiterbildungen für systemisches und lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist es mir möglich, mit vielfältigen therapeutischen Methoden zu arbeiten», so Trudi Elmer. Für sie sei es auch ein neuer Lebensabschnitt, der hier beginne.

Idealer Standort

Die beiden Frauen möchten mit ihren Aktivitäten dazu beitragen, dass der Bahnhof Schachen und mit ihm das ganze Quartier wieder belebt wird. «Es soll ein Ort der Begegnung werden», so Trudi Elmer. Die Räumlichkeiten könnten nach Bedarf aber auch von Dritten, beispielsweise für Ausstellungen, Kurse oder Veranstaltungen, genutzt werden.

«Kleine Läden wie unserer haben durchaus Überlebenschancen», gibt sich Simona Signer überzeugt. «Wir stechen aus dem Einheitsbrei an immer gleichen Geschäften angenehm heraus.» An ihrem Standort schätzen die beiden Frauen die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die reichlich vorhandenen Parkmöglichkeiten.

Eröffnungsabend für alle Interessierten: Freitag, 21. November ab 18.30 Uhr