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NEUERSCHEINUNG: «Ich will Klischees belüften»

Franziska Schläpfer, Herausgeberin von «Auftritt Appenzell», im Gespräch über ihr etwas anderes Appenzellerbuch. Dieses ist eben erschienen. Vernissage feiert das Werk in Inner- wie auch Ausserrhoden.
Gabriele Barbey
In dieser appenzellischen Idylle präsentiert sich das Buchcover. (Bild: PD)

In dieser appenzellischen Idylle präsentiert sich das Buchcover. (Bild: PD)

Gabriele Barbey

redaktion@appenzellerzeitung.ch

«Dieses Buch hat viele Eltern», schreiben Sie, und danken Persönlichkeiten aus dem Inner- und Ausserrhoder Kultur- und Stiftungswesen. Ist es ein Auftragswerk?

Wenn schon im eigenen Auftrag. Die Idee zu einem etwas anderen Appenzellerbuch kam von Buchhändlerin Carol Forster und Kulturvermittlerin Agathe Nisple. Sie waren beide angetan von meinem Vorgängerband «Auftritt Schweiz», der 2014 als Geschenk des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes für die Leipziger erschienen ist. Die Schweiz war damals Gastland an der Buchmesse. Solch ein Lesebuch wünschten sie sich auch fürs Appenzellerland.

«Auftritt Appenzell» ist soeben im Verlag Scheidegger und Spiess erschienen, bekannt auf dem Gebiet von Kunst, Fotografie, Architektur. Der handliche, broschierte Band ist mit rotem Faden geheftet und mit überraschenden Bildern der beiden Fotografinnen Verena Schoch und Luzia Broger illustriert.

Wieviel Einfluss hatten Sie auf die Gestaltung des Buches?

Sehr viel. Es entstand in enger Zusammenarbeit mit den Grafikern Diego Bontognali, Valeria Bonin und Mirko Leuenberger, einem jungen Team, ausgezeichnet mit der «Goldenen Letter» und dem Jan-Tschichold-Preis. Ich hatte schon für «Auftritt Schweiz» mit ihnen zusammengearbeitet.

Sie schreiben in Ihrem Vorwort, die Fotografien seien der Wirklichkeit voraus.

Mit ihren Doppelbelichtungen feiern die beiden Fotografinnen nicht ab, was ist. Sie spielen mit dem, was bekannt ist und eindeutig scheint. Sie mischen, vereinen, kontrastieren – und präsentieren Appenzellisches in Spiegelungen, Erinnerungen, Sehnsüchten.

«Uufmache» ist das erste Wort im Text, genauer im Vorwort. Musik und Brauchtum als Türöffner, als Lockvogel ins Buch? Klischees oder sagen wir besser Traditionen, haben auch für Sie ihren Reiz...

Ist «Uufmache» ein Klischee? Ist Musik ein Klischee? Mein Leitfaden war die Frage, was ist typisch? Wie kompliziert die Sache mit der Volksmusik ist, wird deutlich im Gespräch mit Barbara Betschart und Hans Hürlemann. Ich wollte Klischees «belüften», nicht bedienen.

Ihr Buch macht deutlich: Das Appenzellerland ist auch ein Ort für innovative Unternehmerinnen und Unternehmer.

Mich hat erstaunt, wie viele innovative Unternehmen im Appenzellerland am Werk sind, von denen auch die Einheimischen keine Kenntnis haben – abgesehen von den grossen, alteingesessenen wie Huber+Suhner, Metrohm, Cilander. Ich wollte einen modernen Kanton zeigen, den Blick eher nach vorn gerichtet. Darum porträtierten wir 17 Vertreterinnen und Vertreter dieser erstaunlich dynamischen, weltweit tätigen Wirtschaft und setzten sie auf einem roten Stuhl ins Bild.

Ist es auch ein guter Ort für innovative Politik?

Politik ist in einer direkten Demokratie wohl etwa so schlau, wie die Bürger es sind.

Die zwar schönen, aber sich ähnelnden Bilder der Appenzeller Touristiker – sind sie Ihnen noch nie zu viel geworden?

Doch. Das war ja mit ein Grund, ein etwas anderes Appenzellerbuch zusammenzustellen. Auch die literarischen Texte, die ich im Buch versammle – Peter Liechti, Werner Lutz, Urs Widmer, Fleur Jaeggi, Helen Meier, Stefan Sonderegger – illustrieren keine appenzellische Idylle.

