Neuer Parasit bedroht Bienen

Mit dem Auftauchen des Kleinen Beutenkäfers sehen sich die Toggenburger Imker mit einer neuen Gefahr für ihre Bienen konfrontiert. Die Bienenzüchter sind sich einig: Das einzige Mittel dagegen wäre ein generelles Importverbot.

Urs M. Hemm
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Thomas Abderhalden, Präsident der Thurtaler Bienenfreunde, sieht seine Bienen bedroht. (Bild: Urs M. Hemm)

Thomas Abderhalden, Präsident der Thurtaler Bienenfreunde, sieht seine Bienen bedroht. (Bild: Urs M. Hemm)

TOGGENBURG. Der Kampf der Toggenburger Imker gegen die Varroamilbe ist noch lange nicht gewonnen und schon droht in Form des Kleinen Beutenkäfers die nächste Gefahr für die hiesigen Bienenvölker (siehe Kasten). «Mir ist zwar in der Schweiz noch kein Fall bekannt, dass der Kleine Beutenkäfer bereits aufgetreten ist. Ich bin mir aber sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er den Weg über die Alpen findet», sagt Thomas Abderhalden, Präsident der Thurtaler Bienenfreunde. Um die Gefahr dennoch in Schranken halten zu können, gibt es für ihn nur eine wirksame Lösung: den Import von Bienenvölkern und Königinnen nicht nur aus den betroffenen Regionen in Italien, sondern am besten gleich ganz zu verbieten.

Zurzeit vom Kleinen Beutenkäfer betroffen sind Kalabrien und Sizilien. Für diese beiden Regionen hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ein Importverbot für Bienen, Hummeln, gebrauchtes Imkereimaterial, unverarbeitete Imkereinebenprodukte sowie für den menschlichen Verzehr bestimmten Wabenhonig erlassen.

Aufwendiges Hobby

Für den gänzlichen Verzicht auf Importe von Bienen plädiert auch Arthur Büchler, Präsident des Bienenzüchtervereins Neckertal. «Grundsätzlich sind wir in der Lage, unsere Bienen selbst zu züchten und für Nachwuchs zu sorgen», sagt er. Die Aufzucht von Bienen sei jedoch ein aufwendiges, zeitintensives Hobby. Da könne es für den einen oder anderen verlockend sein, Völker zu kaufen, die ohne weiteres Zutun produktiv sind. «Dann sollten diese sich aber an Imker aus der Region halten, die wir kennen und denen wir vertrauen.» Ein Import aus dem Ausland sei in keiner Weise gerechtfertigt, zumal die Imker über die Risiken Bescheid wüssten. Denn bereits an deren Hauptversammlung im November habe der Bieneninspektor über das Auftauchen des Schädlings in Italien informiert und auf die verheerenden Auswirkungen für die hiesigen Bienenvölker hingewiesen. Die Reaktionen der Imker seien entsprechend fatal gewesen. «So war etwa der Satz <Wenn der auch noch kommt, dann höre ich auf> hier und dort zu hören», sagt Arthur Büchler. Er persönlich teile die Befürchtungen nur bedingt. «Ich hoffe noch auf einen kalten Winter, denn der Käfer überlebe Temperaturen von unter minus zehn Grad über einen längeren Zeitraum nicht.»

Vorschriften genau beachten

Kilian Schönenberger, Präsident des Bienenzüchtervereins Kirchberg-Lütisburg, hegt keinen Zweifel daran, dass der Kleine Beutenkäfer früher oder später in der Schweiz auftauchen wird. Aber auch er appelliert an die Imker, möglichste keine Völker zu importieren. «Und wenn im Ausland eingekauft wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass alle Vorschriften genau befolgt werden.» So müssen einerseits alle Verschiebungen von Völkern – auch innerhalb der Schweiz – den jeweils zuständigen Bieneninspektoren der Herkunfts- wie auch der Zielgebiete gemeldet werden. Andererseits muss der Weg der Bienen durch entsprechende Formulare nachvollziehbar sein und deren Gesundheit durch Gutachten nachgewiesen werden können.

Nur starke Völker halten

Sollte der Kleine Beutenkäfer tatsächlich in der Schweiz nachgewiesen werden können, gibt es laut Thomas Abderhalden nur eines: Die Vernichtung des betroffenen Volkes. Als präventive Massnahme empfiehlt er, nur wirklich starke, gesunde Völker zu halten. «Denn sind sie einmal durch beispielsweise die Varroamilbe geschwächt, sind sie umso anfälliger auf andere Parasiten», erläutert er.

Verbot chancenlos

Richard Wyss, Zentralpräsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB), wäre ein generelles Importverbot von Bienen am liebsten. «Aufgrund der bilateralen Verträge wird das politisch aber nicht durchsetzbar sein», sagt er. Stattdessen fordert der VDRB im Rahmen der Revision des Tierseuchengesetzes eine obligatorische Aus- und Weiterbildung der Imker zum Kleinen Beutenkäfer. Zudem sollen Imker, die wegen Befalls Völker vernichten müssen, für ihren Ausfall entschädigt werden. Die dritte Forderung ist eine Haftungspflicht für Imker, die Bienen importieren oder Importbienen kaufen und damit bewusst das Risiko einer Einschleppung des Kleinen Beutenkäfers in Kauf nehmen. Die Verordnung ist zurzeit in der Vernehmlassung.