Neueröffnung
Schwaben im Appenzellerland: Im neuen «Schwanen» bei Teufen gibt es Spätzle, Maultaschen und Bubespitzle

Wer sich dem zwischen Teufen und Stein gelegenen Restaurant nähert, erkennt schon von weitem eine markante Veränderung: Bunte Sonnenschirme, Flaggen und handgeschriebene Menütafeln zeugen davon, dass die traditionsreiche Wirtschaft wieder belebt ist.

Karin Erni
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Jörg Moll in der gemütlichen Wirtsstube des «Schwanen».

Jörg Moll in der gemütlichen Wirtsstube des «Schwanen».

Bild: Karin Erni

«Bereits im Februar waren wir bereit für die Eröffnung, doch aus bekannten Gründen war diese nicht möglich», sagt der neue Gastgeber Jörg Moll. «Als dann am 19. April die Terrassen öffnen durften, haben wir schnellstmöglich Gartenmöbel organisieren müssen, weil die Vorgänger den Aussenraum nie genutzt haben.» Nun ist drinnen und draussen alles bereit für die Gäste, auf die ein spezielles Angebot wartet: Der aus Baden-Württemberg stammende Moll möchte den Ostschweizern nämlich die Küche seiner Heimat näherbringen und diese mit Schweizer Klassikern kombinieren.

Eine Speise namens «Herrgotts-Bscheisserle»

Nicht fehlen dürfen da natürlich die bekannten Maultaschen. Während des Lockdowns wurden die nach Omas Rezept hergestellten Teigtaschen per Post in die ganze Schweiz und nach Liechtenstein versendet, erzählt Moll. Er weiss auch, warum Maultaschen auch «Herrgotts-Bescheisserlen» genannt werden:

«Maultaschen kommen ursprünglich aus dem Kloster Maulbronn. Da man im Kloster Freitags kein Fleisch essen darf, wurde dies einfach im Maultaschenteig versteckt. So konnte der Herrgott das Fleisch nicht sehen.»

Für Vegetarier gibt es die Teigtaschen mit Spinat oder Käse gefüllt.

Moll verspricht eine bodenständige und preisgünstige Küche ohne Chichi. «Bei uns ist es wie bei Oma: Die Teller sind gut gefüllt und wer nicht genug hat, erhält Nachschlag.» Beliebt ist die gemischte Beilagenplatte mit Spätzle, Gemüse, Pommes frites und «Bubespitzle» – so nennen die Schwaben ihre Schupfnudeln. Doch auf der Karte steht auch der «Schwanensalat» – ein Fitnessteller, der wahlweise mit Appenzeller Cordon bleu, Pouletbruststreifen oder Roastbeef serviert wird. Über Mittag gibt es täglich wechselnde Menus mit Getränk zum günstigen Einheitspreis. Verschiedene Toasts und hausgemachte Kuchen sind den ganzen Tag erhältlich.

Eine neue Heimat gefunden

Die Speisekarte ist mit den bekannten schwäbisch sprechenden Comicfiguren Äffle und Pferdle gestaltet. «Wir lassen die Karte auf dem Tisch liegen, damit die Gäste was zur Unterhaltung haben», sagt Moll. Alle Speisen im «Schwanen» sind hausgemacht und mit Produkten der Region hergestellt. Das Gemüse kauft Jörg Moll im benachbarten Hofladen. Auch die Glace ist selbst hergestellt und es gibt immer wieder neue Kreationen zu probieren. «Unsere aktuellen Hits sind Rot- und Weissweinglace.»

Moll fühlt sich im Appenzellerland bereits wie zu Hause. Immer wieder verweist er im Gespräch auf die vielen Gemeinsamkeiten der beiden alemannisch geprägten Regionen. Besonders beeindruckt hat ihn die gemeinsame Drive-in-Aktion der Teufner Wirte, an der er sich ebenfalls beteiligen durfte. «So viel Solidarität habe ich noch nie erlebt.»

Eine Weltpremiere in Niederteufen

Bei der Eröffnung hatte unser Restaurant ganz viel Konkurrenz, weil an dem Tag alle Betriebe wieder aufgingen, erinnert sich Moll. «Also mussten wir uns etwas einfallen lassen, um uns abzuheben.» Als «Weltpremiere» erhält der «Schwanen» als einziger ausländischer Betrieb das Zertifikat «Schmeck den Süden» des deutschen Hotel und Gaststättenverbands von Baden-Württemberg. Bedingung dafür ist, dass mindestens drei Speisen auf der Karte ausschliesslich mit Produkten aus diesem Bundesland zubereitet sind. Der Exilschwabe will mit Wurstsalat, Rostbraten und Grünkernbratlingen punkten.

Der Schweizer Kundschaft will Jörg Moll zudem die Weine aus Baden-Württemberg schmackhaft machen. «Diese sind heute von hervorragender Qualität und weisen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auf.» Besonders stolz ist er, die gesamte Kollektion an alkoholfreien Weinen der Heilbronner Genossenschaftskellerei anbieten zu können. Diese Tropfen kann auch geniessen, wer mit dem Auto da ist. Das frisch gezapfte Hausbier lässt Moll bei der Brauerei Freihof in Gossau herstellen.

Der neue «Schwanen» hat sieben Tag die Woche geöffnet. Unter der Woche ab 10 Uhr, am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 11.30 Uhr. Mehr Infos unter: schwanenkeller.ch.