«Das Appenzell»; zucken Sie zusammen, wenn Nichteinheimische «vom Appenzell» reden?

Ich bin da nicht so puristisch, solange die übrige Schweiz von diesem Appenzell schwärmt.

Ist es Ihnen wichtig, auf die Unterschiede zwischen Ausser- und Innerrhoden aufmerksam zu machen?

Ja, weil die Unterschiede bereichern (Häuser, Trachten, Landschaft, Sprache), auch wenn nicht mehr partout gilt, dass die Ausserrhoder Heilpraktiker Kräutertinkturen und -salben mischen und die Innerrhoder mit Gebeten und Segensformeln heilen.

Das Appenzellerland ist in Buchform sehr gut vertreten. Laufend werden neue Bücher, oft Bildbände von hoher Qualität präsentiert – zuletzt «Appenzeller Welten» von Mäddel Fuchs und Albert Tanner. Oder die «Appenzeller Anthologie» von Stöckli, Surber und anderen). Wer ausser den darin Vorkommenden soll sie lesen?

Na ja, warten wir mal den Verkauf ab. Wie gesagt: Wir wollten ein handliches und unterhaltsames Buch machen. Vor Augen hatte ich interessierte Gäste und neugierige Einheimische.

«Auftritt Appenzell» spricht vermutlich eher ein Publikum ab der Lebensmitte an. In Ihrem Schlagwortregister kommen Kinder, Jugendliche oder Familien kaum vor. Ein bewusster Entscheid?

Sind Kinder, Jugendliche, Familien typisch appenzellisch? Wir wollten keinen Wanderführer machen, keine Robinson-Spielplätze auflisten, auch keine familienfreundlichen Restaurants ...

Eines Ihrer früheren Bücher heisst: «Schön schräg. Schweizerinnen der besonderen Art». Möchten Sie ein paar Appenzellerinnen der besonderen Art nennen? Oder sind Appenzellerinnen (und Appenzeller) generell von besonderer Art?

Besondere Frauen sind überall zu finden. Im Buch habe ich Sibylle Neff, Elisabeth Pletscher und Ottilia Grubenmann porträtiert, drei kluge, kämpferische Frauen.

Im Appenzellerland wohnen Sie nicht mehr. Manche Leute zieht es aber für einen gemütlichen Lebensabend auf eine der Sonnenterrassen hierher zurück. Sie auch?

Nein. Die Arbeit an der Geschichte Teufen und «Auftritt Appenzell» hat zwar meine Beziehung zum Appenzellerland reanimiert, doch dafür muss ich nicht hier leben.

Für «Auftritt Appenzell» werden zwei Buchpräsentationen stattfinden. Eine kantönligeistige Zumutung oder Föderalismus?

Es sind zwei eigenständige, in manchem unterschiedliche Kantone. Für uns war klar, dass wir zu zwei Vernissagen einladen.

Sie wirken keineswegs so, als ob Sie nun nach der Veröffentlichung von «Auftritt Appenzell» die Hände in den Schoss legen würden. Verraten Sie uns mehr?

Ich arbeite an einem aufwendigen neuen Buchprojekt. Für Details ist es allerdings zu früh.

Schreiben, recherchieren, koordinieren heisst auch lange vor einem Bildschirm sitzen. Wie lüften Sie Ihren Kopf? Wie halten Sie sich fit?

Vor allem mit Bewegung: der Arbeit im grossen, alten Garten. Wanderungen, gern ab und zu im Alpstein. Mehrtägige bis mehrwöchige Velotouren. Mit Yoga, Singen im kleinen Spitzenchor, Kochen – gern auch für Freunde. In Kunstausstellungen. Im Kino und Theater. Mit Enkelinnen und Enkeln...

Ein letzter Gedanke zu Ihrem Buch?

Das Buch ist als Lexikon gestaltet – aber ohne Ambition auf Vollständigkeit, eher auf Überraschung, Anregung, mit einer Vielfalt an Blickwechseln.

Hinweis

Hinweise auf die beiden Buchpräsentationen: Samstag, 17. März, 17 Uhr, Zeughaus, Zeughausstrasse 1, Teufen. Sonntag, 18. März, 11.30 Uhr, Treibhaus, Wührestrasse 1, Appenzell.

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