Neuer Stützpunkt hat sich bewährt

BÜTSCHWIL. Seit rund einem Jahr gibt es beim Werkhof Bütschwil einen Stützpunkt der Rettung St. Gallen. Laut Angaben der Verantwortlichen bewährt sich dieser. Verunfallte und Kranke in der Region können so schneller erreicht werden.

Anina Rütsche
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Der Rettungswagen vor dem Bütschwiler Werkhof – von hier aus gelangen die Sanitäter in wenigen Minuten auf die Hauptverkehrsachse. (Bild: Anina Rütsche)

Der Rettungswagen vor dem Bütschwiler Werkhof – von hier aus gelangen die Sanitäter in wenigen Minuten auf die Hauptverkehrsachse. (Bild: Anina Rütsche)

Zwei rote Sofas, ein flauschiger Teppich, ein Beistelltischchen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Wohnzimmer, ist die Aufenthaltsecke der Rettungssanitäter am Stützpunkt Bütschwil. Dorthin ziehen sie sich zurück, wenn sie vergangene Einsätze besprechen oder für ihre Weiterbildung lernen müssen – bis der Pager alarmiert wird und sie zu einem neuen Einsatz ruft. Jeweils zwei Angestellte, davon mindestens einer mit bereits abgeschlossener Ausbildung zum diplomierter Rettungssanitäter, halten sich in diesem Raum im Werkhof auf, der ihnen zugleich als Büro und Küche dient. Eine Glasfront bietet freie Sicht auf die Garage, in der der neongelbe Rettungswagen steht.

Pilotphase ist abgeschlossen

Die in Bütschwil stationierten Frauen und Männer, die im Notfall ausrücken, um Leben zu retten, gehören zum Team Mitte der Rettung St. Gallen. Diese betreibt derzeit drei Stützpunkte im Toggenburg, nebst Bütschwil auch in Wattwil-Lichtensteig und Alt St. Johann. Weitere Rettungsfahrzeuge der Region Mitte sind in Wil stationiert.

Der Bütschwiler Stützpunkt ist das jüngste Projekt der Rettung St. Gallen. Er besteht seit 1. Dezember 2014. Die einjährige Pilotphase ist nun abgeschlossen, die gesammelten Daten sind ausgewertet. Gemäss Daniel Mayer, diplomierter Rettungssanitäter und Leiter der Region Mitte, fällt das Fazit positiv aus: «Die Lage in der Nähe der Hauptstrasse ist ideal, um Patienten schnell erreichen zu können.» Das Argument der schnellstmöglichen Erreichbarkeit von Kranken und Verunfallten, die «Hilfsfrist», ist denn auch der Grund, warum es den zusätzlichen Stützpunkt «unbedingt brauchte». Der kantonale Leistungsauftrag sieht vor, dass 90 Prozent der lebensbedrohlichen Notfälle innert einer Hilfsfrist von 15 Minuten erreicht werden müssen. «Heute sind wir bei 92 Prozent angelangt», verrät Daniel Mayer. «Dies unter anderem dank dem neuen Standort, der als Ergänzung dient.»

Unterstützung durch Gemeinde

Als es darum ging, einen Platz für ein zusätzliches Rettungsfahrzeug zu suchen, habe man sich zunächst auf eine Simulation gestützt, erzählt Daniel Mayer. Dies bedeutet: Die Verantwortlichen der Rettung St. Gallen haben mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Simulationssoftware berechnet, welche neuen Orte aufgrund früherer Erfahrungen und Einsätze in Frage kommen. Die Wahl fiel schliesslich auf Bütschwil-Ganterschwil, auf den Werkhof im Industriegebiet Hofacker. «Dieser Ort bietet eine geeignete Ausgangslage, man gelangt ausserdem schnell in umliegende Dörfer», sagt der Leiter der Region Mitte. Beim Gemeindepräsidenten Karl Brändle sei die Rettung St. Gallen mit dem Vorhaben, einen neuen Stützpunkt einzurichten, umgehend auf Zustimmung gestossen. Daniel Mayer freut sich bereits jetzt auf die Eröffnung der Umfahrungsstrasse in rund vier Jahren: «Dann fällt das Problem mit den oft geschlossenen Bahnschranken weg, gegen die man auch mit Blaulicht nichts ausrichten kann.»

400 Einsätze geleistet

Derzeit sind insgesamt 45 Personen für das Team Mitte der Rettung St. Gallen tätig. Zur Arbeit der Rettungssanitäter gehören nebst den Einsätzen für die Versorgung von Patienten viele administrative Arbeiten. Sie müssen den Wagen reinigen und die Ausrüstung auf Vollständigkeit überprüfen, sie bestellen Verbrauchsmaterial nach und verfassen Berichte über geleistete Einsätze. Zudem absolvieren sie Fahrsicherheitstrainings und jährlich 40 Stunden obligatorische Weiterbildung.

Die Angestellten rotieren in der Einsatzregion, sie wechseln also von Stützpunkt zu Stützpunkt. Während in Wattwil-Lichtensteig und Alt St. Johann rund um die Uhr diplomierte Rettungssanitäter vor Ort sind, ist der Betrieb des Standortes Bütschwil zeitlich begrenzt. Die Basis ist von Montag bis Freitag besetzt, jeweils von 8 bis 18 Uhr. «Die Kapazitäten in der Nacht braucht es nicht, dann läuft die Abdeckung via Wattwil-Lichtensteig», erklärt Regionsleiter Daniel Mayer.

2015 haben die diplomierten Rettungssanitäter vom Bütschwiler Werkhof aus rund 400 Einsätze geleistet. Man unterscheidet zwischen nicht planbaren Primäreinsätzen im Notfall und geplanten Sekundäreinsätzen, beispielsweise der Verlegung von Patienten. Insgesamt verzeichnete man fürs vergangene Jahr 231 Primäreinsätze ab Bütschwil. Zwei Drittel davon hatten mit akuten Erkrankungen zu tun, ein Drittel waren Unfälle.

Aufgrund der guten Erfahrungen aus dem Pilotprojekt behält die Rettung St. Gallen den Bütschwiler Stützpunkt bei. Der Betrieb kostet gemäss Daniel Mayer rund eine halbe Million Franken pro Jahr. Der Regionenleiter präzisiert: «Bei uns stehen nicht finanzielle Überlegungen im Vordergrund, sondern der Leistungsauftrag.»

www.rettung-sg.ch

Auch Computerarbeit gehört zum Alltag der Rettungssanitäter. Im Hintergrund ist die Sofaecke zu erkennen.

Auch Computerarbeit gehört zum Alltag der Rettungssanitäter. Im Hintergrund ist die Sofaecke zu erkennen.

Daniel Mayer Leiter Region Mitte bei der Rettung St. Gallen

Daniel Mayer Leiter Region Mitte bei der Rettung St. Gallen

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