Neuerscheinung
Blick hinter die Fassaden der Bankpaläste: Der Speicherer Andreas Russenberger bringt im August mit «Bahnhofstrasse» seinen dritten Roman heraus

Anfang August erscheint «Bahnhofstrasse», der dritte Roman von Andreas Russenberger, geboren und aufgewachsen in Speicher. Das Buch spielt im Schweizer Bankenmilieu, welches der Ex-Credit-Suisse-Banker bestens kennt. Darin passiert auch ein Mord in Rehetobel.

Claudio Weder
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Seit rund zwei Jahren lebt Ex-Banker Andreas Russenberger das Schriftstellerleben, von dem er schon immer träumte.

Seit rund zwei Jahren lebt Ex-Banker Andreas Russenberger das Schriftstellerleben, von dem er schon immer träumte.

Bild: Claudio Weder

Für das Interview ist Andreas Russenberger extra in die Ostschweiz gereist, seine alte Heimat. Hier, genauer gesagt in Speicher, verbrachte er die ersten 20 Jahre seines Lebens. Heute wohnt der 53-Jährige mit seiner Familie in Erlenbach am Zürichsee.

Ins Appenzellerland kommt der ehemalige Banker, der jetzt Schriftsteller ist, immer gerne zurück. Zum Beispiel für Lesungen. Seine zuletzt erschienenen Romane, «Die Kanzlerin» (2018) und «Paradeplatz» (2020), hat er in der Bibliothek Speicher dem heimischen Publikum vorgestellt – und das würde er auch gerne bei seinem dritten Roman «Bahnhofstrasse» tun, der am 4. August erscheinen wird.

Kenner des Bankenmilieus

Russenbergers Neuling spielt, wie schon sein Vorgänger, im Schweizer Bankenmilieu, welches der Autor bestens kennt: Nach seinem Studium der Geschichte und Politologie stieg Russenberger bei der Credit Suisse ein, wo er später die globale Vermögensverwaltung leitete. Doch nach 20 Jahren hatte er genug von der Bank – und wurde Schriftsteller.

Mit der Finanzszene beschäftigt er sich als Autor aber immer noch gerne. «Das Milieu eignet sich hervorragend, um gewisse Eitelkeiten herauszuarbeiten», sagt Russenberger. Zudem sei es von Vorteil, die Schauplätze zu kennen, an denen die Geschichten spielen. «Nur dann wirken die Geschichten auch authentisch.»

In «Bahnhofstrasse» zeigt Russenberger, wie schon in «Paradeplatz», was sich hinter den glänzenden Fassaden der Bankpaläste verbirgt. Am Ausgangspunkt der fiktiven Romanhandlung steht der «Deal des Jahrzehnts»: Die noble Zürcher Privatbank von Werdenberg soll verkauft werden. Alexander von Werdenberg, der Patron des Unternehmens, greift dabei auf die Unterstützung des Bankprofessors Philipp Humboldt zurück. Dieser entdeckt im Laufe der Handlung immer mehr Ungereimtheiten. Dunkle Familiengeheimnisse kommen zum Vorschein, Lügen werden aufgedeckt. Und – vor allem für die Appenzeller Leser interessant – es passiert sogar ein Mord in Rehetobel. Mehr will der Autor aber noch nicht von der Handlung verraten.

Eine Fortsetzung, die auch als eigenständiges Buch funktioniert

Wer Russenbergers Bücher kennt, dem kommt die Figur des Philipp Humboldt, ein moderner Dr. Jekyll und Mr. Hyde, bekannt vor. Auch in «Paradeplatz» spielt er die Hauptrolle. Darin wird erzählt, wie er sich in seiner Karriere nach oben gearbeitet hatte und dabei auch zu illegalen Mitteln griff. «Bahnhofstrasse» schliesst an den Vorgänger an, kann aber auch als eigenständiges Buch gelesen werden. «Man braucht den ersten Band nicht gelesen zu haben, um den zweiten zu verstehen», sagt der Autor.

Und zu guter Letzt müsse man auch nicht Banker sein, um das Buch zu lesen. «Bahnhofstrasse» ist eine Mischung aus Krimi, Thriller, Milieustudie und historischem Roman. «Ich wollte einfach eine spannende Geschichte erzählen», sagt Russenberger.

«Diese würde genauso gut im Verlagswesen, der Pharmabranche oder einer Stadtverwaltung funktionieren.»

Bei einem deutschen Verlag unter Vertrag

Seit rund zwei Jahren lebt Russenberger das Schriftstellerleben, von dem er schon immer träumte: «Ich bin nun angekommen», sagt er zufrieden. Sein viertes Buch werde er im Herbst in Paris fertig schreiben, gedanklich sei er schon beim fünften. Auch ein sechstes und siebtes sei in Planung. «Ideen habe ich genug», sagt Russenberger und lacht.

Zum Autorenalltag gehöre aber auch viel Marketing: Lesungen, Signieranlässe, Buchmessen stehen in den kommenden Monaten auf Russenbergers Terminplan. Und auch Tiefpunkte gehören zum Autorendasein dazu: «Es gibt Wochen, in denen ich keinen einzigen Satz aufs Papier bringe.»

Russenberger ist seit zwei Jahren beim deutschen Gmeiner-Verlag unter Vertrag; sein allererstes Buch gab er noch im Eigenverlag heraus.

«Ich freue mich riesig, dass ich als Schweizer von einem deutschen Verlag eine Zusage erhalten habe.»

Mit «Paradeplatz» hatte er denn auch Erfolg: Immerhin hat es der Roman in mehreren Schweizer Buchhandlungen auf Platz 1 der Bestsellerliste geschafft. «Das hätte ich nie gedacht», sagt Russenberger. Nun hofft er, dass ihm das auch mit «Bahnhofstrasse» gelingt. Ein wenig nervös sei er aber schon. Denn: «Man weiss ja nie, wie ein neues Buch bei den Lesern ankommt.»

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