Neuer Präsident schafft Pilzschutz ab

Heinz Schoch ersetzte Walter Looser als Präsidenten des Pilzvereins Toggenburg. Der Pilzsammler ergriff gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Initiative, die Pilzschutzverordnungen in den Toggenburger Gemeinden abzuschaffen. Vom Ergebnis war selbst Heinz Schoch überrascht.

Rik Bovens
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Schön anzusehen, aber giftig: Der Fliegenpilz gehört zu Heinz Schochs Lieblingspilzen. (Bilder: pd)

Schön anzusehen, aber giftig: Der Fliegenpilz gehört zu Heinz Schochs Lieblingspilzen. (Bilder: pd)

TOGGENBURG. Der Pilzverein Toggenburg hat einen neuen Präsidenten. Der leidenschaftliche Pilzsammler wurde an der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins gewählt und macht bereits zu Beginn seiner Amtszeit Nägel mit Köpfen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat er sich für die Abschaffung der Pilzschutzverordnungen stark gemacht. Die Abschaffung hat mittlerweile sogar kantonales Ausmass erreicht.

Planung unnötig erschwert

Die Abschaffung der Pilzschutzverordnungen sei für den Pilzverein Toggenburg schon lange ein Thema. Besonders an den bis anhin geltenden Schutztage, die das Pilzsammeln während der ersten zehn Tage des Monats untersagten, störte sich der Verein. «Die Regelungen haben die Planung der Bestimmungsabende unnötig erschwert», sagt Heinz Schoch.

Da der Nutzen der von den Gemeinden festgelegten Verordnungen durch mehrere Studien wissenschaftlich widerlegt worden war, sei er bei den Toggenburger Gemeinden vorstellig geworden und habe für die Abschaffung der Regelungen plädiert, erzählt der Präsident des Pilzvereins. «Damit habe ich scheinbar offene Türen eingerannt», meint Heinz Schoch. Denn an einer Versammlung der Toggenburger Gemeindepräsidenten wurde bereits im Dezember des vergangenen Jahres die Aufhebung sämtlicher Pilzschutzverordnungen beschlossen und eine entsprechende Absichtserklärung formuliert. In den Gemeinden, in denen noch entsprechende Regelungen bestehen, ist die Abschaffung innerhalb der kommenden Monate geplant, sofern sie noch nicht erfolgt ist.

Erwartungen übertroffen

Für Heinz Schoch war die Sache damit abgeschlossen, er hatte sein Ziel erreicht. An einer kantonalen Versammlung der Gemeindepräsidenten war der Pilzschutz jedoch abermals ein Thema. Das Ergebnis: Die Initiative des Pilzvereins Toggenburg wurde als Vorbild genommen, die Vorschriften zum Pilzschutz im gesamten Kanton restlos abzuschaffen. «Das hat mich riesig gefreut. Unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen», sagt der Präsident des Pilzvereins.

Nicht alle Waldnutzer freut's

Der Pilzverein Toggenburg hat mit der veränderten Situation nun eine grössere Freiheit bei der Planung der Bestimmungsabende, bei welchen jeweils montags im Restaurant Adler die gesammelten Pilze fachgerecht bestimmt werden. «An der Hauptversammlung durfte ich die Neuigkeit verkünden, die Vereinsmitglieder freuten sich natürlich über die Abschaffung», erzählt Schoch.

Für andere Waldnutzer, wie Förster und Jäger, war die Neuigkeit jedoch keineswegs positiver Natur (diese Zeitung berichtete). Es wird befürchtet, dass durch die Aufhebung der Pilzschutzverordnungen mehr Pilzsammler durch die Toggenburger Wälder streifen und das Wild deshalb gestört werde. Heinz Schoch kann diese Bedenken jedoch nicht nachvollziehen und verteidigt sich gegen die Vorwürfe: «Ich kann die Meinung dieser Leute, dass Pilzsammler eine Belastung für die Waldtiere sein sollten, nicht verstehen. So wie ich das sehe, sind es eher die Jäger und Förster, die den Wildtieren mit ihren Streifzügen schaden.»

Raubbau keine Gefahr

«Der Pilzschutz», so Heinz Schoch, «sollte nicht darin bestehen, das Sammeln an gewissen Tagen zu verbieten, sondern Gebiete mit einem besonders reichhaltigen Pilzvorkommen zu schützen und zu pflegen.» Im Toggenburg seien spezielle Schongebiete allerdings kein Thema, da sich die Sammler in den grossflächigen Wäldern gut verteilen würden.

Mit der Aufhebung der Regelungen ist nun auch das gewerbsmässige Sammeln von Pilzen erlaubt. Angst, dass im Toggenburg nun deshalb im grossen Stil Pilze gesammelt werde, hat Heinz Schoch jedoch nicht: «Anders als im Bündner Talschaften, wo sich ein regelrechter Tourismus entwickelt hat und sogar Leute aus Italien anreisen, um kiloweise Pilze zu ernten, besteht bei uns keine Gefahr, dass Raubbau betrieben wird.»

Leidenschaftlicher Pilzsammler

Während der Pilzsaison, die von August bis Oktober dauert, ist der leidenschaftliche Pilzsammler mindestens ein- bis zweimal pro Woche im Toggenburger Wald und hält Ausschau nach Pilzen. Dabei sammelt er nicht nur Speisepilze, sondern auch besonders schöne Exemplare, seltene Giftpilze oder ihm unbekannte Pilze, welche er zusammen mit den Vereinsmitgliedern an den Bestimmungsabenden genau unter die Lupe nimmt. Heinz Schoch ist besonders fasziniert von der ungemeinen Vielfalt an Pilzen, die sich im Toggenburg finden.

Denn auch Pilze der gleichen Sorte müssen nicht immer gleich aussehen: «Die Natur lässt sich nicht in ein Schema einordnen», weiss der Präsident .

Der Pilzverein organisiert jährlich zwei Grundkurse zur Pilzbestimmung. Diese finden am 15. und 22. Juni um 20 Uhr im Restaurant Adler in Wattwil statt.

Heinz Schoch und Anita Schmid (in der Mitte) komplettieren den Vorstand des Pilzvereins.

Heinz Schoch und Anita Schmid (in der Mitte) komplettieren den Vorstand des Pilzvereins.

Heinz Schoch Präsident Pilzverein Toggenburg (Bild: Rik Bovens)

Heinz Schoch Präsident Pilzverein Toggenburg (Bild: Rik Bovens)

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